In der offenen Kirche finden öfters Swing-Abende statt unter dem Motto «Savoy Ballroom» - diesen Samstag mit dem Goodnight Circus aus Berlin.
Gekuschelt wird bestimmt auch in der offenen Kirche, aber in erster Linie wild getanzt. Der Name der Lindy Hop-Serie ist verheissungsvoll: Savoy Ballroom soll an den legendären New Yorker Club erinnern, der in einem Atemzug mit dem Cotton Club genannt werden darf. Dort trafen sich schon in den zwanziger Jahren Schwarze und Weisse ohne Rassenkonflikte zum Tanzen, der Tanzstil Lindy Hop wurde da entwickelt. Nun, St.Gallen mit Harlem zu vergleichen ist eine Sache, korrekte Swing-Partys zu schmeissen eine andere. Da braucht es vorallem das verrückte Orchester dazu, das die nimmermüde, tanzwütige Meute in Bewegung hält und idealerweise davon absieht, die Künstlergage als Stundenlohn zu interpretieren. Die internationale Gruppe «Goodnight Circus», bekannt geworden im Berliner Untergrund, erfüllt solche Kriterien problemlos. Sie spielt Swing-Jazz alter Schule mit Gipsy-Spirit und Punk-Attitude. Dazwischen eine Rock’n’Roll-Nummer einzubauen, ist ohne Weiteres möglich. In St.Gallen sind Christine, Raffe, Michael, Larik, Carlos und Hampus keine Unbekannten mehr. Sei es Strassenmusik, Silvestergala oder Kneipenkonzi, diese Bande reisst gnadenlos mit. Sie interpretiert ihren Beruf zeitgemäss: Reich wird heute niemand mehr mit Plattenverkäufen, da gilt es Konzerte zu spielen, die den Leuten in Erinnerung bleiben. Fans wollen nicht mehr entfernt träumen, sondern nah spüren. Der Goodnight Circus verbreitet Stimmung, die es nicht auf Youtube gibt, und schüttet Gefühle aus, die man sich nicht aufs Smartphone saugen kann – Oldschool lebt. Der Zirkus ist eine Droge, geschüttelte Abhängige sind die sicht- und spürbare Wirkung. Ekstase in der offenen Kirche, im besten, nicht missionarischen Sinn: Der Goodnight Circus garantiert, niemanden im Regen stehen zu lassen und das Publikum mit einer vernunftübersteigenden Musikerfahrung zu bekehren. Hallelujah, Amen.
Goodnight Circus spielen am Samstag 20. April in der offenen Kirche, St.Gallen.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.