, 10. Januar 2014
11 Kommentare

Wo sind die Dübel? (Neumarkt 2)

Der umgebaute Neumarkt kommt jetzt schon in Kabarettnummern vor. Man fragt sich weiterhin: Was haben sich die Planer gedacht?

Man kann sicher sein, dass sich die Entwickler des Migrosmarkt im Neumarkt viel überlegt haben. Die Sortimentsgestaltung ist inzwischen eine halbe Wissenschaft.

Beobachtet man aber die Kunden im Laden (und sich selber), muss vieles falsch gelaufen sein.

Wie solche Gespräche von Planern laufen, hat 2001 der Essay-Filmer Harun Farocki festgehalten. In «Schöpfer der Einkaufswelten» lässt er Entwickler und Architekten über ihre Konzepte reden. Er ist an Sitzungen dabei oder filmt die Monologe der Experten. Sie reden über den Dorfcharakter von Shopping Malls oder dass eine Eisdiele am besten zum kühlen Ambiente passt. In einer Sequenz kritisiert einer der Planer einen Entwurf, der vor ihm liegt. Es könnte ein ähnlicher Grundriss sein wie der Neumarkt. Er sagt leicht verächtlich: «Das ist ein Wege-Labyrinth». Das Rezept ist für ihn klar: Es brauche ein Wegsystem, «das den Kunden ganz klar führt, sodass er in jedem Bereich weiss, wo er gerade ist.»

Offenbar verteilen sie inzwischen im Neumarkt kleine Pläne, wenn die Kunden nicht mehr weiterwissen.

Immerhin hat sich die Unübersichtlichkeit bereits zu einem allseits verbindenden Stadtthema entwickelt und ist knapp zwei Monate nach der Eröffnung schon Thema im neuen Programm des Cabaret Sälewie.

Natürlich könnte man sich fragen, ob ein Einkaufszentrum soviel Beachtung verdient. Dem kann man entgegnen: Der Neumarkt hat eine städtebaulich wichtige Funktion: Er schliesst die Ladenstrassen der Innenstadt gegen Westen hin ab. Und er bietet rund um die Max-Oertli-Skulptur einen kleinen, belebten Platz, in dem sich Randständige mit Passanten mischen. Das Einkaufszentrum ist aber vor allem ideal erschlossen: Sämtliche Buslinien und Postautokurse sowie der Bahnhof befinden sich in nächster Nähe.

Deshalb spielt beispielsweise das Sortiment eine Rolle.

Um ein Thema aufzunehmen, das in einem Kommentar zum früheren Beitrag «Lost in the Supermarket» erwähnt wird:

«Wo sind die Dübel?»

Mit dem Umbau ist die Do-it-Yourself-Abteilung verschwunden. Der Laden war fast die einzige Möglichkeit im Stadtzentrum, um beispielsweise eine Bohrmaschine, einen Pack Sechser-Dübel, einen Kanister Lack oder eine Schneeschaufel besorgen.

Zu dieser neuen Leerstelle im städtischen Angebot gibt es eine Diskussion auf Migipedia, einem Onlineangebot der Migros. Die Moderatorin bestätigt dort, «dass ein Teil des Do-it-Sortiments in die umgebaute Filiale im Neumarkt St. Gallen integriert wurde. Damit ist das gesamte Angebot näher beieinander und Kunden müssen nicht zwischen verschiedenen Gebäuden hin und her wechseln.»

Tatsächlich gibt es einen Teil des Sortiments weiterhin. In einem eher abgelegenen Bereich des Migrosmarkts finden sich einige Regale mit Heimwerker-Bedarf. Das Angebot ist im Vergleich rudimentär: Dübel gibt es zwar, aber nur noch in der unpraktischen Kombi-Plastikbox mit Schrauben  in diversen Grössen.

Das ist wie wenn man feststellt, dass es auch nach dem Ende des Musik Hug noch Plattenläden in der Innenstadt hat – und beispielsweise den Manor meint.

Es gibt noch andere Themen rund um den Neumarkt.

Beispielsweise der fehlende Komfort der Bushaltestelle Bleicheli.

Die Passagiere der VBSG müssen bei Regen oder Schnee entweder weiterhin im Freien stehen oder sich in den Eingang des Neumarkts verkriechen. Wieso wurde mit dem Umbau kein besserer Unterstand geplant? Dazu muss nun  der Stadtrat Stellung nehmen. Der Stadtparlamentarier der Grünen, Andreas Hobi, hat dazu eine einfache Anfrage eingereicht, die im Moment noch nicht online verfügbar ist.

11 Kommentare zu Wo sind die Dübel? (Neumarkt 2)

  • langsam wirds peinlich mit der ganzen nörglerei am neumarkt. unglaublich wie man immer noch kann darauf rumhacken. es dauert halt etwas bis man sich daran gewöhnt und wieder weiss wo man was findet. bitte seid nicht immer so verschlossen gegenüber neuem.

