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Wütende Blicke

Die argentinische Lyrikerin Alfonsina Storni (1892-1938) ist als Kolumnistin zu entdecken, neu übersetzt und herausgegeben von der St.Galler Storni-Kennerin Hildegard E. Keller.
Von  Peter Surber , 

Sie hatte eine spitze Zunge: das ideale «Werkzeug» für eine Kolumnistin. Und so kriegt der Chefredaktor der Zeitschrift «La Nota» erstmal eine ordentliche Schimpftirade und «den wütendsten aller Blicke» ab. Grund für den Zornesausbruch: Er hat sie gefragt, ob sie in der Zeitschrift eine Kolumne mit dem Titel «Für die Frau» übernehmen wolle.

Ihr kämen dabei zwar allerhand «ehrenwerte Rubriken» in den Sinn, von «Plaudereien unter Frauen» bis zu «Feminin», Rubriken, «die man der Freundin anvertraut, mit der man nichts Rechtes anzufangen weiss», frotzelt sie. Chefredaktor Emin Arslan kann sie schliesslich doch überreden – und in ihrer ersten Kolumne steht prompt die Schimpftirade auf die Kolumne, im Original betitelt «Feminidades».

Scharfe Sozialkritik

Die Autorin mit der spitzen Zunge ist Alfonsina Storni. Zwischen 1919 und 1921 schreibt sie ihre Kolumnen in den argentinischen Publikationen «La Nota» und «La Nacion», jeweils auf deren Frauenseiten und zu Frauenthemen, umgeben von Werbung, Kochrezepten und Kosmetiktipps – mit scharfem sozialkritischem und feministischem Blick.

In «La Nacion» versammelt Storni eine Art Berufsporträts; Handpflegerinnen, Landarbeiterinnen, «Das perfekte Bürofräulein», die Ärztin, die Emigrantin, die Heiratswillige oder «Heldinnen» aller Art kommen vor und werden teils scharfzüngig, teils liebevoll geschildert. In «La Nota» sind es Alltagsbeobachtungen und -reflexionen – Storni erzählt, warum sie sich in der Strassenbahn grundsätzlich nicht von netten Herren zum Sitzen nötigen lässt, zeichnet ein illusionsloses Bild der Ehe und der Feindseligkeit, die unter Verheirateten herrscht, schreibt über junge Verliebte oder die schwierige Kunst des Sterbens.

Alfonsina Storni. (Bild: pd)

Unter dem Titel Chicas hat die St.Galler Germanistin und Hispanistin Hildegard Elisabeth Keller Alfonsina Stornis Kolumnen ins Deutsche übersetzt und mit einordnenden Kommentaren herausgebracht, als einen von vier Bänden ihrer neuen Werkausgabe.

«Sie hat einen grandios schrägen und schwarzen Humor und eine Gewitztheit, die erfrischt, aber das Lachen, auch das sarkastische, muss ihr öfters vergangen sein, als sie gezeigt hat», schreibt die Herausgeberin im Nachwort. «Das alte Spiel von Mann und Frau, das sie völlig überkommen fand, machte sie müde, und doch kämpfte sie weiter, mit ihren Mitteln, dem Wort, dem Einfall, dem Sprachspiel.»

Ein Leben mit Brüchen

Heftig wie ihre Texte war auch das Leben der Dichterin. 1892 im Tessin geboren und vierjährig mit der Familie nach Argentinien gelangt, zieht sie mit 15 Jahren als Schauspielerin durchs Land, unterrichtet als Lehrerin, bringt einen Sohn zur Welt, publiziert diverse Bände mit Lyrik, daneben Kolumnen und Theaterstücke. 1935 erhält sie die Diagnose Brustkrebs. In kurzer Zeit verliert sie mehrere enge Freunde und Freundinnen durch Suizid und stürzt sich selber am 25. Oktober 1938 ins Meer.

Alfonsina Storni: Chicas, Cuca, Cardo, Cimbellina, übersetzt und herausgegeben von Hildegard E. Keller, Edition Maulhelden Bd. 3, 4, 7 und 8, je Fr. 29.80

Hildegard E. Keller: Wach auf / Frei sein, Biografie in zwei Bänden, je Fr. 29.80

alfonsinastorni.ch

hildegardkeller.ch

2013 hat Hildegard E. Keller eine inzwischen vergriffene Storni-Werkausgabe unter dem Titel Meine Seele hat kein Geschlecht herausgebracht. Im eigenen Verlag Maulhelden von Hildegard E. Keller und Christof Burkard gibt es seit 2020 eine neue Edition. Chicas, im Untertitel «Kleines für die Frau», ist dort erschienen, neben Geschichten (Cuca), Interviews und Briefen (Cardo), Theaterstücken (Cimbellina) und einer zweiteiligen Biographie der Dichterin.

Die Website alfonsinastorni.ch ist eine Fundgrube von Informationen und Originalbeiträgen (unter anderem Radioaufnahmen aus den 1930er-Jahren) rund um die Dichterin. Zu finden ist dort auch das Radiofeature «Auf alles gefasst sein», das Hildegard E. Keller 2010 für Radio SRF zu Alfonsina Storni gestaltet hat.

Dieser Beitrag erscheint im Januarheft von Saiten.

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Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

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Zumthor plant in Wildhaus

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Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

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Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

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Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

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Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

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Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck