Wie ich in meiner letzten Kolumne geschrieben habe, fand am 15. und 16. Oktober der Event «Blackbox Eritrea» in der Roten Fabrik statt.
Am Samstagabend hatten wir die meisten Besucher – es waren fast 600 Menschen. Allgemein war der Event sehr spannend. Einerseits weil wir verschiedene Politiker*innen, Fachleute und Aktivist*innen aus Eritrea und der Schweiz eingeladen haben, andererseits weil so viele Interessierte und Medienleute gekommen sind. Ein wirklich gelungener Austausch!
Seit der Verschärfung der Asylpraxis im Juni 2016 müssen eritreische Flüchtlinge die Schweiz verlassen, wenn sie in Eritrea noch nie für den zeitlich weiterhin unbefristeten Nationaldienst aufgeboten wurden, von diesem befreit oder aus diesem entlassen worden sind. Damit erhält eine immer grössere Gruppe von Eritreer*innen einen negativen Asylentscheid mit Wegweisungsverfügung. Es sind die Schwächsten unserer Gesellschaft, darunter viele Minderjährige, die darunter leiden, die eigentlich am meisten Schutz von uns verdienen würden.
Ich finde, das zeugt von Verachtung für ein Volk. Nur um die Statistiken runterzuschrauben, will man gewissen Gruppen kein Asyl mehr gewähren. Statt diese Menschen in die Illegalität zu treiben, müsste man ihnen eine Aufenthaltsbewilligung geben und die Gelegenheit, sich zu integrieren. Denn als Sans-Papiers sind sie entrechtet und ihrer Würde beraubt. Sie leben als Nothilfe-Empfänger*innen ohne Perspektive in Asylzentren oder tauchen unter.
Im Rahmen unserer zweitägigen Veranstaltung «Blackbox Eritrea» haben wir vom Eritreischen Medienbund Schweiz deshalb eine Petition gestartet: Wir fordern von Bundesrätin Simonetta Sommaruga und den Verantwortlichen des Staatssekretariats für Migration (SEM), dass sie die Praxisänderung vom Juni 2016 im Umgang mit eritreischen Flüchtlingen umgehend rückgängig machen – damit den eritreischen Flüchtlingen in der Schweiz weiterhin ein faires Asylverfahren gewährt werden kann.
Die Petition wurde am Samstagabend bereits von 200 Personen unterschrieben. Am 19. Oktober (dem Saiten-Redaktionsschluss) waren es bereits 484 Unterschriften, mittlerweile sind es über 1000.
Am 10. Dezember 2016, am Internationalen Tag der Menschenrechte, werden wir die Petition Simonetta Sommaruga übergeben. Bis dann kann man noch unterschreiben!
Mehr zur Petition: eritreischer-medienbund.ch
Yonas Gebrehiwet, 1996, ist vor fünf Jahren aus Eritrea in die Schweiz gekommen. Er wohnt in Rorschach und ist Textiltechnologe
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