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Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum
Editorial

Wem gehört die Geschichte? Diese Frage stellt sich besonders bei ethnografischen Sammlungen, deren Objekte unter unterschiedlichsten Umständen in europäischen Museen gelandet sind. Zunehmend setzt sich die Auffassung durch, dass nachweislich geraubte oder unter Zwang verkaufte Kulturgüter an ihre ursprünglichen Besitzer:innen oder deren legitime Erb:innen zurückgegeben werden sollen. Was die einen als Schritt zu einem postkolonialen, interkulturellen Miteinander bejubeln, empfinden andere als schmerzhaften Verlust. Ist ein British Museum ohne die griechischen Parthenon-Skulpturen, ein Louvre ohne «seine» ägyptischen Schätze oder ein Ethnologisches Museum in Berlin ohne die Benin-Bronzen noch denkbar?

Und wie steht es im Kulturmuseum St.Gallen, das ebenfalls über Benin-Bronzen verfügt? Historiker Hans Fässler und Journalist Richard Butz haben nachgefragt, warum es in der Sache trotz angeblicher Beteiligung an der Benin-Initiative Schweiz nicht vorwärts geht. Zudem haben wir das Depot des Historischen Museums Thurgau in Frauenfeld besucht. Dort wird aktuell die über 3000 Objekte umfassende (und 2023 aus dem Kulturmuseum St.Gallen zurückgeholte) ethnografische Sammlung untersucht. Es sind schon ein paar problematische Stücke aufgetaucht, Restitutionen sind nicht ausgeschlossen. Und Patrick Ziltener bespricht in diesem Postkolonial-Schwerpunkt das Buch Verwoben und verstrickt, in dem der Historiker Andreas Zangger den Ostschweizer Textilunternehmern und ihren globalen Netzwerken nachspürt.

Der zweite Schwerpunkt dieser Ausgabe widmet sich den St.Galler Kultursparplänen, die ans Eingemachte gehen, sollte das Parlament im Dezember zustimmen. Wir haben uns in der Politik und in der Kulturlobby umgehört, David Gadze sprach mit einigen der Institutionen, die von der kantonalen Sparwut betroffen wären, und Marion Loher wagt einen Blick nach Winterthur, wo die Kulturlobby dieses Jahr einen Wertschöpfungsbericht präsentiert hat. Mit erstaunlichen Ergebnissen, die zeigen: Kultur ist kein lästiger Kosten-, sondern ein gewichtiger Standortfaktor. Zudem nimmt Mia Nägeli in ihrer aktuellen Traumacore-Kolumne die Subventionspraxis etwas genauer unter die Lupe.

Ausserdem im emsigen November: die spacige Ausstellung im Naturmuseum St.Gallen zum Zehnjahrjubiläum des Neubaus, die Flaschenpost aus Marokko, das Redeplatzinterview zur neuen Austauschgruppe für Eltern von trans Kindern und das erste Soloalbum von Kafi-D.Roman Hertler

Inhalt
Auftakt
2611 Redeplatz Sara Spirig SAI Annette Spitzenberg highres

«Ich spü­re die Lö­win­nen­mut­ter in mir»

Von ,

Trans Men­schen ste­hen zu­neh­mend im Zen­trum po­li­ti­scher De­bat­ten. Für An­net­te Spit­zen­berg ist das The­ma auch per­sön­lich: Die St.Gal­ler Pfar­re­rin ist Muter ei­ner trans Toch­ter. Mit der neu ge­grün­de­ten Aus­tausch­grup­pe «Trans­Par­ents Ost­schweiz» will sie An­ge­hö­ri­gen ei­nen ge­schütz­ten Raum bie­ten – fern­ab von Vor­ur­tei­len und po­li­ti­schen Gra­ben­kämp­fen.

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Win­zi­ge Welt­krie­ge

Von ,

Stimmrecht-Kolumne im November

Zwi­schen den Rea­li­tä­ten

Von ,

Kolumne: 24/7 Traumacore

Kul­tur­geld 4 ever

Von ,
Postkolonial
Benin bronze kulturmuseum 2026

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Von  und ,

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Thur­gau ist auf gu­tem Weg

Von ,

Ak­tu­el­le Un­ter­su­chun­gen zei­gen: In der eth­no­gra­fi­schen Samm­lung des Kan­tons Thur­gau be­fin­den sich auch ein paar pro­ble­ma­ti­sche Ob­jek­te. Re­sti­tu­tio­nen sind nicht aus­ge­schlos­sen. Die Samm­lung selbst war über 20 Jah­re als Dau­er­leih­ga­be in St.Gal­len und ging 2023 zu­rück nach Frau­en­feld.

War­um wir die Ost­schwei­zer Tex­til­ge­schich­te in neu­em Licht se­hen

Von ,

In sei­nem Buch Ver­wo­ben und ver­strickt spürt der His­to­ri­ker An­dre­as Zang­ger den glo­ba­len Netz­wer­ken der Ost­schwei­zer Tex­til­in­dus­trie nach. Men­schen und ih­re Be­zie­hun­gen – von der Skla­vin bis zum Un­ter­neh­mer – ste­hen im Fo­kus sei­ner Un­ter­su­chung.

Kulturgelder

We­ni­ger Geld be­deu­tet we­ni­ger Leis­tung

Von ,

Vie­le der vom Kan­ton St.Gal­len mit ei­nem Jah­res­bei­trag ge­för­der­ten Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen kom­men ge­ra­de so über die Run­den – oft nur dank gros­sem eh­ren­amt­li­chem En­ga­ge­ment. Soll­ten ih­nen ab 2028 14,5 Pro­zent der Bei­trä­ge ge­stri­chen wer­den, wie es die Re­gie­rung vor­schlägt, müss­ten sie Ab­stri­che beim Pro­gramm ma­chen.

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Von ,

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Kul­tur­för­de­rung zahlt sich aus

Von ,

In St.Gal­len wird ein­mal mehr über Kür­zun­gen bei der Kul­tur dis­ku­tiert. In Win­ter­thur hat man nach­ge­rech­net, wel­che wirt­schaft­li­chen Ef­fek­te aus der Kul­tur her­vor­ge­hen. Die Er­geb­nis­se könn­ten auch der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne Ar­gu­men­te lie­fern.

Kultur
2611 Naturmuseum Niklas Thalmann Matthias Meier

Die Er­de ist nicht ge­nug

Von ,

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

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Ein Blick von In­nen

Von ,
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Mit Löt­kol­ben und künst­li­cher In­tel­li­genz

Von ,

Zwi­schen Samples, Gra­nu­lar­syn­the­se und Syn­the­si­zern: Urs Baum­gart­ner ali­as Ka­fi-D ver­öf­fent­licht sein ers­tes elek­tro­ni­sches So­lo­al­bum Grains – und macht sei­ne Lust am un­per­fek­ten Klang hör­bar.

01 Jakob Stutz 11 cut

Zwi­schen Ruhm und Knast

Von ,

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.