Kantonale Kulturämter unter Spardruck

Die Sparmassnahmen des Bundes dürften sich insgesamt negativ auf die Kulturförderpolitik der Kantone auswirken. Kommt hinzu, dass diese ihrerseits sparen. Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten.

Für diesen Schwerpunkt haben Kunstschaffende ihre Gedanken zum Thema Kulturförderung visualisiert. Hier abgebildet: Weil Mensch von Katalin Deér.

Der Bund spart im Rah­men des Ent­las­tungs­pa­kets 2027 im kul­tu­rel­len Be­reich vor al­lem bei den Bei­trä­gen zum Denk­mal­schutz und bei Pro Hel­ve­tia. Letz­te­res dürf­te sich in Form zu­neh­men­der För­der­ge­su­che bei Kan­to­nen und Ge­mein­den aus­wir­ken. Der Se­lek­ti­ons­druck wird folg­lich auch in der Ost­schwei­zer För­der­pra­xis zu­neh­men, zu­mal die Kan­to­ne ih­rer­seits an Spar­pa­ke­ten wer­keln oder sol­che be­reits um­set­zen.

Zum Bei­spiel St.Gal­len. Der Kan­ton ge­hör­te, wie prak­tisch al­le an­de­ren Kan­to­ne, zu je­nen, die das Ent­las­tungs­pro­gramm des Bun­des in der Ver­nehm­las­sung ab­lehn­ten. Aber an­ders als et­wa der Kan­ton Zü­rich, der auch ein­zel­ne Spar­mass­nah­men aus dem Kul­tur­be­reich kri­ti­sier­te, be­schränk­te sich der Re­gie­rungs­rat auf an­de­re Be­rei­che, in de­nen der Bund Kos­ten sen­ken re­spek­ti­ve auf die Kan­to­ne ab­wäl­zen will. Kri­tik, wie man sie et­wa von Bran­chen­ver­bän­den oder der Taskforce Cul­tu­re hört, ist vom of­fi­zi­el­len St.Gal­len nicht zu ver­neh­men.

Im­mer­hin ei­ne Be­fürch­tung, die im Amt für Kul­tur ge­äus­sert wur­de, kann – zu­min­dest vor­läu­fig – et­was re­la­ti­viert wer­den. Der Bund wird zwar sei­ne pro­jekt­be­zo­ge­nen Un­ter­stüt­zungs­zah­lun­gen an Zi­vil­dienst-Ein­satz­be­trie­be ein­stel­len und da­mit jähr­lich 3,4 Mil­lio­nen Fran­ken spa­ren. Al­ler­dings ha­ben 2025 ge­ra­de mal 18 von über 4000 Ein­satz­be­trie­ben schweiz­weit von sol­chen Sub­ven­tio­nen pro­fi­tiert. 17 da­von ar­bei­ten im Um­welt- und Na­tur­schutz­be­reich und nur ge­ra­de ei­ner im Be­reich Kul­tur­gü­ter­schutz. Und letz­te­rer ist nicht in der Ost­schweiz be­hei­ma­tet, wo­mit sich die­se Spar­mass­nah­me kaum auf die hie­si­ge Kul­tur­gü­ter­land­schaft aus­wir­ken dürf­te. Wie es dann aus­sieht, wenn das Bun­des­par­la­ment über die An­pas­sung des Zi­vil­dienst­ge­set­zes zur Ver­min­de­rung der At­trak­ti­vi­tät ge­gen­über dem Ar­mee­dienst de­bat­tiert, steht auf ei­nem an­de­ren Blatt. Dann könn­te es durch­aus sein, dass ge­wis­sen Kul­tur­gü­ter­schutz­in­sti­tu­tio­nen, die heu­te Zi­vil­dienst­stel­len aus­schrei­ben dür­fen, Stel­len teil­wei­se oder ganz ge­stri­chen wer­den. In der Ost­schweiz sind das rund zwei Dut­zend Ein­rich­tun­gen wie Ar­chi­ve, Mu­se­en, kan­to­na­le Denk­mal­pfle­ge und ähn­li­che öf­fent­lich fi­nan­zier­te oder pri­va­te Ein­rich­tun­gen.

