, 30. November 2018
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«Wir wollen uns nicht auf einzelne Räume fixieren»


Die Stadt St.Gallen gibt sich 2020 ein neues Kulturkonzept, es entsteht in Zusammenarbeit mit der Kulturszene. Barbara Affolter und Kristin Schmidt, die Co-Leiterinnen der städtischen Kulturförderung, im Gespräch über partizipative Prozesse, kulturelle Utopien und Teilhabe, Fördertransparenz, politische Entscheide, wertvolle Aussenblicke und die heimische Vielfalt.

Saiten: Warum braucht die Stadt ein neues Kulturkonzept?


Kristin Schmidt: Das alte ist zehnjährig, und man sieht mittlerweile deutlich, was es leisten kann und was nicht. Es stehen viele gute Dinge drin, von denen einige aber bisher nie wirklich umgesetzt worden sind.

Zum Beispiel?


KS: Das Thema Räume ist sehr präsent. Diesbezüglich hat sich in den letzten zehn Jahren nicht sehr viel verändert. Es gibt zwar Massnahmen, die im jetzigen Konzept beschrieben sind, aber keinen Plan zur Umsetzung, keine Verbindlichkeit. Man hat keine Handhabe. Darum braucht es jetzt ein Kulturkonzept, das mehr Verbindlichkeit ausstrahlt.

Barbara Affolter: Das Kulturleben entwickelt sich weiter, die Ansprüche und Bedürfnisse verändern sich wie auch die Vision und die Ziele der Stadt selber. Es gibt neue Themen in der Kultur, auch national gesetzte, beispielsweise die kulturelle Teilhabe aller inklusive Soziokultur oder Kulturvermittlung – dazu äussert sich das bisherige Kulturkonzept nicht. Und natürlich ist die Partizipation heutzutage wichtig: Das alte Konzept wurde gemeinsam mit wenigen Fachleuten entwickelt, das neue wird viel offener erarbeitet, unter anderem mit Forumsveranstaltungen, so dass sich alle Kulturschaffenden, die es ja im Endeffekt am meisten betrifft, äussern können.

Was hat sich bewährt am alten Konzept?


KS: Es versucht ganz grundsätzlich, den Begriff «Kultur» zu fassen und einzelne Massnahmenfelder zu definieren: das Thema Räume, die Situation der freien Szene, die verschiedenen Sparten und Institutionen. Diese Beschreibungen passen nach wie vor.

BA: Es ist unter anderem eine dazumal aktuelle Auslegeordnung: Die Kulturszene wird in ihrer Gesamtheit und Vielfalt sichtbar gemacht. Sicherlich wird einiges vom alten Konzept übernommen, aber es gibt auch neue Ansätze. Was bleibt und was sich ändern wird, ist im Moment schwer zu sagen, das wird dann am 3. Dezember konkreter, wenn die zweite Forumsveranstaltung stattfindet. Am ersten Forum wurden zahlreiche Themen angesprochen, aber wie man mit diesen umgeht, ist Teil des weiteren Partizipationsprozesses. Wir wollen da nicht vorgreifen.

Barbara Affolter (rechts) ist Historikerin und war früher in der Kulturförderung beim Amt für Kultur des Kantons St.Gallen tätig. Kristin Schmidt ist Kunsthistorikerin und freie Journalistin. Seit September 2014 leiten sie zusammen die Kulturförderung der Stadt St.Gallen. (Bild: Stadt St.Gallen)

Kultur braucht Räume – und da kommt immer wieder die Lokremise zur Sprache: Die freie Szene kritisiert, dass Miete und Technik zu teuer seien und es keine Möglichkeiten zum Proben oder für Gastspiele gibt. Wird sich das ändern?

BA: Die Lokremise als Raum für die freie Szene ist oft ein Thema, aber zum einen sind dafür der Kanton und die Stiftung zuständig, und zum andern wollen wir uns nicht auf einzelne Räume fixieren. In Kleingruppen wird am Forum diskutiert, welche Massnahmen letztlich seitens der Kulturszene als notwendig erachtet werden. Es kann auch sein, dass statt bestehender Lokalitäten ein anderer, eigener Raum gefordert wird. Und wir müssen anschliessend schauen, was möglich ist – auch von der Politik aus.

