Kategorie
Autor:innen
Jahr

Werkplatz für Robinson & Co.

Die Kinder nageln und hämmern mit an der Erfolgsgeschichte: Seit zwei Jahren gibt es in St.Gallen das Quartierprojekt Brache Lachen, zwar bloss als Zwischennutzung, aber nachhaltig. Am Freitag schliesst ein Fest die Saison ab.
Von  Peter Surber

Die Brache ist ein Kindertraum. Buntbemalte selbstgezimmerte Hütten, Bretter und Hölzer aller Art zum Weiterbauen, wuchernde Gartenbeete samt Werkzeug, Bäume zum Klettern und Verstecken, in der Mitte ein Planwagen. «Willkommen», steht beim Eingang in bunten Buchstaben, und das gilt: «Hier sind alle willkommen», sagt Kathrin Rieser, eine der Initiantinnen der Brache im Lachenquartier.

Kinder von 4 bis 12 Jahren können hier in ihrer Freizeit jeweils samstags hämmern und werken. An diesem Nachmittag, dem Auftakt zur Ferienwoche, hat Spirulina Zimmermann den Tarif durchgegeben, was man auf der Brache machen kann: Hütten winterfest machen, ein Insektenhotel bauen, kleine Holzhäuser zimmern für die noch obdachlose Donatella Tannzapfen und andere gebastelte Tiere; man kann Bilder malen oder Zvieri zubereiten.

Werk- und Spielplatz

Spirulina ist eine Riesenspinne mit schwarzen, respekteinflössenden haarigen Beinen. Ihre Geschichte, erzählt von Kathrin Rieser, gibt den Rahmen ab für das Tun der Kinder. Als sie etwas gar penetrant dazu aufruft, ihr zu helfen bei all den Arbeiten, die es zu tun gebe vor dem Winter, ruft ein Bub protestierend in die Runde: «Ausbeutung», «Kinderarbeit»! Die Kids von heute kennen die Welt von heute…. Dann packt der Protestler aber doch sofort an mit Säge und Hammer.

Es ist die letzte Woche der Saison, bevor die Brache Lachen an diesem Freitag mit einem Quartierfest ihre Türe schliesst. 2016 war das Areal eröffnet worden, als Zwischennutzung für die nächsten paar Jahre, bis die Stadt geklärt hat, was hier entstehen soll. Der Verein tiRumpel, der nahegelegene Kindertreff, war nach der städtischen Anfrage rasch mit im Boot, denn «schon längere Zeit brannte uns die Idee einer Art Robinson-Spielplatz und eines generationenübergreifenden Projekts unter den Nägeln», wie auf der Website der Brache Lachen zu lesen ist. Zusammen mit dem Hilfswerk Heks und dessen Flüchtlingsprojekt Neue Gärten, mit «Gartenkind» von Bioterra und mit der Valida gründete der Verein tiRumpel eine IG, die seither Leben auf die rund 1000 Quadratmeter an der Sömmerlistrasse bringt.

Die Brache ist eine Erfolgsgeschichte. Neben den Angeboten für Kinder gibt es Begegnungsanlässe für alle Menschen im Quartier und Feste. Dabei gelte für die Kinder wie auch für die teilnehmenden Erwachsenen: Selber anpacken und Verantwortung übernehmen ist erwünscht. Auf der Brache soll keine «Konsumhaltung» herrschen, sondern Gemeinschaft gelebt werden, sagen Kathrin Rieser und ihr Kollege in der tiRumpel-Leitung, Peter Olibet.

Das funktioniere bemerkenswert gut – was nicht selbstverständlich ist bei den vielen Nationalitäten und Emotionen, die hier zusammenkommen. Auch an diesem Feriennachmittag: Mitten aus der friedlichen Werkerei heraus geraten sich drei Buben über einem Brett, das sie alle drei dringend brauchen, kurz in die Haare – und lösen den Streit dann auf eigene Faust und kreative Art. «Auf der Brache können sich die Dinge entwickeln, die Kinder können ihre Spuren hinterlassen», sagt Kathrin Rieser. «Und über die Kinder kommen auch Eltern und andere Erwachsene hier zusammen, die man sonst weniger gut erreichen würde».

«Zinken gegen unten»

2016 ging es los, 2017 konnte das Angebot ausgebaut werden, unter anderem dank Mitteln aus dem Jubiläumsfonds der Kantonalbank, die die Brache zu einem ihrer Förderprojekte erkoren hatte. Kurse in Yoga, Kreistanzen und andere Aktivitäten für Kinder und Erwachsene fanden statt, Mittagstische wurden eingerichtet und Konzerte organisiert. Kathrin Rieser schwebt «eine Art kleines GZ» vor, ein Zentrum für alle im Quartier, ein Ort der Begegnung und der Vernetzung zwischen Schule, Nachbarn, ausländischer und einheimischer Bevölkerung. «Wir haben das Privileg, dass wir keine Rendite erzielen müssen» – so könne hier ohne Druck ausprobiert werden, was sich bewährt und was weniger.

Schlussfest mit Café Deseado
Freitag, 6. Oktober, 18-22 Uhr
Brache Lachen

Dafür braucht es, bei allem Freiraum, Regeln. Einige davon zählt ein Zettel beim Anschlagbrett auf mit dem Titel «Gartenkind-Regeln». Praktisches steht da wie «Werkzeug reinigen» oder «Zinken gegen unten zum Boden, nie rennen» – aber auch: «Fair zueinander sein». Für letzteres bietet die Brache, soweit dies von aussen einzuschätzen ist, eine ideale Spielwiese: mit hoher Toleranz, aber auch mit klaren und gelebten Werten, allen voran: Respekt. Sie ist in diesem Sinn alles andere als Brachland, sondern Humus für das Ziel, das auf einem anderen Plakätchen geschrieben steht: «Farbe bekennen für eine menschliche Schweiz».

 

 

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von  René Hornung
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von  Vera Zatti
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Von  Pius Frey  und  David Gadze
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von  Mia Nägeli

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von  Vera Zatti
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd