«Der geschichtliche Überblick hat gezeigt, dass die Männer immer alle konkrete Macht in Händen hatten. Seit den frühesten Zeiten des Patriarchats haben sie es für nützlich befunden, die Frau in einem Zustand von Abhängigkeit zu halten. Ihre Gesetze wurden gegen die Frau eingeführt, und auf diese Weise ist sie praktisch als das Andere konstituiert worden. Diese Situation diente den ökonomischen Interessen der Männer…».
So zugespitzt tönt die Lage der Geschlechterdinge im Buch Das andere Geschlecht von Simone de Beauvoir, Untertitel «Sitte und Sexus der Frau». 1949 ist es erschienen, vor bald siebzig Jahren also, und das merkt man, so zeitlos gültig der obige Passus aus dem dritten Kapitel «Mythos» tönt, dem Buch teils auch an. Arbeitende Frauen, erst recht intellektuelle, beschreibt Beauvoir als eine Rarität, traditionelle Frauenbilder dominierten, und wer als Frau die Hosen anhaben wollte – auch im wörtlichen Sinn –, riskierte Diskriminierung: «Eine Frau, die sich der herrschenden Vorstellungen nicht anpasst, entwertet sich sexuell und folglich auch gesellschaftlich», steht im 4. Kapitel, betitelt «Auf dem Weg zur Befreiung».
Beauvoir wieder lesen… ein Buch wieder zur Hand nehmen, das auf der Liste der «100 Bücher des Jahrhunderts» von Le Monde weit vorn, an elfter Stelle steht? Diese löbliche Idee hat das «Existentialistische Café» im Ausstellungsraum Nextex im Mai umgesetzt. Diskutiert wurde an drei Abenden, neben Beauvoir kam auch ihr Gefährte Jean-Paul Sartre vor, ausserdem Sören Kierkegaard. Initianten des anspruchsvollen philosophisch-zeitkritischen Programms waren Kuratorin Salome Hohl sowie Dominique Kuenzle, Caroline Ann Baur und Rada Leu.
Nachlass-Kunst
Heute abend ist Dernière, und wer die Debatten verpasst hat, kann sich von der Kuratorin in einer Kurzführung ins Existentialistische Café und in die Ausstellung von Simon Bachmann einweihen lassen.
Finissage: Do 31.5. 18 Uhr: Kurzführung 18.30 Uhr: Referat Corinne Schatz 20 Uhr: Bar
Nextex, Kulturkonsulat, Frongartenstrasse 9 St.Gallen nextex.ch
Zur Finissage lädt das Nextex gemeinsam mit dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA ein. Im Anschluss an die Kurzführung spricht Corinne Schatz über die Nachlässe von Hedwig Scherrer (1878-1940) und David Bürkler (1936-2016). Diskutiert werden Fragen wie: Was soll mit Werken, Objekten und Skizzen, aber auch mit Rechnungen, Tagebüchern oder Malutensilien von Kunstschaffenden nach deren Ableben geschehen? Anschliessend klingt die Ausstellung von Simon Bachmann, «Lieblingsfreizeitbeschäftigung Nr. 13» an der Nextex-Bar aus.
Simon Bachmann: Ohne Titel (DIE MOTHAFUCKA), 2017.
Kierkegaard übrigens hat, im tiefen 19. Jahrhundert, die (damalige) Gegenwart als eine Zeit beschrieben, die vor lauter Reflexion das Handeln und die Leidenschaft verlernt habe. Darin gleiche sie «dem gegen Morgen Eingeschlummerten: grossartige Träume, dann Dösigkeit, dann ein witziger oder gescheiter Einfall zur Entschuldigung dafür, dass man liegen bleibt.» Also: aufstehen, hingehen!
Weitere Infos hier. Anmeldung an rahel.beyerle@sik-isea.ch. Spontane Gäste sind auch willkommen.
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.