Saiten: Michael, weshalb hört ihr auf? Ist doch eigentlich alles gut gelaufen beim Triebwerk.
Michael Hohermuth: Das Gebäude, ein altes Fabrikgebäude an der Bildstockstrasse 5 in Arbon, wird umgenutzt. Es entstehen Wohnateliers. Wir wären dann also nicht nur in einem Wohnquartier, sondern sogar in einem Wohnhaus. Das wäre schwierig. Dass es irgendwann zu einem Ende kommen wird, haben wir schon länger gewusst. Eigentlich schon bereits, als wir vor fünf Jahren eingezogen sind. Der Besitzer ist gleichzeitig der Vater eines unser OK-Mitglieder. Er hatte Freude an uns und liess uns deshalb machen.
Hätte es keine Möglichkeit gegeben, trotzdem weiter zu machen?
Wir sind auf ihn zugegangen und haben uns entschieden, dass nun Schluss sein soll und er sich als Besitzer des Gebäudes nun neuen Projekten widmen kann.
Und wie geht es jetzt weiter? Geht es überhaupt weiter?
Ja, wir haben bereits eine Variante, die wir am Anschauen sind. Wir sind aber noch nicht sicher. Über den Sommer bis Oktober haben wir sowieso jeweils eine Pause eingelegt. So gesehen ist dieser Unterbruch nun nicht aussergewöhnlich. Unser Ziel ist es, bis spätestens Weihnachten eine neue Location gefunden zu haben. Am 24. Dezember feiern wir traditionsgemäss unser Weihnachtsfest. Am Weihnachtsabend trifft sich Arbon jeweils nach der Familienfeier bei uns zum Weiterfeiern.
Und wie sieht das neue Konzept aus?
Wenn wir etwa Neues machen wollen, dann soll es auch wirklich ein neues Konzept sein. Wir wollen nicht das alte Konzept kopieren, sondern etwas Neues schaffen. Wir sind einfach auf einen Ort angewiesen, an dem wir auch länger bleiben können.
Könnt ihr da auch Geld aus einem öffentlichen Topf erwarten? Oder wie finanziert ihr euch?
Wir sind mit der Stadt Arbon in Verhandlungen für Beiträge aus dem Kulturfonds. Aber den Rest finanzieren wir selber. Wir arbeiten ja auch alle freiwillig. Wir zahlen uns keinen Lohn aus, vielleicht mal ein kleines Sackgeld, aber nicht mehr.
Ihr seid fast verpflichtet, in Arbon weiterhin Kultur zu machen. Viele Alternativen hat man als Arbonerin und Arboner ja nicht…
Ja, ausser dem Kulturcinema gibt es nichts. Die haben aber ein anderes Programm als wir, dort gibt es Filme und Lesungen, bei uns Konzerte und manchmal auch Theater. Was wir machen, gibt es in Arbon sonst nicht.
Arbon liegt relativ nahe an der Stadt St.Gallen. Gehen die Arboner nicht lieber schnell dorthin, um sich Konzerte anzuhören?
Klar, in Arbon merkt man schon den Einfluss von St.Gallen auf die Kultur. Viele Arboner gehen in die Stadt in den Ausgang. Dennoch schätzen sie es, dass es auch vor ihrer Haustür Konzerte und Veranstaltungen gibt. Ausserdem hatten wir auch viele Besucher aus dem Appenzellerland, die lieber zu uns kommen als nach St.Gallen. Das spornt natürlich zum Weitermachen an.
Was waren die Highlights der vergangenen Jahre im Triebwerk?
Ein sehr erfolgreicher Abend war das Konzert von Blue Van – jene Band, die einen Song für die iPhone-Werbung geschrieben hat. Aber auch die Konzerte mit Steaming Satellites, Stiller Haas oder Stahlberger waren sehr gut besucht. Und der vergangene Samstag mit dem Zauberkünstler Mark Haller – ein völlig anderes Programm als üblich – war ebenfalls ein Erfolg.
Morgen gibt es also die Dernière. Vorderhand zumindest. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?
Es gibt eine Überraschung. Mehr will ich dazu gar nicht sagen: Ab 21 Uhr spielt die Genfer Band The Animen. Etwas später spielt dann noch eine andere Band, die anders klingt, als es sonst in unserem Programm üblich war. Und abgerundet wird der Abend mit einem DJ, der auch schon bei Soulgallen auflegt hat.
Und dann ist Schluss?
Genau. Wir hören schweren Herzens auf. Aber wir haben die Zeit genossen. Es war spannend, auch das gemischte Publikum. Unser Ziel wird es auch an einem neuen Standort sein, Kultur in Arbon zu halten.
Des Triebwerks letzter Knall mit The Animen (CH) und Überraschungsgästen: 23. April, 20 Uhr, Infos: triebwerk-arbon.ch
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