Ihr erwartet viel von den Kulturschaffenden.

KS: Sie verlangen ja auch etwas! Natürlich sind sie gefordert, sich einzubringen, aber das ist ja genau ihre Chance – und auch das Schöne am partizipativen Prozess.

BA: Von den 160 Personen, die am ersten Forum im August teilnahmen, wurden viele allgemeine Themen formuliert, daneben aber auch Partikularinteressen. Das kann durchaus auf einzelne Massnahmenideen hinauslaufen, die vielleicht im Moment utopisch erscheinen. Nichtsdestotrotz sollte man diese Utopien einmal öffentlich hören und wissen, dass es sie gibt. Und vielleicht tun sich ja am Ende Möglichkeiten auf. Dabei wird es sicher auch Einzelne geben, die sich ungehört fühlen, aber auch das ist unvermeidlich bei solchen Prozessen.

Wenn jemand – analog zur Reithallen-Abstimmung 2014 – eine Halle für Veranstaltungen ab 500 Personen fordern würde:
Wäre das für euch utopisch oder würdet ihr sagen, das muss man weiterverfolgen?

KS: «Weiterverfolgen» klingt immer gut. Wir würden nie sagen: Das könnt ihr von Anfang an vergessen. Wir setzen uns auch nicht hin nach dem Forum und entscheiden, was geht und was nicht, sondern spiegeln die geforderten Massnahmen in der Fach- und Steuergruppe bezüglich ihrer Machbarkeit.

BA: Wenn die Mehrheit sagen würde, dass St.Gallen eine Konzertstadt werden soll und das auch politisch gewünscht wäre, würden wir diese Idee selbstverständlich weiterverfolgen und abklären, ob es ein bestehendes Gebäude sein soll oder ein anderes, vielleicht sogar ein neues.

Günstige Ateliers seien Mangelware in der Stadt: Das ist ein weiterer Kritikpunkt. Zurecht?

KS: Dringlicher scheint die Frage, ob ein Auslandatelier in der heutigen Form noch zeitgemäss ist, oder ob neue Arten von Ateliers tauglicher sind. Ateliers sind ja nur eine Form der Förderung. Die Förderinstrumente im Allgemeinen sind ein grosses Thema, und das gilt übrigens für alle Schweizer Städte, St.Gallen ist da keine Ausnahme.

Nach dem ersten Forum: Was ist aus eurer Sicht das dringlichste Anliegen? Wo sind die Lücken im Kulturangebot am grössten?

KS: Es ist ja nicht nur kritisiert worden, beispielsweise wurde die Vielfalt in St.Gallen sehr oft gelobt. Und es ging und geht auch nicht immer nur ums Geld. Das Bild ist sehr vielfältig, es gibt nach unserem Gefühl nicht nur eine einzelne Thematik, die den Kulturschaffenden unter den Nägeln brennt. Ein grosses Thema waren die starren Förderformen: Viele wünschen sich mehr Spielraum in der Kulturförderung.

BA: Was mich überrascht hat, war, dass sich einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Forum gar nicht unbedingt zugehörig fühlten zur St.Galler Kulturszene und sich sehr gefreut haben über unsere Einladung. Die Möglichkeit zur Vernetzung wurde sehr positiv wahrgenommen.

KS: … auch dank der Zusammensetzung der Gesprächsrunden. Es war eben gerade nicht so, dass immer dieselben miteinander reden wie sonst so oft. Die Leute waren bunt durcheinandergewürfelt, da sass ein Chorsänger plötzlich neben einer Literatin – das wurde sehr geschätzt.

Trotzdem gab es aber auch Skepsis, was die Mitsprachemöglichkeiten betrifft. Denn jede neue Idee kostet…

BA: Vielleicht gibt es auch andere statt nur finanzielle Mittel und Wege. Man kann mit bestehenden Ressourcen etwas aufbauen – oder zusammenspannen. Am Forum sind sich viele Leute begegnet, die gar nichts voneinander wussten und erst da gemerkt haben, dass die eine Person ja etwas anbietet, das die andere sucht. An diesem Abend hatten wir den Eindruck, dass dieser Austausch und die Vernetzung einem Bedürfnis entsprechen.

