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Zuflucht vor dem Weihnachtstrubel

Vergangenes Wochenende hat das St.Galler Provisorium «Knecht Ruprecht» bereits zum fünften Mal in zehn Jahren seine Tore geöffnet. Es lädt in die Räumlichkeiten des seit April leerstehenden Migrolinos ein, um fernab weihnachtlicher Hektik und Stress eine zentrale Stube zu sein. 

Am Wochenende spielte unter anderem das Akkordeonduo SolDo (Ludovico Pastore und Petra Pastore-Treichler) im Ruprecht (Bilder: bnc).

Am Wochenende spielte unter anderem das Akkordeonduo SolDo (Ludovico Pastore und Petra Pastore-Treichler) im Ruprecht (Bilder: bnc).

Vor zehn Jah­ren fing al­les im ehe­ma­li­gen «Gek­ko» – ei­ner im Win­ter un­ge­nutz­ten Gla­cé­bar in der En­gel­gas­se – an. In­iti­iert von Iris Betschart, Mar­ti­na Wag­ner und Bar­ba­ra Roh­ner ent­stand da­mals die Idee, ein ei­ge­nes Ca­fé zu ge­stal­ten, das ei­ne klei­ne Zu­flucht vor dem Stress und der Hek­tik des De­zem­bers bie­tet. Es ent­stand Knecht Ru­precht. Der Na­me steht für den weih­nacht­li­chen Ge­hil­fen und stellt nicht den An­spruch an weih­nacht­li­chen Gla­mour und Per­fek­ti­on in den Mit­tel­punkt, son­dern viel mehr die Im­pro­vi­sa­ti­on, die Ge­las­sen­heit und viel­leicht auch ein biss­chen den Scha­ber­nack.

Seit 2014 wach­sen die Räu­me, die für die­se Zwi­schen­nut­zung ge­nutzt wer­den, ge­nau­so wie die Grup­pe, die sich dar­um küm­mert. Wäh­rend be­reits der ehe­ma­li­ge Bro Re­cords am Obe­ren Gra­ben, Iris’ ehe­ma­li­ges Ate­lier und das ita­lie­ni­sche Kon­su­lat vor des­sen Ab­riss zwi­schen­ge­nutzt wer­den konn­ten, gab es auch Jah­re, in de­nen der Knecht kei­nen Un­ter­schlupf fand. Dies liegt zum ei­nen an bü­ro­kra­ti­schen Hür­den, der – je nach La­ge – sehr kri­ti­schen Nach­bar­schaft, aber auch am ei­ge­nen An­spruch, sich aus Grün­den der Er­reich­bar­keit, der Sicht­bar­keit und der Zu­frie­den­heit der Frei­wil­li­gen nicht an den Stadt­rand drän­gen zu las­sen.

Neu­er Ver­ein, glei­ches DIY-Kon­zept

Nach fünf Jah­ren Pau­se hat es der 2024 neu – be­stehend aus ei­ner Grup­pe von fünf Frau­en und ei­nem Mann – al­so ge­schafft, end­lich wie­der mit dem ehe­ma­li­gen Mig­ro­li­no end­lich wie­der mit­ten im Her­zen der Stadt ei­nen Raum zu fin­den. Wie schon zu­vor wird be­reits Be­stehen­des um­funk­tio­niert, wie et­wa die Ein­rich­tung der Re­ga­le, die sonst Le­bens­mit­tel ent­hiel­ten. An­de­re Mö­bel wer­den an­ge­schleppt, ei­ne ge­müt­li­che «Stu­ben­ecke» mit So­fa wur­de auf­ge­baut und auch die tra­di­tio­nel­le Kin­der- und Bas­tel­ecke fin­det wie­der ih­ren Platz. Ein rie­si­ges Holz­re­li­ef von Pa­trick Benz schmückt ei­ne Wand, il­lus­tre In­stal­la­tio­nen von Eruk t. so­ñ­schein la­den über­all zum Stau­nen ein und ei­ne Aus­wahl re­gio­na­ler Ge­trän­ke, Ku­chen und Sup­pen zum Ge­nies­sen, Ver­wei­len und Plau­dern.

Auch dem Mot­to «Chum früeh und gang früeh» wird treu nach­ge­lebt: Das Ca­fé öff­net Don­ners­tag bis Sams­tag be­reits um 16 Uhr, sonn­tags so­gar um 14 Uhr. La­den­schluss ist wie ge­wohnt um 22 Uhr. Das führ­te zwar bei vol­lem Hau­se am Er­öff­nungs­abend zur Ver­wun­de­rung der Gäs­te, aber hat ei­nen ein­fa­chen Hin­ter­grund: Al­le Ver­an­stal­ter:in­nen, al­le Hel­fer:in­nen ar­bei­ten frei­wil­lig und wol­len sich selbst die Freu­de an ih­rem Pro­jekt, das die Stadt mit et­was Aus­ser­ge­wöhn­li­chem be­lebt, er­hal­ten.

Und was er­war­tet uns die­ses Jahr im Knecht?

Nach dem er­folg­rei­chen und vol­len Er­öff­nungs­wo­chen­en­de mit Nu­deln, DJ Nau­ras­ta Sel­ec­ta und ei­nem Ak­kor­de­on­kon­zert der Grup­pe Sol­Do fol­gen nun drei wei­te­re Wo­chen­en­den vol­ler Spass und Ge­müt­lich­keit. Da­zu kom­men Kon­zer­te von Max Grün, Aub­urn, Phy­ne so­wie dem Pra­ter Duo & Grü­ne Feen (Bob­by Moor/Mar­tin Am­stutz).

Aus­ser­dem wird es ei­ne Si­lent Par­ty ge­ben, ei­nen Lin­dy-Hop-Abend, ein Weih­nachts­spiel von Ralph Wei­bel Ri­chi Küt­tel so­wie ei­ne Klei­der­tausch­par­ty. Da­zwi­schen fin­det aber auch im­mer wie­der «Ein­fach Beiz» statt. Die tem­po­rä­re Stu­be im Her­zen der Stadt bleibt in­ter­es­sant, of­fen und bie­tet wie auch zu­vor ei­ne will­kom­me­ne Zu­flucht – weg vom all­ge­mei­nen Weih­nachts­wahn­sinn.

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