, 3. September 2018
keine Kommentare

Wie Island ein Fussballland wurde

Am 6. September startet in St.Gallen die vierte Ausgabe der Fussballlichtspiele. Geboten wird viel Hintergründiges zu einem eigentlich simplen Spiel.

Szene aus «Wie ein Vulkan».

An der letzten WM in Russland kam es zur Begegnung zwischen Kolumbien und Japan. In der dritten Minute berührte Carlos Sanchez den Ball im Strafraum bei einem Abwehrversuch mit dem Arm. Die Folge: Penalty für Japan und rote Karte für Sanchez. Kolumbien verlor den Match mit 1:2.

Eine beliebige Szene in einem langen Turnier.

Nicht aber für das Publikum der Fussballlichtspiele vom letzten Jahr, das dort den grossartigen Dokumentarfilm The Two Escobars gesehen hatte. Darin wurde das Leben des Fussballspielers Andrés Escobar (u.a. Young Boys) und des Drogenbarons Pablo Escobar zu einem Porträt der kolumbianischen Gesellschaft zur hohen Zeit des Medellin-Kartells verwoben.

Kurz nach einem unglücklichen Eigentor an der WM 1994 in den USA war der Fussballer in einer Bar in Medellin erschossen worden. Ob der Täter ein Auftragsmörder war, liess sich nicht beweisen. Das Kartell hatte hohe Wetten auf einen Sieg Kolumbiens platziert.

Carlos Sanchez soll nach der Niederlage seiner Mannschaft über soziale Medien Morddrohungen erhalten haben.

Aber natürlich ist die WM lange vorbei und eigentlich schon vergessen. Und die nächste Ausgabe der Fussballlichtspiele startet in St. Gallen am 6. September.

So viele Filme über Fussball

Manchmal denkt man, so viele Filme über Fussball kann es doch gar nicht geben.

Es ist bereits die vierte Ausgabe.

 

Im Programm geht es wie meistens um die Underdogs der Fussballwelt. Am Freitag heisst das Thema Island. Das Fussballland.

In zwei Dokumentarfilmen wird unter anderem nach Erklärungen gesucht, wieso sich ein Land mit 330‘000 Einwohnerinnen und Einwohnern und einem Klima, bei dem es Rasenspiele schwer haben müssten, für grosse Turniere qualifizieren kann. Der Vorfilm verspricht viel Lakonie.

Am Samstag wäre dann noch am anderen Ende der Stadt das Spiel Schweiz – Island im Rahmen der Nations League angesagt. Das ist ein neuer Wettbewerb, der einen nicht interessieren muss.

Mehr als ein Spiel

Zeitgleich läuft im ehemaligen Kino Tiffany Alive & Kicking: The Soccer Grannies of South Africa, ein Kurzfilm über fussballspielende Frauen in der südafrikanischen Provinz Limpopo. In Football for better and for worse geht es um das Frauenteam des schwedischen FC Rosengard, das von der Kamera begleitet wird.

 

Den Abend beendet Triumph – More Than a Game. Im Mittelpunkt steht der Match Serbien gegen Albanien vom 14. Oktober 2014 in Belgrad. Das war ein nationalistisch aufgeheiztes Spiel, bei dem irgendwann eine Drohne, behängt mit der Flagge Grossalbaniens, über dem Spielfeld schwebte.

In Albaniens Mannschaft dabei waren Taulant Xhaka (FC Basel), Ermir Lenjani, damals noch FCSG, Amir Abrashi, damals GC oder Burim Kukeli, damals FCZ.

Es war ein Spiel, das für den Schweizer Fussballverband offensichtlich nie stattgefunden hat.

Dabei liegen die Verbindungen zum Match Serbien – Schweiz vier Jahre später in Russland auf der Hand: Xhaka? Xhaka.

Aber natürlich hat Fussball nichts mit Politik zu tun.

Wie falsch dies ist, belegen die Fussballfreilichtspiele unter anderem mit dem Eröffnungsfilm Hillsborough.

Es ist ein Dokumentarfilm über einen gross angelegten Vertuschungsversuch. Die Schuld am Tod von 96 Liverpool-Fans kam erst lange nach der Tragödie von 1989 ans Licht.

Fussballlichtspiele St. Gallen vom 6. bis 8. September. Spielstelle für die Filme ist das ehemalige Kino Tiffany an der Lämmlisbrunnenstrasse in St. Gallen.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Impressum

Herausgeber:

 

Verein Saiten
Frongartenstrasse 9
Postfach 556
9004 St. Gallen

 

Telefon: +41 71 222 30 66

 

Redaktion

Corinne Riedener, Peter Surber, Julia Kubik

redaktion@saiten.ch

 

Verlag/Anzeigen

Marc Jenny, Philip Stuber

verlag@saiten.ch

 

Anzeigentarife

siehe Mediadaten

 

Sekretariat

Irene Brodbeck

sekretariat@saiten.ch

 

Kalender

Michael Felix Grieder

kalender@saiten.ch

 

Gestaltung

Samuel Bänziger, Larissa Kasper, Rosario Florio
grafik@saiten.ch

Saiten unterstützen

 

Saiten steht seit über 20 Jahren für kritischen und unabhängigen Journalismus – unterstütze uns dabei.

 

Spenden auf das Postkonto IBAN:

CH87 0900 0000 9016 8856 1

 

Herzlichen Dank!