Vernetzung ermöglichen, Plattformen bieten etc. – was für Förderinstrumente, die nichts mit Geld zu tun haben, geistern sonst noch herum?

KS: Wir fördern ja jetzt schon nicht nur durch Geld. Es geht auch um Beratung, Information, Vernetzung – und mitunter auch um Präsenz und Rückmeldung. Das ist ebenfalls Teil der Kulturförderung, denn wir verstehen uns nicht als Stelle, die nur Geld verteilt. Auch innerhalb der Stadtverwaltung merken wir, dass ganz viel möglich ist, wenn wir mit den einzelnen Dienststellen gut zusammenarbeiten. Das können ganz kleine Sachen sein: die Schaukästen an der Zürcherstrasse zum Beispiel, die ewig leer standen und dank der Kooperation mit dem Liegenschaftenamt nun von einer Künstlerin bespielt werden.

BA: Oder die Umnutzung einer Telefonkabine durch eine Künstlerin: Eigentlich im Zuständigkeitsbereich der Direktion Planung und Bau, aber wir konnten Hand reichen und sie mit der zuständigen Person in Kontakt bringen. Wir können Türöffnerinnen und Brückenbauerinnen sein, aber die Kulturschaffenden müssen ihren Teil selber leisten und auch bei den Inhalten reden wir nicht rein.

Ist das auch ein Ziel des neuen Konzepts: die Zusammenarbeit mit den anderen Dienststellen verbindlich zu machen? Es gibt ja
auch eine «Kultur an den Rändern», also Projekte, die mit Bildung und Sport, Integration oder Kindern zu tun haben.

BA: Ja, und darum haben wir für die Arbeit am Konzept die Fachgruppe ins Leben gerufen, in der sowohl Mitglieder der Stadtverwaltung aus unterschiedlichen Bereichen mitarbeiten als auch Kulturfachleute – alle, mit denen wir in den letzten vier Jahren in irgendeiner Form zu tun hatten. Unser Ziel ist es auch, die einzelnen Stellen für ihre Möglichkeiten, Kultur zu unterstützen, zu sensibilisieren.

Die 2014 veröffentlichte «Botschaft zu Förderung der Kultur in den Jahren 2016–2020» des Bundesrats fordert die kulturelle Teilhabe aller. Was heisst das für St.Gallen? Oder anders gefragt: Wie soll man umgehen mit dem Graben zwischen einem kulturnahen und einem kulturfernen Publikum?

BA: Teilhabe aller heisst nicht, dass man die weniger interessierten Gruppen gewaltsam an alle möglichen Kulturveranstaltungen zerren muss. Teilhabe heisst vor allem, dass jene, die passiv oder aktiv am kulturellen Leben teilnehmen wollen, den Zugang finden, oder aber, dass Menschen angeregt werden, sich überhaupt mit Kultur auseinanderzusetzen und sie mitgestalten. Das setzt voraus, dass sprachliche, körperliche, finanzielle oder gesellschaftliche Barrieren abgebaut werden.

KS: Nehmen wir die Kinder: Sie sind sehr offen und für gute kulturelle Angebote zu begeistern. Es gibt mittlerweile viele gute Initiativen, den Kindern einen leichten Zugang zu Kultur zu ermöglichen.

An der zweiten Forumsveranstaltung werden erste Zwischenresultate auf dem Weg zum Kulturkonzept vorgestellt und diskutiert:
3. Dezember, 18 Uhr, Lokremise St.Gallen
stadtsg.ch/forum

Kommen wir zum Geld: Wie viel pro Jahr steht für die freie Projektförderung in der Stadt zur Verfügung?

KS: Es gibt zwei Kredite: je 320’000 Franken für Veranstaltungen und für Projekte. Zu den Veranstaltungen gehören zum Beispiel Chorkonzerte, Ausstellungen oder Anlässe in der Grabenhalle; sie werden in der Regel mit Defizitgarantien unterstützt. Mit Projekten sind Bücher, Filme oder Tanzproduktionen gemeint.

Das heisst, es gibt 640’000 Franken pro Jahr fürs freie Kulturschaffen. Das ist wenig im Vergleich zu den Subventionen für Institutionen. Reicht das Geld aus den zwei Töpfen?

