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Wohltuende Wehmut

Stephan Brülhart ist Sänger und Gitarrist der Rockband Overdrive Amp Explosion und wandert seit 2011 als Lonesome Station auf Solopfaden. (Bild: pd) 

Stephan Brülhart ist Sänger und Gitarrist der Rockband Overdrive Amp Explosion und wandert seit 2011 als Lonesome Station auf Solopfaden. (Bild: pd) 

Der Freiburger Musiker Stephan Brülhart macht mit seinem Soloprojekt Lonesome Station seit 15 Jahren berührenden Lo-Fi-Pop. Jetzt hat er seine neue EP My Life Is Here veröffentlicht. Es ist sein bisher persönlichstes Werk. Am Mittwoch gastiert er in der Grabenhalle.

Mit sei­ner Band Over­dri­ve Amp Ex­plo­si­on er­rich­tet er Wän­de aus lau­ten Gi­tar­ren. Mit sei­nem So­lo­pro­jekt Lo­ne­so­me Sta­ti­on hin­ge­gen zeigt sich Ste­phan Brül­hart von der lei­sen Sei­te: Stim­me, akus­ti­sche Gi­tar­re, Loop-Sta­ti­on, hie und da ein Key­board, mehr ist da nicht. Und mehr braucht es auch nicht. Das zeigt auch sei­ne neue EP My Life Is He­re, die vor zwei Wo­chen er­schie­nen ist. 

Brül­hart ist ein Meis­ter der Ver­dich­tung. Sei­ne Songs be­gin­nen meist ganz sanft und stei­gern dann die In­ten­si­tät, oh­ne da­bei laut wer­den zu müs­sen. Der Sen­s­ler ver­steht es, dank sorg­fäl­ti­ger, manch­mal ver­spon­ne­ner Ar­ran­ge­ments ge­ra­de aus der Re­duk­ti­on viel Kraft – und Ge­fühl – zu zie­hen. Auch der stets et­was brü­chi­ge, aber be­rüh­ren­de Ge­sang trägt zur emo­tio­na­len Tie­fe der Mu­sik bei. 

Auf My Life Is He­re fin­den sich vier Lo-Fi-Pop-Per­len, die sich an die Songs der bis­he­ri­gen drei EPs und des De­büt­al­bums von 2013 rei­hen, aber et­was an­ders schim­mern. Fa­cet­ten­rei­cher, ge­heim­nis­vol­ler, ein­neh­men­der. 

Mit je­dem Ton mehr Span­nung 

Schon der wun­der­vol­le Ope­ner Sun Ze­ro zieht ei­nen in­nert we­ni­ger Se­kun­den in sei­nen Bann. Er be­ginnt mit ei­nem Beat, dann setzt die Gi­tar­re ein, dann der Ge­sang, und im Hin­ter­grund ist lei­se das Pia­no zu hö­ren. So ent­wi­ckelt er sich nach und nach zu ei­nem dich­ten Klang­tep­pich und baut mit je­dem Ton mehr Span­nung auf.  

Qua­si als Klam­mer da­zu funk­tio­niert das Schluss­stück The Way, in dem sich die Gi­tar­ren wie Klet­ter­pflan­zen um das Ge­rüst aus Beats win­den, ei­ne nach der an­de­ren, Schicht für Schicht, im­mer hö­her, ehe sich nach zwei Mi­nu­ten ein Sa­xo­phon (ge­spielt von Man­fred Jungo) an die­sen mit­reis­sen­den Song schmiegt. 

Ei­ne Par­al­le­le zu Over­dri­ve Amp Ex­plo­si­on: Nach­dem sich auf dem letz­ten Al­bum Free, das En­de 2024 er­schie­nen ist, erst­mals ein deutsch­spra­chi­ges Lied in der Song­lis­te fand, ent­hält die neue EP mit Blei­ben um zu ge­hen nun auch den ers­ten deutsch­spra­chi­gen Lo­ne­so­me-Sta­ti­on-Song. Ein Stück über den Wan­del des Le­bens – und die Ver­gäng­lich­keit. 

Feh­ler und Ängs­te als Teil der Iden­ti­tät 

Das Herz­stück von My Life Is He­re ist das gleich­na­mi­ge Ti­tel­stück. Es be­ginnt mit der Bit­te an die Freund:in­nen, die Feh­ler zu ver­ge­ben, be­tont aber schon in der nächs­ten Zei­le, dass Feh­ler Teil des Mensch­seins sind: «My life ist dear to me / For­gi­ve me my fri­ends all my mista­kes / I’m part of the who­le wi­th the world as one.» Brül­hart singt da­von, die Fra­gen sei­nes Le­bens – und nicht die Ant­wor­ten – auf den wei­te­ren Weg mit­zu­neh­men, um dar­an zu wach­sen. Al­les ge­hört zur Iden­ti­tät: Ängs­te, Feh­ler, Ver­än­de­rung. Und man soll sie nicht nur ak­zep­tie­ren, son­dern auch dank­bar da­für sein – nur so kann man wach­sen. 

Und dann wird es aus­nahms­wei­se mal laut: Nach drei­ein­halb Mi­nu­ten kommt ein in­stru­men­ta­ler und stimm­li­cher Aus­bruch, Brül­hart singt mit sich fast über­schla­gen­der Stim­me von der Angst, fal­len­ge­las­sen zu wer­den, und bit­tet sein Ge­gen­über, ihn wei­ter zu tra­gen: «And I ta­ke them wi­th me towards my jour­ney’s end / I need you to plea­se car­ry on / Car­ry me thourgh this life / Get me over this wall / Don’t let me fall / Make your ch­an­ges, don’t wait for to­mor­row / I’m gra­teful for to­day.» 

So über­rascht es auch nicht, dass Brül­hart auf Nach­fra­ge sagt, es sei sein bis­her per­sön­lichs­tes Werk, die Songs sei­en «nä­her bei mir». Er ha­be sei­ne Schutz­schil­der ab­ge­legt und zei­ge sich so ver­letz­lich wie nie zu­vor. Das ha­be viel Mut ge­braucht. 

Im Ok­to­ber gab Lo­ne­so­me Sta­ti­on im Schwar­zen En­gel ei­ne Kost­pro­be sei­ner neu­en EP. Nun kehrt er für ein «Bull­au­gen­kon­zert» in die Gra­ben­hal­le zu­rück, wo er schon mehr­mals zu Gast war. Wer be­reits das Glück hat­te, ihn in die­ser in­ti­men At­mo­sphä­re im Foy­er zu er­le­ben, weiss, was für ein herz­na­hes Kon­zert das Pu­bli­kum er­war­tet. Und wer nicht, der hat am Mitt­woch Ge­le­gen­heit da­zu. 


Lo­ne­so­me Sta­ti­on – My Life Is He­re: er­schie­nen am 13. März auf Vi­nyl und di­gi­tal. 
Live: Mitt­woch, 1. April, 21 Uhr, Gra­ben­hal­le, St. Gal­len («Bull­au­gen­kon­zert», Ein­tritt: 10 Fran­ken). 
lo­ne­so­me­sta­ti­on.ch

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
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In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
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Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi