Vor drei Jahren stand die «Randerscheinung» im Mittelpunkt der Schlossmediale Werdenberg, nun widmet sich die Kunstschule Liechtenstein an ihrem Geburtstag ebenfalls den Rändern. In der Peripherie liegt das Potenzial, so wird behauptet. Ob das wirklich so ist, diskutieren Vertreterinnen und Vertreter regionaler Kulturinstitutionen in einem Symposium gegen Schluss der Jubiläumstage, am Samstag 27. Oktober.
«Immer öfter gehen Initiativen von der Peripherie aus»: Direktor Martin Walch.
Nendeln, 1500 Einwohner, ein Durchgangsort: Hier dürfte das Thema einige Inspiration bieten. «An der Peripherie, im dörflichen Umfeld zu sein, bringt eine eigene Qualität mit sich, die Städte nicht haben. Vielfach ist Kultur und Kunst mehr in Ballungszentren zuhause. Heute gehen jedoch immer öfter auch Initiativen von der Peripherie aus», sagt Martin Walch, Direktor der Kunstschule, und weiter: «Bei der Vorbereitung zum Jubiläum haben wir viel diskutiert, auch darüber, ob es eine Peripherie überhaupt gibt, denn eigentlich hat alles und jedes sein Zentrum.»
Gestartet wird mit einer Work-in-progress-Ausstellung im Vaduzer Kunstraum Engländerbau. Grundsätzlich sollen an neun Tagen alle Altersgruppen angesprochen und Kunst zu jeder Tageszeit erlebbar werden. Da gibt es Nachtexkursionen, Spurendetektive, Urban Sketching im öffentlichen Raum, Zeichnen im Kunstmuseum, eine Performance zum Künstler Ferdinand Nigg, eine Tanzchoreografie zu Gedichten, einen Spaziergang zwischen Gebäuden, einen Familienworkshop mit den Skulpturen der Bad RagARTz, das Vaduzer Dorfleben in Ton geformt oder Momentaufnahmen von Geräuschen, Klängen und Noten aus dem Landesarchiv.
Das Programm geht von einem umfassenden Kunstbegriff aus, der alle Sparten umfasst. Es widerspiegelt damit das breite Angebot der Schule. Insgesamt hat die Kunstschule Liechtenstein 30 Lehrkräfte, allerdings nur 610 Stellenprozente. Die meisten der Unterrichtenden arbeiten mit einem Pensum von maximal zehn Prozent. Dabei ist die Schule ungemein aktiv, bietet Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an, Schulkooperationen, Lehrerfortbildung und berufliche Weiterbildung. Im Fokus steht der vollzeitliche Vorkurs, der in den letzten Jahren immer beliebter wurde, was Martin Walch auch auf die Zusammenarbeit mit den Schulen zurückführt: «So kommen viele Schülerinnen und Schüler erstmals mit uns in Kontakt, und wenn sie es cool fanden, dann gibt es ein entsprechendes Echo in den sozialen Medien, das sich schnell verbreitet.»
Die 32 Schülerinnen und Schüler des diesjährigen Vorkurses sind zwischen 16 und 26 Jahre alt, 22 von ihnen kommen aus Liechtenstein, fünf aus der Schweiz, drei aus Österreich und zwei aus Deutschland. Zwei Drittel sind Frauen, ein Drittel Männer. «Um einen guten Unterricht zu gewährleisten, haben wir zwei Klassen gebildet. Die Studierenden haben mehr als 20 verschiedene Lehrer. Dabei entstehen immer wieder spannende Austauschmöglichkeiten für Schüler wie für Lehrpersonen. Zudem geschehen nicht nur wertvolle gestalterische Fortschritte, auch im sozialen Bereich ist die Spanne gross», meint Martin Walch.
Der Grundlagenunterricht ist breit gefächert und reicht vom Malen, Zeichnen, Kunstgeschichte und Bildhauen oder Fotografie bis zum Bühnenbild, dem Tanz, der Performance und Medienunterricht.
Bei der Gründung der Kunstschule vor 25 Jahren hatten viele in Liechtenstein befürchtet, dass es künftig eine Schwemme von Künstlerinnen und Künstlern geben würde. Nach einem Vierteljahrhundert ist klar: Es gibt viele Kunstschaffende, Designer und Kreative, doch nur die wenigstens studieren im Anschluss an den Vorkurs freie Kunst an einer Kunsthochschule. «Die meisten wenden sich den angewandten Bereichen zu, dort, wo man auch etwas verdienen kann», meint Martin Walch lachend; «eine kürzlich durchgeführte Studie in Berlin ergab, dass 98 Prozent sogenannte Slash-Artisten sind, also Künstler, die sich den Lebensunterhalt neben ihrem Kunstschaffen mit teilweise sehr verschiedenen Jobs verdienen.»
Zum eigenen Kunstschaffen kommt auch Martin Walch aufgrund seiner Funktion an der Kunstschule nur noch selten. Eines seiner letzten grossen Werke ist das vor einem Jahr installierte Stahlobjekt im Hilti-Kreisel vor Schaan.
Am Mittwoch wurde in der Lokremise laut nachgedacht: über die Zukunft der Schule für Gestaltung und die Möglichkeiten von Kulturschaffenden zur politischen Einflussnahme. Resultat: ein Freundeskreis.
Alle reden vom Standort – wir auch. Ausserdem: Ein Comic zum Saiten-Jubiläum, der Report aus dem Knast und das Serbeln der Musikbranche. Und ein Loch. Und natürlich: ä guäts Neus!
Die Entlassung von Thomas Gerig, Abteilungsleiter der Schule für Gestaltung, ist der vorläufige Höhepunkt im Machtkampf um die SfG. Seine Ehemaligen setzten deshalb am Donnerstag mehr als nur ein Zeichen für «ihren» Krawattenträger.
Der Vorkurs für Erwachsene soll wieder über 13'000 Franken kosten. Das ist keine Sparmassnahme, sondern ein Beispiel für den Standortnachtteil St.Gallen.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Ausstellung
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.