Das Saisonschluss-Programm im Lattich ist so bunt wie das Areal selber: Musiker Roman Rutishauser lädt heute Donnerstagabend in seinen Container für Unerhörtes zu einer Werkstatt für improvisierte Musik – niederschwellig und kostenlos: Wer Lust hat, kommt und improvisiert «ohne Furcht und Tadel» mit. Nebenan gibt die Floristin Marianne de Tomasi am Freitag den letzten von vier Workshops, die sie seit September im mietbaren Container durchgeführt hat. Und am Samstag ist Fest von 16 bis 22 Uhr, unter anderem mit Musik von Dachs, Purzelbäumen auf dem Spielweg, Essen von den Heks-Gärtnerinnen und Gärtnern und Informationen zur Lattich-Zukunft.
Treffpunkt Hochbeet – Aufnahme vom Mai 2018. (Bild: lattich)
Diese Zukunft heisst in drei Stichworten: Die Halle ist weg, die Aktivitäten im Aussenraum gehen weiter, und aus der Brache wachsen die Holzmodule des temporären Lattich-Quartiers.
Die Halle konnte vor drei Jahren als eines der Herzstücke der Zwischennutzung auf dem Güterbahnhofareal in Betrieb genommen werden. 2017 gab es darin ein reichhaltiges Kulturprogramm, kuratiert und mit Bühnen-Infrastruktur ausgestattet von Ann Katrin Cooper und Tobias Spori.
2018 lag unter Leitung von Nathalie Bösch, der neuen Hallen-Chefin, das Gewicht stärker auf Begegnung und Soziokultur – Tagungen, Märkte, private und öffentliche Feste fanden statt, insgesamt rund 50 Veranstaltungen. Bemerkenswert erfolgreich seien die Sonntags-Angebote gewesen: ein Indiz dafür, dass der Sonntag in St.Gallen bisher eher kümmerlich belebt ist. Grossanlässe wie das Fest zur Eröffnung des Ruckhaldentunnels (samt eigener «Station Lattich» der Appenzeller Bahnen) oder der Kulturtag der Pädagogischen Hochschule füllten neben kleineren und privaten Anlässen die Halle.
Die Halle geht zu – ein Verlust?
Damit ist es künftig vorbei, die SBB suchen für ihre Halle wieder einen Dauermieter und verlangen dafür laut Ausschreibung rund 6500 Franken Miete pro Monat. «Wir bauen komplett zurück», sagt Lattich-Mitinitiantin Gabriela Falkner. Einrichtungen in der Halle und Installationen entlang der Rampe müssen wieder entfernt werden.
Saisonabschluss im Lattich: 27. Oktober ab 16 Uhr, Güterbahnhof-Areal St.Gallen lattich.ch
Was geht damit verloren? Die Halle sei einerseits attraktiv gewesen, «weder alternativ noch hip», sondern offen für vieles, ein Möglichkeitsort ohne allzu klares und damit einschränkendes Profil. Andrerseits hatte das Rohe seine Nachteile, die Halle war ungeheizt und ohne Infrastruktur (von Licht und Ton bis zu Duschen), wie sie für ein Kulturlokal auf Dauer notwendig wäre.
Fazit aus der Besucherperspektive: St.Gallen verliert mit der Halle ein sympathisch kratziges Sandkorn im sonst vielfach allzu geschmierten Kulturbetrieb.
Aber Lattich wuchert weiter. Und auch Anlässe, die ein Dach brauchen, seien weiterhin möglich, denn im langgestreckten Gebäude gebe es noch andere «Hallen», sagt Falkner. Das Kugl ist gleich nebenan, mit ihm und anderen Institutionen wie der Projektwerkstatt, dem Förderraum, dem Licht-Geschäft Konigs oder der Schweizer Tafel sei im Lauf des Jahres der Kontakt intensiver geworden. «Nathalie Bösch hat viel für die gemeinsame Güterbahnhof-Stimmung getan.» Bezeichnend dafür: Wenn am Samstag um 22 Uhr aus Lärmschutz-Gründen Lichterlöschen ist in der Lattichhalle, «geht es im Kugl erst richtig los»; dies verspricht die Ankündigung zum Abschlussfest.
Halle in Bewegung – hier am Kulturtag der PHSG 2017. (Bild: PHSG)
Ohne die Halle und ihre Angebote wäre das Lattich-Projekt sicher in der Öffentlichkeit weniger stark wahrgenommen worden, ist Gabriela Falkner überzeugt. Ein eigentliches Kulturlokal zu betreiben, sei aber nie die Absicht gewesen; dafür gebe es in der Stadt mit Grabenhalle, Palace oder Kugl genügend andere Lokalitäten.
Von Beginn weg sei die Halle zudem nur eins von vielen Puzzleteilen des Lattich-Projekts gewesen. Und die anderen Teile bleiben – das Heks-Gartenprojekt mit Geflüchteten, die Gastronomie, der Musikcontainer von Roman Rutishauser, Hannes Rutishausers Einmann-Werkstatt «Sparkingranch», der Spielweg oder der mietbare Schiffscontainer.
Viel Resonanz für die Module
Künftig könnten kleinere Lattich-Anlässe dafür auf einer Dachterrasse stattfinden: zuoberst auf dem dreistöckigen Lattich-Bau, der vis-à-vis des alten Backsteingebäudes entsteht. Insgesamt 45 Holzmodule werden zu einem langgestreckten Quader zusammengebaut, konzipiert und gebaut von den Holzbauern Blumer-Lehmann AG in Gossau. Im November würden die Module vorproduziert, anschliessend soll die technische Infrastruktur erstellt werden mit Wasser und Strom, im neuen Jahr wird gebaut. Und ab April 2019 soll in den Modulen gearbeitet werden. Die Baubewilligung der Stadt für das Ostschweizer Pionierprojekt liegt seit September vor.
Informationsanlass zum künftigen Lattichbau mit Modell. (Bild: Dorothee Haarer)
«Auf dem Güterbahnhofareal soll ein temporäres Quartier entstehen, mit kleinteiligem Arbeitsraum und einem Umfeld für den wachsenden Wirtschaftszweig der Kreativwirtschaft.» So steht es als «Vision» auf der Lattich-Webseite. Die Zahl Interessierter sei gross, sagt Gabriela Falkner. An die zwei Informationsanlässe im September und Oktober seien je rund 30 Personen gekommen, weitere Termine gibt es im November und Dezember.
Bewerben kann man sich für eins, zwei oder drei Module von je knapp 30 Quadratmeter. Die Miete pro Modul beträgt monatlich 595 Franken. Im Moment sammle der Betreiberverein Lattich die Bewerbungen, Ende November sollen die ersten Verträge unterschrieben werden, Ziel sei ein guter «Mietermix», sagt Gabriela Falkner. Die Trägerschaft für das auf zehn Jahre befristete und nicht auf Rendite angelegte Projekt bilden private Geldgeber, die Basler Stiftung Edith Maryon sowie die St.Galler Kantonalbank. Das Baubüro in situ AG realisiert den Holzbau.
Infos: lattich.ch
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.