Wenn Johanna Neumann von den Mohammedanern spricht, tut sie das mit leiser Achtung in der Stimme. Und sowohl der respektvolle Ausdruck als auch die Selbstverständlichkeit, mit der ihn die Jüdin benutzt, stehen in traurigem Widerspruch zum aktuellen, von Hass und Gewalt geprägten Verhältnis zwischen Juden und Moslems. Jahrzehnte später reist die 84-Jährige für die Wanderausstellung «Besa – ein Ehrenkodex» um die Welt. Die Ausstellung macht in St.Gallen an der Pädagogischen Hochschule (PHSG) ab heute Dienstag bis am 13. März Halt.
Flucht vor dem Naziterror
Acht Jahre alt war Johannah Neumann, als ihre deutschjüdische Familie vor dem Naziterror nach Albanien floh und bei verschiedenen Familien Zuflucht fand. Als die Italiener 1943 ins Balkanland einmarschierten, nahm die Familie Tilku die verfolgten Juden auf. Den Sohn ihrer Retter hat Johannah Neumann 2002 aufgespürt. Er wurde von der Holocaust-Gedenkbehörde Yad Vashem als «Gerechter unter den Völkern» geehrt – als einer von rund 70 weiteren Albanern.
Sie stehen für ein Land, das sich während des Holocausts dort auszeichnete, wo die anderen europäischen Nationen versagten. Eine Tatsache, die die «Besa»-Ausstellung ins Gedächtnis rufen will.
Gezeigt werden zwölf Porträt-Bilder von Albanern, die damals Juden aufgenommen haben, angefertigt vom amerikanischen Fotografen Norman Gershman. Dieser sagte nach seiner Reise, er habe oft den Eindruck gehabt, die Porträtierten verstünden gar nicht, weshalb er gekommen sei. Das deckt sich mit Johanna Neumanns Erinnerungen. Für die Albaner sei die Rettungsaktion eine Selbstverständlichkeit gewesen, sagt sie. «Jeder in unserer Umgebung wusste, dass wir Juden waren und keiner hätte uns an die Besatzer verraten.»
«Wenn es nötig wird, bringen wir euch in die Berge»
Die Albaner haben während des zweiten Weltkriegs nach einem uralten Ehrenkodex gehandelt. «Besa» lässt sich nicht adäquat ins Deutsch übersetzen. Wer es versucht, landet bei Wörtern wie Schwur oder Konstruktionen wie gastfreundschaftliches Bündis oder Ehre des Hauses. «Besa» verpflichtet in Albanien nach dem uralten Gewohnheitsrecht des Kanuns, seine Gäste zu schützen.
Johanna Neumann sagt: «Ein Fremder in ihrem Land war wie ein Fremder in ihrem Haus». Ihre eigene Familie habe von den albanischen Freunden ein Versprechen gehabt: «Sollte es nötig werden, bringen wir euch in die Berge».
Doch die Rettung der Juden in Albanien beruhte nicht nur auf dem Ehrgefühl des Einzelnen. Das Volk weigerte sich mit kollektivem Mut, Juden an an die Nazis auszuliefern. Und der Staat half aktiv bei dem Verstecken, indem Visen und falsche Pässe für die Juden beschafft wurden. König Zogu wandte sich gar an alle europäischen Konsulate, um auf die Aufnahmebereitschaft Albaniens aufmerksam zu machen. Sie wisse nicht mehr genau, wie ihre Eltern von den Visen erfahren hätten, sagt Neumann. Doch wünschte sie sich, «dass mehr Juden davon gewusst hätten».
Albanien ist das einzige europäische Land, in dem nach dem Holocaust mehr Juden lebten als davor. «Keinen einzigen haben sie deportiert», sagt Neumann.
«Besa»-Film im Kinok
Die Besa-Ausstellung war mittlerweile in 12 Schweizer Städten zu sehen. Organisiert wird die Tour von einer Projektgruppe um Esther Hörnlimann, die auch albanische und muslimische Organisationen mit ins Boot holte. Die PHSG war schnell überzeugt, die Ausstellung zeigen zu wollen: Im Frühling wird das Bildungsinstitut die neue Fachstelle «Demokratiebildung und Menschenrechte» eröffnet – eine Fachrichtung, die das Erinnern an den Holocaust und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt. «Die Anfrage von Frau Hörnlimann hat da natürlich gut hinein gepasst», sagt PHSG-Rektor Erwin Beck.
In die Ausstellung involviert ist auch das Kinok: Heute Dienstag wird dort einmalig der Film «Besa- the Promise» der Amerikanerin Rachel Goslins gezeigt. Johanna Neumann wird auch an diesem Anlass über ihre Geschichte reden.
Der Trailer zum Film:
Die Ausstellung in der PHSG an der Notkerstrasse 27 ist Montag bis Freitag jeweils von 8 – 20 Uhr geöffnet, am Samstag und Sonntag jeweils 10 bis 14 Uhr. Mehr Details und das Rahmenprogramm auf der Besa-Website.
Bild: Sascha Erni
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.