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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst
Editorial

Früher hiess es: «An apple a day keeps the doctor away.» Heute weiss man: Ein Apfel allein reicht nicht mehr aus. Es braucht täglich mindestens fünf Brausetabletten in mindestens acht Farben, vier Pillen, einen halluzinogenen Pilz und einen Proteinshake zusätzlich. Für die Darmflora, die Hirnflora und die Muskelmasse. Vielleicht werden auch deswegen in der Schweiz immer weniger Äpfel gegessen und stattdessen mehr Mangos. Vielleicht ist das gut für irgendeine Flora, sicher aber ist es schlecht für die heimischen Obstproduzent:innen. Gleichzeitig wird das heimische Obst in den Läden immer günstiger verkauft, wodurch den Produzent:innen das Geld fehlt – auch, um höhere Löhne zu bezahlen.

Viele landwirtschaftliche Betriebe sind auf günstige Erntehelfer:innen angewiesen. In Sachen Arbeitsbedingungen hinkt die Schweiz im europäischen Vergleich sowieso hinterher: lange Arbeitswochen, kaum Kündigungsschutz, minimalistische Mutter- und Vaterschaftsurlaube. Das Arbeitsgesetz lässt viel zu wünschen übrig – für Arbeitnehmende. Die Landwirtschaft ist diesem aber nicht einmal unterstellt. Wer dort arbeitet, arbeitet in einer Grauzone. Bestimmt durch Merkblätter, schwammige Verträge, Richtlinien – und kaum Gesetze. Und zahlreiche Menschen, die aus finanzieller Not in die Schweiz kommen und bereit sind, für tiefe Löhne harte Arbeit zu leisten. Ihre Not hält das System am Laufen. Aber lässt es sich ändern?

Wir sind losgezogen, um Ausbeutung in der Landwirtschaft aufzudecken. Gefunden haben wir sie nicht, dafür einen enormen juristischen Spielraum. Und wo keine Gesetze existieren, lässt sich niemandem ein Verbrechen vorwerfen. Um der Grauzone etwas Kontur zu geben, haben wir mit Erntehelfer:innen, Verbänden, Landwirt:innen und Gewerkschaften gesprochen.

Apropos fehlende Kontur: In Unterwasser jährt sich der Nazi-Aufmarsch zum zehnten Mal. Diesem fragwürdigen Jubiläum widmet sich der dritte Teil unserer Serie «Rechtsextremismus in der Ostschweiz». Und in Sachsen-Anhalt kehrt mit der Wahl der AfD der Faschismus zweifelsfrei aufs politische Parkett zurück. Unsere Autorin Samira Assir hat bis vor Kurzem in Halle (Saale) gelebt und uns eine Flaschenpost – und einen Appell – geschickt.

Wie ein warmer, bunter Schal im kühlen, braunen Herbst soll sich der zweite Teil des Oktoberhefts anfühlen. Im «Bücherherbst» stellen wir neue Werke von Ostschweizer Autor:innen vor – von Krimis aus dem Appenzellerland bis zu wuchtigen Geschichten von mutigen Frauen. Passend dazu die Besprechung der Manosphere-Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen und des neuen Albums der Stoner-Rock-Band The Black Salt. Wir wünschen eine spannende Lektüre!Daria Frick

Inhalt
Auftakt
2610 Redeplatz

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Von , Bilder: ,

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von ,

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von ,

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von ,
Ernten in der Grauzone
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Von , Bilder: ,

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

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Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Von , Bilder: ,

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Rechtsextremismus in der Ostschweiz
2610 RIO Saalbild

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

Von ,

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Ju­ris­ti­sche Fehl­ge­burt im Kan­tons­rat

Von ,

An­mer­kun­gen zur Ein­füh­rung des Ar­ti­kels 50quar­ter des St.Gal­ler Po­li­zei­ge­set­zes 2020

Kultur
Sands Murray Wassink 1996

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Von ,

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Theblacksalt1

Lang­sam­keit als Mo­tor

Von ,

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von ,

Un­wucht, der neue Ro­man von Sa­rah Ele­na -Mül­ler, führt in die Tie­fen ei­ner ver­gif­te­ten Be­zie­hung. Die ra­san­te Ge­schich­te von Ali­ce und Rio mä­an­dert zwi­schen Alp­traum und Rausch, ver­liert aber nie ih­ren Witz.