BA: Die Frage ist, was man alles fördern möchte und wie man was gewichtet. Soll man ein kulturelles Angebot, das seit Jahren gut läuft, weiterfördern oder spricht man das Geld irgendwann einem anderen, neuen Projekt zu?

KS: Die Forderung nach mehr Geld kommt ja fast immer und überall. Und natürlich könnte man immer noch mehr ausgeben. Aber was die Stadt unterstützt, muss klaren Qualitätskriterien genügen. Dazu gehören beispielsweise Innovationsgehalt, Relevanz, Resonanz, Glaubwürdigkeit, Professionalität und so weiter. Daneben gibt es Schwerpunkte, die die Stadt setzt und die mit dem neuen Kulturkonzept noch weiter geschärft werden sollen. Die vorhin angesprochene kulturelle Vielfalt ist einer davon und charakteristisch für St.Gallen. Wenn sich nun herausstellt, dass die Stadt gewisse Dinge noch ausbauen will, kann das durchaus auch finanzielle Konsequenzen haben.

BA: Wenn die Stadt weiss, wohin sie sich kulturell entwickeln will und was das konkret kostet, dann ist das nicht zuletzt ein politischer Entscheid: Was ist uns ein bestimmtes Angebot oder eine kulturelle Initiative wert?

Mehr Geld ist im Moment nicht in Sicht. Und das Angebot an Kulturveranstaltungen nimmt weiter zu. Drohen finanzielle Engpässe?

BA: Unser Kredit reicht momentan für das Bestehende. Mit neuen Initiativen wird das Kuchenstück für alle etwas kleiner. Auf der anderen Seite hiesse mehr Geld für Kulturveranstaltungen ja nicht zwangsläufig mehr Qualität.

KS: Ein Punkt, der uns beschäftigt, ist zum Beispiel der Umgang mit Veranstaltungen auswärtiger Gruppen oder Kompanien. Wenn es das Budget erlaubt, gibt es auch Spielraum, Gastspiele zu unterstützen. Aber Vorrang haben die Kulturschaffenden, die hier tätig sind.

Im Buch Kulturinfarkt, das 2012 erschienen ist, kritisiert Pius Knüsel, dass zu viele Fördergelder in Institutionen fliessen statt in das künstlerische Schaffen. Müsste man mehr in Personen und weniger in Häuser investieren?

KS: Die Frage ist ja, was die Institutionen bieten und wie wichtig sie für das freie Kulturschaffen vor Ort sind. Ich bin überzeugt, sie sind sehr wichtig, denn was nützt es der Kulturszene, wenn sie im eigenen Saft schmort und keine Institutionen vorhanden sind, die den Fokus über die Region hinaus und international erweitern und auch Kulturschaffende von ausserhalb herholen? Es braucht diesen Aussenblick und das ständige Hinterfragen des eigenen Tuns. Ich kann die Kritik an den Institutionen schon verstehen, aber letztendlich institutionalisieren sich viele Dinge ja von selbst. Wir haben auch in St.Gallen Beispiele von Initiativen, die klein angefangen haben und mittlerweile auf einem internationalen Level angekommen sind. Diese sind wichtig für das Gesamtgefüge, und bloss weil sie mit den Jahren etwas erreicht haben, muss man sie jetzt nicht abschneiden. Das nützt niemandem.

BA: Eine grosse Institution wie zum Beispiel das Theater engagiert immer wieder Personen von ausserhalb, und im besten Fall bringen sie sich auch in der hiesigen Kulturszene mit ein. Diese Inputs sind sehr wertvoll.

KS: In der Tanzszene ist das gut zu sehen: Leute, die aus dem Ensemble ausscheiden, bleiben in der Stadt und arbeiten hier weiter. Oder manchmal stolpert man über ein Dossier einer Künstlerin, hat den Namen noch nie gehört, und dann stellt sich heraus, dass sie den Weg nach St.Gallen über die Kunstgiesserei gefunden hat. Ich finde das grossartig. Klar gibt es einen Gegensatz zwischen «freier» und «institutioneller» Kultur, aber das muss ja nichts Schlechtes sein.

Eine Institution, über deren Subvention gerade im Stadtparlament diskutiert worden ist, ist das Textilmuseum. Man könnte sich
auf den Standpunkt stellen: Das ist eher eine touristische Institution, wir fördern mit den frei werdenden Mitteln lieber das freie Kunstschaffen.

