Ein mit Literatur vollgepackter Samstag, samt Auftakt an den Vorabenden und Abspann am Sonntag: An diesem Wortlaut-Gerüst ändert sich nichts. Vom 28. bis 31. März sind 27 Veranstaltungen angesagt in den ebenfalls eingespielten Programmreihen mit den jandl’den Titeln «Laut», «Luise», «Lechts» und «Rinks».
Neu ist das Leitungsteam mit der Autorin Rebecca C. Schnyder an der Spitze – sie löst Richi Küttel ab, der das Festival von Beginn weg geprägt hatte. Karsten Redmann, zuständig für die Kommunikation, und Christoph Müller (Logistik) kommen neu hinzu, ausserdem Gallus Frei-Tomic (für «Luise») und Lillemor Kausch (für «Rinks» und «Laut») in der Programmgruppe. Lika Nüssli, Dario Forlin und Wanja Harb sind wie bisher für Comic und Graphic Novel zuständig.
Flair fürs Dramatische
Spartenvielfalt und Grenzüberschreitungen: Darin sieht Rebecca C. Schnyder die bisherige und auch künftige Stärke des St.Galler Festivals. Was in dieser Vielfalt bisher zu kurz kam, seien jedoch dramatische Texte und Temperamente. Schnyder, selber als Theaterautorin tätig, hat deshalb nach Grenzgängern zwischen Prosa und Drama gesucht. Und unter anderem Lukas Linder eingeladen.
Linder, bisher mit seinen Bühnentexten erfolgreich, hat seinen ersten Roman geschrieben: Der Letzte meiner Art, eine Familiengeschichte, die laut Ankündigung «mit Genauigkeit und Schonungslosigkeit über das alltägliche Scheitern» berichtet. Linder liest und diskutiert zudem mit der deutschen Romanautorin Daniela Krien darüber, was sie als Schreibende umtreibt. Theaternah wird es auch beim Auftritt von Andi Beyeler zu und hergehen. Beyeler hat einen Schelmenroman im Schaffhauser Dialekt geschrieben: Mondscheiner. Er liest mit der Schauspielerin Newa Grawit zur Festivaleröffnung.
Lautes und Stilles
Bühnentauglich sind in besonderem Mass die Programmschienen «Rinks» und «Laut». Erstere bringt neben dem traditionellen Dialekt-Slam weitere klingende Spoken-Word-Namen nach St.Gallen: Matto Kämpf und Sibylle Aeberli, Alex Simm, Manuel Diener und «Die Eltern» mit Stefanie Grob, Gerhard Meister und Sandra Künzi. Das «laute», literarisch anspruchsvolle Kabarett vertreten Peter Spielbauer oder die Wienerin Magda Leeb. Auf eine andere Wienerin freut sich Redmann nicht weniger: Ulli Lust, Zeichnerin des autobiografisch gefärbten, anarchistischen Wien-Comics Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein.
Daneben im Comic-Programm: Jan Bachmanns gezeichnete Mühsam-Biografie, Einblicke in die Arbeit des Ampel-Magazins oder Ambient-Comics von Nadine Redlich und der nächtliche Zeichungstanz.
Rebecca C. Schnyder und Karsten Rebmann.
Die traditionellere Lesung gibt es bei Wortlaut auch. «Luise» bringt 2019 Romanautorin Daniela Krien mit ihrem erst gerade bei Diogenes erscheinenden Fünf-Frauen-Roman Die Liebe im Ernstfall (eine Leseprobe gibt es hier) oder die deutsche Lyrikerin Monika Rinck zu Gehör, daneben zwei bekannte Ostschweizer Autorinnen: Anna Stern liest aus ihrem neuen Roman Wild wie die Wellen des Meers (hier die Besprechung), und Viola Rohner, gebürtige Ausserrhoderin in Zürich, stellt ihren neuen Erzählband 42 Grad vor.
Die «Ostschweizer Bühne» im Splügeneck nutzen dieses Jahr Daniel Ammann, Jolanda Spirig, Reni Villiger und Florian Vetsch/Claire Plassard mit ihrem dem Saitenpublikum vertrauten Gedicht-Pingpong.
Lieber Entdeckungen als «grosse» Namen
Keine Buchpreisträgerin? Keine literarische Champions League? Rebecca Schnyder hält wenig von solchen Forderungen. «Wir suchen Autorinnen und Autoren, die uns am Herzen liegen. Und wir achten darauf, dass die Mischung im Programm stimmt.» Sogenannt «grosse» Namen seien kein Qualitätsmerkmal für ein Festival, weder im Guten noch im Schlechten. Ob jemand einen Buchpreis gewonnen habe oder nicht, sei für sie kein Thema – «aber Lukas Linder wird in naher Zukunft auf der Liste sein», prognostiziert sie.
Wortlaut hat, sagt Schnyder, vielmehr die Ambition, Entdeckungen zu bieten, Interesse für neue und genre-sprengende Töne und Stimmen zu wecken und kurzum: spannende Bücher vorzustellen.
Buchbeiz und Gassenhauer in der Metzgergasse
Dafür wurde neben den bisherigen Spielorten (Raum für Literatur, Palace, Grabenhalle und Splügeneck) ein neuer gefunden: Zwei Veranstaltungen finden in der Kellerbühne statt. Und am Sonntag gibt es zwei Expeditionen – den traditionellen literarischen Stadtrundgang mit Richard Butz und Nathalie Hubler und eine Begegnung mit dem Hesse-Enkel Silver Hesse im Würth-Haus Rorschach.
Buchbeiz ist wieder die Focacceria. Dort findet nächtens auch der Gassenhauer statt: am Samstag um halb elf nachts hauen Marcus Schäfer und Diana Dengler vom Theater am Tisch zusammen mit Saiten ihre satirische Stadt- und Weltkritik auf die Metzgergasse.
Die Programmhefte sind verpackt.
Wortlaut, das St.Galler Literaturfestival geht in sein zehntes Jahr: Zeit für eine Hommage oder Ende der Schonfrist? Ein fiktives Gespräch zwischen dem nörgelnden und dem applaudierenden Ich.
Gleich zwei Romandebüts von Ostschweizerinnen innert weniger Wochen und ein (fast) gemeinsamer Auftritt am Wortlaut-Festival: Mit Rebecca C. Schnyder und Laura Vogt betreten zwei junge Autorinnen mit Ambitionen die Bühne.
Mit «Kosovë is everywhere» hat das 10. Wortlaut-Literaturfestival mit der Eröffnung am Freitag im St.Galler Waaghaus deutlich markiert: Das Wort ist laut, welthaltig und vom Rhythmus getrieben.
Anna Sterns Roman «Wild wie die Wellen des Meeres» spielt in Rorschach und Schottland und erzählt von Ava, die mit ihrem grauen Auge in die Vergangenheit und mit dem grünen in die Zukunft blickt. Am 24. Januar ist Buchvernissage im Treppenhaus.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.