, 5. Mai 2015
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«Wie eine Wolke über der Stadt»

Das Theater St.Gallen bringt in der nächsten Spielzeit eine Uraufführung über die Folgen der Textilkrise in St.Gallen. Autorin Rebecca C. Schnyder gibt Auskunft, was sie am Thema interessiert.

Rebecca Schnyder, worum geht es für Sie im Stück «Erstickte Träume»?

«Erstickte Träume» untersucht, was vom Untergang der Stickerei nachwirkt und in welcher Form dies in St.Gallen heute spürbar ist. Die Ausgangsthese für mich war: Diese Geschichte ist als eine Art kollektives Trauma noch da, aber unausgesprochen. Es liegt wie eine Art Wolke über der Stadt. Die Region ist davon natürlich auch betroffen, aber der Fokus liegt im Stück auf der Stadt.

Was für Personal kommt im Stück vor?

Viel Personal… viel mehr, als ich bis jetzt je auf einer Bühne bewegt habe. Zum einen gibt es sieben Hauptfiguren, daneben ein mehrköpfiges Tribunal, den Chor der Sticker und zwei Kinder. Der historische Kontext wird lebendig durch Figuren wie Isaak Gröbli, den Erfinder der Schifflistickmaschine. Diese treffen auf Figuren aus der heutigen Zeit. Zum Beispiel auf Alex, einen jungen Mann mit einer Geschäftsidee: intelligente, hoch-technologische Stoffe zu produzieren. Er stösst damit auf Hindernisse, die damit zu tun haben, wie weit die Krise und der Untergang der Stickerei in die Gegenwart nachwirken.

Rebecca-Schnyder

Rebecca C. Schnyder

Sie haben die Geschichte der Textilindustrie recherchiert?

Ich habe viel gelesen und recherchiert. Dazu kommt: Ich bin selber in einem Haus im Ausserrhoder Dorf Wald aufgewachsen, wo im Keller noch eine alte Stickmaschine stand und steht – auch wenn sie seit langem nicht mehr im Gebrauch ist. Mich hat diese Geschichte auch schon früher beschäftigt; ursprünglich wollte ich meine Maturaarbeit dazu schreiben.

«Erstickte Träume» ist dokumentarisches Theater?

Nein. Es ist eine Übersetzung, Überhöhung, das Stück ist fiktional, auch wenn es natürlich auf historischen Tatsachen aufbaut. Ich bin Theaterautorin, das heisst: Ich erfinde.

Das Stück will, wie Sie sagen, erforschen, wieweit die Stickereikrise bis heute in St.Gallen nachwirkt. Was haben Sie für eine Antwort gefunden?

Meine Antwort ist dieses Stück.

Was bedeutet es für Sie, am Theater St.Gallen aufgeführt zu werden?

Das ist natürlich sehr speziell. Und schön. Umso mehr, als der Stoff selber mit mir und mit der Region so direkt zu tun hat. So wird es ein Stück aus St.Gallen, nicht nur ein Stück über St.Gallen. «Erstickte Träume» ist für mich ein Leidenschaftsprojekt. Und es führt mich auf ästhetisches Neuland; bisher hatte ich noch nie einen historischen Stoff verhandelt. Das war ein Prozess, meinen ganz eigenen Umgang damit zu finden.

«Erstickte Träume» hat am 6. November 2015 Premiere in der Lokremise.

Titelbild: wikipedia.org/wiki/Textilindustrie_in_der_Ostschweiz

 

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