Etwas abseits des St.Galler Stadtgebiets, in einer Flussschlaufe der Sitter, liegt das Areal, von dem viele nicht wissen, was für ein einzigartiger und faszinierender Mikrokosmos sich darin befindet: das Sittertal mit der Kunstgiesserei und ihren Werkstätten, in denen namhafte Künst-ler:innen aus aller Welt ihre Werke produzieren lassen, einer einmaligen Bibliothek, einem Werkstoffarchiv, Atelierhäusern und vielem mehr. Es ist ein Zentrum der Kreativität, der Künste
und der Kollaboration.
Die 1986 im aargauischen Beinwil am See gegründete und seit 1994 in St.Gallen beheimatete Kunstgiesserei feiert ihren 40., die Stiftung Sitterwerk ihren 20. Geburtstag. Anlass genug, in diese Wunderwelt im Sittertal einzutauchen und ihr in Kooperation mit den beiden Institutionen einen Heftschwerpunkt zu widmen. Im Interview sprechen wir über die Anfänge der Kunstgiesserei und darüber, wie aus einem Zweimannbetrieb eine der wichtigsten Kunstgiessereien der Welt mit rund 80 Angestellten entstehen konnte, blicken auf die Herausforderungen der Gegenwart, spienzeln vorsichtig in die Zukunft, in eine Zeit nach Felix Lehner, und reden über die Rolle der Stiftung Sitterwerk und ihrer Kunstbibliothek. István Scheibler zeichnet die Geschichte des Industrieareals nach, Daria Frick gibt in ihrer Reportage einen Einblick in die verschiedenen Werkstätten, René Hornung beleuchtet die architektonische Entwicklung des Areals und zeigt die Pläne für den Aus- und Aufbau der Kunstbibliothek. Und wir haben Jim Dine getroffen, den renommierten US-amerikanischen Künstler, der während der Pandemie im Sittertal strandete, dort inzwischen ein eigenes Atelierhaus hat und auch mit 91 Jahren unermüdlich arbeitet und um die ganze Welt reist.
Ein besonderes Jubiläum feiert auch die Druckerei Niedermann, die seit der ersten Ausgabe unsere Hefte druckt: Sie wird 100 Jahre alt. Im Interview blickt der abtretende Geschäftsführer Gallus Niedermann auf die bewegte Geschichte zurück.
Ausserdem im hitzigen Juli-August-Heft: die literarische Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Redeplatz-Interview mit dem iranischen Exil-Oppositionellen Mohsen Masoudi. Und was wäre ein Sommerheft ohne die umfangreichen Kulturtipps für die kom-menden Monate. Sie enthalten zwar keine Abkühlungsstrategien gegen die Hitzewelle, aber viele erfrischende Hinweise für Körper und Geist.
Ob nah oder fern: Wir wünschen euch eine freudige Lektüre und eine gute Zeit!David Gadze