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Zwei aus Einer

Frida Kahlos Leben und Kunst inspiriert immer wieder neu – so auch die Choreografinnen Nadika Mohn und Ariana Qizmolli. Ihre zweiteilige Tanzperformance «ZWEI» wird dieses Wochenende in der St.Galler Lokremise uraufgeführt. Ein Probenbericht von Sandra Cubranovic.
Von  Gastbeitrag
Szene aus Zwei mit Tamara Bermudez, Ariana Qizmolli und Mauricio Zuñiga. (Bilder: Dino Eisenring)

Drei Tänzer:innen liegen reglos auf dem Boden des Proberaums. Im Hintergrund erklingen weibliche Stimmen aus den Boxen. Bei näherem Hinhören offenbart das Gespräch Fragen und Antworten zu einer Bekanntschaft, einer Beziehung, Situationen und Gespräche einer Frauenfreundschaft. Die Stimmen sprechen auch über die Liebe. Über Mexico. Über Diego.

Die Körper regen sich. Sie strecken die Finger, heben die Unterschenkel, recken die Hände nach oben. Ächzend wirken die Regungen, die Glieder leicht unnatürlich verdreht – es scheint, als koste es enorme Energie, in Bewegung zu kommen. Die Tänzer:innen wirken wie Marionetten, fremdgesteuert. Langsam nehmen sie Fahrt auf, sie laufen, laufen schneller, fangen an zu tanzen, als würde eine unsichtbare Kraft ihnen neuen Lebenswillen einhauchen.

Die zwei Fridas

«Die zwei Fridas waren für mich der ausschlaggebende Moment für die Konzeptidee», sagt Nadika Mohn. Kahlos Gemälde Die zwei Fridas von 1939 zeigt zwei den Betrachter:innen zugewandte Fridas auf einer Bank sitzend. «Die zwei Persönlichkeiten oder Seiten von Frida Kahlo in ihrem Gemälde haben mich angesprochen.»

Frida Kahlo: Die zwei Fridas, 1939

Die 47-jährig verstorbene Kahlo wuchs während der Mexikanischen Revolution auf, war Mitglied der Kommunistischen Partei Mexikos und setzte sich stark mit der Rolle der Frau auseinander. Nach einem schweren Verkehrsunfall mit achtzehn Jahren litt Kahlo unter chronischen Schmerzen und musste sich immer wieder Operationen unterziehen, die sie lange Abschnitte ihres Lebens ans Bett fesselten.

Ihr Leben, geprägt von physischem und psychischem Schmerz, nicht zuletzt verstärkt durch die Liebesbeziehung mit dem Maler Diego Rivera, welche von zahlreichen Affären beiderseits gezeichnet war, ist immer wieder in Kunst und Tanz und Film dargestellt worden. ZWEI sei aber nicht als blosse tänzerische Darstellung von Frida Kahlos Leben gemeint, sagt Mohn. «Vielmehr vermischt sich ihre inspirative Kraft mit unserem persönlichen Erleben.»

ZWEI:
19. bis 21. August Lokremise St.Gallen
6. November Kantonsschule Trogen
9. November Presswerk Arbon
11. und 12. November Tanzraum Herisau
alle Vorstellungen um 20 Uhr

nadikamohn.ch

Die 1995 in Trogen geborene Tänzerin schliesst mit ZWEI an EINS an, ihre erste Tanzproduktion von 2021. Dort performte sie selbst zu Minmal Techno von Milian Mori ihre eigene Choreografie. Standen in ihrem Solo-Debut Einsamkeit und Leere im Zentrum, gewährt Mohn auch in ZWEI einen sehr persönlichen Einblick in ihr Gefühlsleben.

Die körperlichen und seelischen Leiden Kahlos haben Mohn inspiriert, ihre Figuren als drei Einheiten auf die Bühne zu schicken. Die Tänzerinnen Ariana Qizmolli und Tamara Bermudez und Tänzer Mauricio Zuñiga verkörpern je eine Einheit, die über individuelle Rollen und Aufgaben verfügen: «Geist», «Emotion» und «Künstlerischer Ausdruck». Mit dieser Dreiheit erzählt die Performance eine aufreibende tänzerische Darstellung von persönlichem Unbehagen und Zerfall.

Mit Hip Hop wachsen

Die Entwicklung der Choreografie teilte sich Nadika Mohn mit der 1998 geborenen, im Thurgau aufgewachsenen Ariana Qizmolli. Entstanden sind zwei unterschiedliche Tanzperformances, unterlegt mit einer Musikcollage aus HipHop, Rancheras und Dream Pop.

Aussergewöhnlich mag Qizmollis Musikwahl für ihre Choreografie scheinen: United in Grief von Rapper Kendrick Lamar. «In dem Stück geht es um Leid», sagt sie, «und das ist der Ausgangspunkt meiner Choreografie. Wir alle im Leben trauern.» Die Performance zeige den Prozess des Neubeginns und des Wachstums, der sich nach einer Trauerphase einstellen würde. «Das ist meine Verbindung zu Frida Kahlo, der Neuanfang.»

Qizmolli, die 2019 eine Ausbildung in Zeitgenössischem und Urbanem Bühnentanz abgeschlossen hat, erkennt sich auch im Aktivismus und Feminismus Frida Kahlos wieder: «Mein Aktivismus fängt da an, dass ich ich selbst bin und meine Geschichte erzähle.»

Eins ist sicher – in ZWEI bieten die Tanzschaffenden unter Nadika Mohns Leitung eine ausdrucksstarke Interpretation vom Zerfall und Wachstum und vereinen so generationsübergreifend Geschichten von starken Frauen, die etwas zu erzählen hatten und haben.

 

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