BA: Die grossen Institutionen in der Stadt sind ja naturgemäss auch «touristisch», da sie eine überregionale oder nationale Ausstrahlung haben. Das Textilmuseum ist eine herausragende Kulturinstitution und hat das Potenzial, sich noch stärker auch anderen Themen aus textil-kultureller Sicht zu widmen, etwa sozialgeschichtlichen oder ökologischen Fragen. Dass man eine so etablierte Kulturinstitution «ausrangiert», kann ich mir schlicht nicht vorstellen.

Am ersten Forum wurde mehr Fördertransparenz gefordert. Wäre es sinnvoll, offenzulegen, wer wie viele Kulturgelder bekommt?

KS: Bei allem Verständnis für Transparenz: Ich bin mir nicht sicher, ob diese Forderung von allen in gleichem Masse kommt oder ob es eher Einzelpersonen sind, die vielleicht das Gefühl haben, dass sie zu wenig bekommen. Ich zweifle, ob Zahlen allein aussagekräftig sind, denn bei der Förderung kommen jeweils viele unterschiedliche Kriterien und Überlegungen zur Anwendung.

BA: Wenn Chor X so viel bekommt und Chor Y so viel: Was macht die Öffentlichkeit mit dieser Information, ohne das konkrete Projekt zu kennen? Gleichwohl ist diese Art der Transparenz in allen Städten ein Thema – immer verbunden mit der Frage, von wem der Wunsch nach Transparenz kommt. Man könnte auch transparent sein, indem man sagt, welche Beträge die Stadt je für die einzelnen Sparten, Musik, bildende Kunst, Tanz und so weiter ausgibt. Das wiederum würde aber zu Verzerrungen führen, da man in einer Sparte vielleicht eine grosse Institution mit finanziert.

Aus Sicht der Kulturförderung also lieber weniger Transparenz?

BA: Es ist eine zweischneidige Sache. Es geht nicht um Geheimnistuerei, aber reine Fördersummen transparent zu machen, könnte zu Irritationen in der Kulturszene führen.

KS: Oder die Publikumszahlen werden plötzlich zur entscheidenden «Währung». Damit kommt man in Teufels Küche: Die einen arbeiten extrem experimentell, riskieren viel und haben vielleicht nur 20 Leute im Publikum, die anderen bewegen sich eher im Mainstream, und alle Aufführungen sind ausverkauft. Das darf nie gegeneinander ausgespielt werden, weil beides seine Berechtigung hat. Wir wollen das Schwierige, Experimentelle genauso fördern.

BA: Wichtig ist: Über die Beiträge entscheiden Fachexpertinnen und -experten im Diskurs und anhand von allgemein anerkannten Qualitätskriterien, dem städtischen Reglement sowie Erfahrungswerten.

KS: St.Gallen hat ja den Vorteil, dass es klein genug ist, so dass wir selber und die Mitglieder der Kulturkommission häufig vor Ort sein können. Das heisst für uns auch Kulturförderung: hingehen, anschauen, was gemacht wird, und sich ein Urteil bilden.

Was ist euer Wunsch an die Kulturstadt St.Gallen? Wie auch immer: an die Politik, an das Publikum oder die Kulturschaffenden?

KS: Dass die wunderbare Vielfalt, ohne die ich gar nicht hier wäre, erhalten bleibt. Nicht nur, was die Sparten betrifft, sondern auch die institutionelle Vielfalt gegenüber der freien Szene. Das ist ungemein wertvoll und darf nicht verloren gehen, auch falls der finanzielle Druck grösser werden sollte.

BA: Vielfalt nicht nur als «viel von allem», sondern ich wünsche und hoffe, dass auch in Zukunft das Kleine oder Sperrige seinen festen Platz hat. Dass Kulturthemen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sich gegenseitig stützen. Man muss ja nicht alles toll finden, was andere machen, aber man kann es respektieren. Und dass St.Gallen neugierig bleibt für Einflüsse und Inspirationen von aussen.

Das Gespräch haben Corinne Riedener und Peter Surber geführt. Es ist im Dezemberheft von Saiten erschienen.

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