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von ,

Gi­on Ma­thi­as Ca­vel­ty nimmt in sei­nem neu­en Ro­man die Schwei­zer Uhr­ma­cher­kunst auf die Schip­pe. Sei­ne mit viel Hu­mor ge­schrie­be­ne Chro­nik ist so un­ter­halt­sam wie skur­ril.

Bücherherbst: Auf dem Grund aller Dinge von Till Traber

Den Halb­schna­bel­hech­ten geht es gut

Von ,

Ein Aqua­ri­um spielt die Haupt­rol­le in Auf dem Grund al­ler Din­ge, dem ers­ten Ro­man des Win­ter­thu­rers Till Tra­ber. Dar­um her­um le­ben drei Men­schen, die ih­rem ei­ge­nen Glas­kä­fig nicht ent­kom­men kön­nen.

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von ,

Da­ni­el Badraun be­leuch­tet in Mond­läu­fer un­ge­leb­te Mög­lich­kei­ten und kör­per­li­che Gren­zen. Der Au­tor aus dem Thur­gau greift in sei­nem Ro­man auch phi­lo­so­phi­sche Fra­gen auf.

Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle

Hoff­nung in ei­ner ver­stei­ner­ten Welt

Von ,

In sei­nem Ro­man­de­büt Ré­duit nimmt der St.Gal­ler Au­tor Alex­an­der Rasch­le die Le­ser:in­nen mit in die al­pi­ne Fes­tungs­an­la­ge – und in die Zeit des Kal­ten Krie­ges, als die Welt auch in der Schweiz am Ab­grund stand.

Bücherherbst: Alles in allem von Julia Trachsel

Vom Fest­hal­ten und los­las­sen

Von ,

Die aus dem Thur­gau stam­men­de Co­mic­zeich­ne­rin und Il­lus­tra­to­rin Ju­lia Trach­sel ver­öf­fent­licht mit der Gra­phic No­vel Al­les in al­lem ihr De­büt. Aus­gangs­punkt der Ge­schich­te ist der plötz­li­che Un­fall­tod ei­nes äl­te­ren Man­nes und die Zeu­gen­schaft der Er­zäh­le­rin.

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von ,

Raf­fa­el Rihs kon­ser­viert in sei­nem Kurz­ge­schich­ten­band Nie ist al­les gut un­ter­schied­li­che Fa­cet­ten der Ein­sam­keit.

Bücherherbst: Popcorn im Hirn von Hans Gysi

pom pom du­r­i­dei

Von ,

Ge­dich­te im leicht­füs­si­gen Tief­gang sind ein Mar­ken­zei­chen von Hans Gy­si. Mit Pop­corn im Hirn legt er nach.

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von ,

In ih­rem Ro­man­de­büt Aus­ser mir schickt Mi­cha Frie­mel ei­ne Frau in die Ber­ge – auf der Su­che nach Ru­he vor ih­rer Fa­mi­lie und vor al­lem vor sich selbst. Ent­stan­den ist ein klu­ger Text über Be­zie­hun­gen, Mut­ter­schaft und die Fra­ge, war­um wir manch­mal ein­fach aus­ras­ten.

Bücherherbst: Appenzeller Mitternacht – Jock Kobel und die Schatten der Queen von Christian Johannes Käser

Die Welt ist im­mer He­ris­au

In sei­nem zwei­ten Kri­mi schickt Chris­ti­an Jo­han­nes Kä­ser den Po­li­zis­ten Jo­ck Ko­bel er­neut auf ei­ne Er­mitt­lung im Ap­pen­zel­ler­land. Ein Ro­man, der ge­schickt ei­ne Brü­cke zwi­schen Tra­di­ti­on und Pro­gres­si­on baut und da­bei im­mer wie­der poe­ti­sches Po­ten­ti­al ent­fal­tet.