    • K K sagt:

      Oh bubuuuuuu… bist ja einer ganz sensibler… Koitus fördert die Dopaminproduktion! Ausserdem ist dein Kommentar peinlich da dein Humor einfach weisser ist als der Hintergrund auf dem ich gerade schreibe… Es gibt es Kritikpunkte(Do-it) denen du jar gar nichts entgegenzusetzen hast ausser einen gegenörgel zu starten.. how cheap!

      Ich nörgel über den nögelden Nörgler, dem die ganze nörgelei auf den Wecker geht.. xD

      Peace Out Rabbit (Alice)

  • Inge Lütt sagt:

    ät „John Lemon“: „… seid nicht immer so verschlossen …“ Immer ist es bizzeli sehr kategorisch. Immer.

    Was das Labyrinth und seine Eigenschaften betrifft: Ich vermute mal, die Migros setzt auf mündige KundInnEn. Mit anderen Worten: Die haben einen Mund, die können fragen. Oder es ist wie immer (ahem, na gut: meistens): Besoffen geschaut von der Grossartigkeit des Entwurfs ist niemand mehr auf die Idee gekommen, dass es sich beispielsweise nicht automatisch erschliesst, Wäsche in der gleichen Abteilung wie Waschmittel zu suchen. Aber ich kann ja fragen.

  • Daniel sagt:

    Oder einfach nicht mehr hingehen.

  • Johannes sagt:

    Der Daniel ist sicher einer, der gar nicht mehr einkaufen geht und sich alles liefern lässt. Ächt aus dem Ausland? Nach ein paar Mal Neumarkt hat sich mein träges Hirn umgewöhnt und nun klappt’s ganz gut.

    • Daniel Rechsteiner sagt:

      Der Daniel lässt sich nichts liefern sondern geht lieber auf den Markt (der alte, der auf dem Marktplatz). Der ist auch schön übersichtlich. Und sonst gibts ja noch den Coop.

  • Bumblebee sagt:

    es ist halt so….der Mensch ist ein Gewohnheitstier…..viele Menschen wirft es aus dem Konzept wenn mal was nicht den gewohnten Weg geht. Das sieht man auch im Geschäft, wenn irgendetwas nicht mehr an der Stelle ist wo es vorher war.

    Es gibt ein schönes Sprichwort: Ohne Veränderung kein Fortschritt.

    Mir gefällt der neue Neumarkt….und an alle Nörgler…..das legt sich….auch ihr werdet den Weg zu eurer Ware finden….:)

    da steckt mehr dahinter als nur, man hat einfach alles umgestellt…..wie es einem gerade passt.

    Ein Hoch auf die Migros…..super gemacht.

  • Elizabeth Ellen Tedaldi sagt:

    Die Grossverteiler haben einige Detailhändler erfolgreich aus dem Stadtzentrum vertrieben. Seit Jahren konnte man in der Innenstadt ausschliesslich im Neumarkt Schrauben, Nägel und Dübel kaufen. Nach dem Umbau gibt es all diese Artikel nicht mehr, genau wie Schneeschaufel, Gartenutensilien usw. Neu muss ich, wohnhaft im Stadtzentrum, also mit dem Bus nach St.Fiden (Migros Bach hat eine denkbar schlechte Busverbindung) oder nach Abtwil fahren, wenn ich Schrauben, Nägel oder einen Hammer brauche. DAS finde ich wirklich unglaublich für eine Stadt dieser Grösse.

  • Peter Surber sagt:

    Liebe Freunde der Dübel und Schaufeln, leider fehlt es bald auch an anderem im St.Galler Stadtzentrum: Musik Hug macht dicht, der Laden voll von Schnäppchenjägern, 25 Prozent, 50 Prozent Preisabschlag, und zwischendrin ein paar Ratlose, die nicht wissen, wo sie künftig ihre Verdi-CD kaufen, die es jetzt schon in den sich leerenden Regalen nicht mehr gibt. Da bleibt jedoch der Aufschrei aus, und das ist ebenfalls ziemlich unglaublich für eine Stadt dieser Grösse. Liegts daran, dass das Musikpublikum mit seiner Gratismentalität selber schuld ist an der Misere?
    Mehr dazu hier

  • Jonathan sagt:

    Peter Surber trifft mit dem letzten Satz, man sollte sich das „Mehr dazu hier“ wirklich rein ziehen. Da wird gemotzt und geplärrt (Reithalle, Kultur statt Standort, böser Stadtrat usw.), handkehrum wird runtergeladen was das Zeug hält. Meist gratis, oft illegal, manchmal mit ein paar Bruchteilen eines Eurocents über Bezahldienste (Kommentare und Zahlen z.B. zu spotify siehe Internet). Musik Hug schliesst, es wird ein Textilladen, ein Fast-food-Lokal oder was ähnliches in die Lücke springen. Dort kann man dann shoppen oder fooden gehen mit dem Stöpsel im Ohr …

  • Ruth sagt:

    Zum Musik Hug: Simoninis verkauft super klassische Musik an der Zwinglistrasse und der Inauen verkauft Schallplatten. Die Frage ist doch auch, warum es die Spezialisten (weiter-)schaffen und ein Hug zumacht.

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