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Wort, Schalk und Melancholie

Autor, Lehrer, Kellerbühnenleiter, passionierter Reisender: Fred Kurer ist tot, gestorben kurz nach seinem 85. Geburtstag. Das kulturelle Leben St.Gallens hat eine herausragende Persönlichkeit verloren, schreibt Richard Butz in seinem Nachruf.
Von  Gastbeitrag

Fred wusste um den bevorstehenden Tod, lud zu einem letzten Glas Wein und zu einem Abschiedsgespräch. Ein wenig Trost brachte ein gemeinsamer Rückblick auf seine Lebensleistungen.

Fred Kurer war vieles: St.Galler mit Rheintalerwurzeln, Student in Zürich, Wien und London, verlässlicher Partner von Ehefrau Annemarie, hingebungsvoller Vater zweier Töchter, begeisterter Grossvater von sieben Enkeln, Germanist und Anglist, Lehrer, Schönschriftschreiber, perfekter Kopfrechner, Schriftsteller, Journalist, Herausgeber, Literaturkritiker, Übersetzer, Theaterautor und -pädagoge, Musik- und Theaterliebhaber, Radio- und Fernsehmitarbeiter, Hobby-Pianist, Satiriker, Kabarettist, Bücherleser, Sänger, Rezitator, Geniesser von Wein und gutem Essen, Ski- und Velofahrer, Wanderer, Trekking-Leiter, Sport- und Klassenlagerleiter, Verbindungsmitglied, Mitglied der Gesellschaft für deutsche Literatur, Kellerbühne-Leiter, politisch engagierter Zeitgenosse, interessierter Zeitungsleser, geselliger Mensch, Freund vieler Menschen, grosser Reisender und und…

Fred Kurer 2014 bei einem Saitengespräch auf dem Gallusplatz (Bild: Tine Edel)

Als Lehrer unterrichtete Fred Kurer mit grosser Hingabe Deutsch und Englisch, zuerst an der Verkehrsschule, dann an der Kantonsschule. Seine ehemaligen Schüler und Schülerinnen sprechen mit Hochachtung von seinem Engagement, schwärmen von den von ihm mitgeleiteten Klassen- und Sportlagern und von seinen innovativ gestalteten Theaterkursen.

Einen gewichtigen Beitrag leistete er während sieben Jahren als Kellerbühne-Leiter. Hier präsentierte er, zum Teil erstmals, Künstler wie Hanns Dieter Hüsch, Kaspar Fischer, Franz Hohler, Joachim Rittmeyer, Hannes Wader, Georg Kreisler, Peter Wyssbrod, Folkmusik aus Irland und England sowie in Zusammenarbeit mit Beat Burri namhafte Jazzgrössen. Mit grossem Vergnügen spielte er beim hauseigenen Cabaret Sälewie mit, schrieb dafür auch Texte und Chansons.

Fred Kurer war ein unermüdlicher Bücherleser und diskutierte gerne über sie, so etwa im Kreis der «Literarchen». Er organisierte literarische Veranstaltungen, schrieb Buchkritiken, übersetzte aus dem Englischen, erinnerte zusammen mit seinem Freund Heiko Strech mit einer literarischen Collage an Joseph Conrad, lieferte Stücke für das Figurentheater, schrieb das vielbeachtete Drama Mit beiden Beinen und setzte sich als Herausgeber für das Werk seines Freundes und Dichters Joseph Kopf ein.

Ähnlich wie sein Vorbild Bruce Chatwin war Fred Kurer ein grosser Reisender. Er lebte für einige Zeit mit seiner Ehefrau Annemarie in Irland, reiste drei Mal nach Australien und in dessen einsames Outback, wanderte in den Bergen von Schwedisch Lappland und der Schweiz, bereiste fast alle Länder Europas, den Kaukasus, die Türkei, Thailand und Malaysia, Nordafrika und Nord- und Südamerika.

Vieles, was er auf diesen Reisen erlebte und aufnahm, floss in seine Lyrik ein. Unser Verschwinden in Australien, betitelte er einen seiner Lyrikbände, mit Kreta einen weiteren. In Darüberschreiben – dröber schriibe stellte er erstmals Gedichte in Mundart, deren Pflege ihm ein grosses Anliegen war, vor. Was eigentlich mach ich hier? lautet der Titel eines albanisch-deutschen Lyrikbandes. Diese Frage war typisch für ihn, sie bezog sich sowohl auf die eigene Existenz wie auf sein sprachlich und inhaltlich hochstehendes literarisches Schaffen.

Fred Kurer tat wenig für dessen Verbreitung. Er zweifelte oft grundsätzlich an seinem Schreiben, brachte es aber dennoch auf eine beachtliche Anzahl von Werken, unter ihnen den Roman Abschied von… Seine Lyrik, oft sind es Langgedichte, ist geprägt von Fernweh, Nachdenken über die menschliche Existenz, Ironie, Schalk und Melancholie. In das möchte ich noch heisst es:

«dann möchte ich mit meiner geliebten noch Trieste bestreichen mit / Magris und Svevo und Joyce und so / und / Slowenien im kleinen Fiat durchqueren / in Kroatien noch einmal ohne pass über die grüne grenze / und / mit ihr dort leicht / und / leichthin verkommen // das wär’s dann in etwa gewesen.»

Nicht auf Distanz ging Fred Kurer zu den Menschen, zu seiner Familie, zu seinen Freunden und Freundinnen. Er nahm Anteil, war besorgt und hilfsbereit, und er liebte es, mit Familie und Freunden zusammen zu sein. Er hatte viel Humor, konnte über die eigenen Schwächen und die Eigenheiten anderer herzlich lachen, dies ohne Häme, aber mit feinem Sinn für Ironie.

Beim letzten Besuch zitierte er aus Gottfried Benns Was schlimm ist die letzte Strophe: «Am schlimmsten: / nicht im Sommer sterben, / wenn alles hell ist / und die Erde für Spaten leicht.» Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen, sein Leben endete an einem sonnigen Sommertag.

Vielen Menschen, die ihn gekannt haben, wird er schmerzlich fehlen, das kulturelle Leben dieser Stadt hat eine herausragende Persönlichkeit verloren.

Zum Schluss persönlich angemerkt: Ich werde Fred für den Rest meines Lebens vermissen, was bleibt, sind Erinnerungen an viele gemeinsame Reisen und Wanderungen während 30 Jahren, zahlreiche Saunabesuche und gute Gespräche – und ein grosses Weh!

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

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01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

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Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

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Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah