Viele Menschen träumen von einer Zeitreise. Urs Schiess hat sie unternommen. 2019 veröffentlichte der Gossauer das erste Album mit seiner Band Owen Kane. Darauf sind Songs, die der heute 56-Jährige Mitte der 1980er-Jahre für seine damalige, gleichnamige Kanti-Schülerband geschrieben hatte. Sie löste sich Anfang der 90er-Jahre auf, die Demoaufnahmen verschwanden im Estrich – bis sie Schiess mit Sacha Leuenberger (ehemals The Shell) neu einspielte.
Für die Plattentaufe von Planet Rock ‘n’ Roll 2019 in der Grabenhalle halfen ihnen die ehemaligen The-Shell-Musiker Michael Frommenwiler (Bass) und Roger Cadalbert (Schlagzeug) aus. Doch als Owen Kane 2020 eine Einladung für das Kulturfestival St.Gallen bekamen, mussten sie erst eine richtige Band zusammenstellen. Seither sind Siro Giger (Gitarre), Marco Blöchlinger (Bass) und Chrigel Bosshard (Schlagzeug) mit an Bord, allesamt Profimusiker, die auch für andere Schweizer Formationen spielen.
Mischung aus altem, neuem und fremdem Material
Nun veröffentlichen Owen Kane ihr neues Album Outline Of A Rock ‘n’ Roll Career – und bauen darauf gewissermassen eine Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Neben fünf neuen Stücken finden sich darauf auch zwei Songs, die aus Zeiten der alten Schülerband stammen (Ice Cream Man und Scotch & Beer), sowie einer der Nachfolgegruppe Scrine’s Batch (Go Down). Ausserdem haben Owen Kane Da Ya Think I’m Sexy von Rod Stewart gecovert. Es ist das einzige Stück auf der Platte, das etwas aus dem Rahmen fällt. Und spätestens, wenn Schiess in War über den Ukraine-Krieg singt, ist man endgültig in der Gegenwart angekommen.
Musikalisch bietet auch das Zweitwerk stampfenden Hard Rock, der sich insbesondere an den frühen AC/DC, aber auch an Iron Maiden oder Black Sabbath orientiert. Doch insgesamt klingt die neue Platte reifer und kompakter als der Vorgänger. Outline Of A Rock ‘n’ Roll Career, das Owen Kane über Crowdfunding finanziert haben, erscheint gegen Ende September digital. Die Vinyl-Ausgabe wird erst später fertig.
Skizzen des Bruders verarbeitet
Auf dem Cover hat Urs Schiess seinen Bruder verewigt: Als dieser studierte, fasste der Vater die Tischplatte des Pults mit Packpapier ein. Wenn der Bruder dort lernte, fertigte er immer wieder kleine Zeichnungen an, fiktive Episoden aus dem Leben eines Rockmusikers, wie er es sich ausmalte. Am Schluss war das ganze Papier ein grosses Kunstwerk voller kleiner Geschichten – diese Skizze einer Rock-‘n’-Roll-Karriere gab der Platte ihren Namen. Und ist jetzt auf dem Klappcover zu sehen.
Das Cover von Owen Kanes neuem Album ist eine Skizze, die der Bruder von Sänger Urs Schiess während seines Studiums angefertigt hat. (Bild: pd)
Im Winter bricht die Band zu einer kleinen Skandinavien-Tour durch Südschweden und Norwegen auf. In der Schweiz sei es aber ziemlich schwierig, für Konzerte gebucht zu werden, sagt Urs Schiess. Wie weit in die Zukunft die Reise von Owen Kane gehen wird, ist also ungewiss. Nur schon deshalb lohnt sich ein Besuch der Plattentaufe am Freitag in der Grabenhalle. Und wer die Band bereits einmal live gesehen hat, der weiss: Diese Zeitreise macht sehr viel Spass.
Owen Kane – Outline Of A Rock ‘n’ Roll Career: ca. ab Ende September auf den gängigen digitalen Plattformen und später auf Vinyl erhältlich.
Plattentaufe: 15. September, 21 Uhr, Grabenhalle St.Gallen
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.