Wie es um die all­ge­mei­ne Stim­mungs­la­ge im Kul­tur­amt steht, kann man auch am kan­to­na­len Ent­las­tungs­pa­ket 2026 ab­le­sen, das die Re­gie­rung dem Kan­tons­rat im De­zem­ber zur Ge­neh­mi­gung vor­legt. 209 Mil­lio­nen Fran­ken will der Kan­ton über die nächs­ten drei Jah­re ins­ge­samt ein­spa­ren. Auch im Be­reich Kul­tur sol­len künf­tig 8 Mil­lio­nen Fran­ken we­ni­ger aus­ge­ge­ben wer­den, be­kannt­lich nicht zum ers­ten Mal wird in die­sem Be­reich ge­de­ckelt. Der Be­trag scheint auf den ers­ten Blick nicht all­zu hoch (an­teils­mäs­sig rund 4 Pro­zent am ge­sam­ten Spar­pa­ket), und ge­wiss trifft es an­de­re Be­rei­che här­ter, et­wa die Be­hin­der­ten­gleich­stel­lung, die Son­der­päd­ago­gik, das Staats­per­so­nal oder den Um­welt­schutz. Doch auch in der Kul­tur wird es an ge­wis­sen Stel­len «schmerz­haft» – so wie es Fi­nanz­di­rek­tor Marc Mäch­ler im Sep­tem­ber bei der Prä­sen­ta­ti­on des Spar­pa­kets an­ge­kün­digt hat­te.

Für das Staats­ar­chiv und die Kan­tons­bi­blio­thek (Mass­nah­men­päck­chen M23) sol­len 2,4 Mil­lio­nen Fran­ken we­ni­ger aus­ge­ge­ben wer­den. So soll die Bi­blio­thek künf­tig we­ni­ger ge­druck­te und di­gi­ta­le Me­di­en an­schaf­fen und aus­ser­dem we­ni­ger in Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­te in­ves­tie­ren (das Gross­pro­jekt «St.Gal­ler Tag­blatt» lässt grüs­sen). Ins Ge­wicht fal­len auch Ein­spa­run­gen, die mit dem Wech­sel auf das ge­samt­kan­to­na­le Bi­blio­theks­sys­tem und ver­schie­de­nen An­pas­sun­gen in der Ver­bund­struk­tur mög­lich wer­den (390’000 Fran­ken). Das Staats­ar­chiv soll Er­schlies­sungs- und Re­stau­rie­rungs­auf­trä­ge an Drit­te re­du­zie­ren (450’000 Fran­ken), wo­durch die Öff­nungs­zei­ten und an­de­re Pu­bli­kums­diens­te leicht zu­rück­ge­fah­ren wer­den müs­sen, weil die ehe­mals ex­ter­nen Ar­bei­ten nun in­tern an­fal­len.

St.Gal­len zapft ver­mehrt den Lot­te­rie­fonds an

1,5 Mil­lio­nen Fran­ken sol­len ge­mäss kan­to­na­len Spar­plä­nen bei der Denk­mal­pfle­ge, der Ar­chäo­lo­gie und beim Stifts­ar­chiv ge­spart wer­den. Auf Denk­mal­pfle­ge­bei­trä­ge aus dem or­dent­li­chen Bud­get un­ter 20’000 Fran­ken für Schutz- und Re­no­va­ti­ons­mass­nah­men an Ob­jek­ten, die im Be­sitz von Ge­mein­den sind, will die Re­gie­rung künf­tig ver­zich­ten. Da­für will sie die Mi­ni­mal­schwel­le für sol­che Denk­mal­pfle­ge­bei­trä­ge, die über den Lot­te­rie­fonds fi­nan­ziert sind, von 20’000 auf 10’000 Fran­ken run­ter­schrau­ben, was fak­tisch zu ei­ner Um­la­ge­rung aus dem Kan­tons­bud­get zu­las­ten des Lot­te­rie­fonds führt. Kommt hin­zu, dass auf­grund des Ent­las­tungs­pro­gramms des Bun­des des­sen Bei­trä­ge an den Denk­mal­schutz im Kan­ton St.Gal­len von 3,9 Mil­lio­nen Fran­ken (für die Pe­ri­ode 2021–2024) auf 3,4 Mil­lio­nen (für 2025–2028) ge­kürzt wer­den.

Zum Werk von Marc Hansjörg Lieberherr

Marc Hans­jörg Lie­ber­herr, Cui­sine & Pla­ting: MA­JO, 2025

Für die­se Ar­beit er­hielt ich ein Ho­no­rar von 150 Fran­ken – ich ging da­von es­sen und hielt die Spei­se fo­to­gra­fisch fest.

Das Bild steht für ein Sys­tem, in dem Kür­zun­gen in der Kul­tur­för­de­rung nicht ein­fach da­zu füh­ren, dass al­le et­was we­ni­ger er­hal­ten. Statt­des­sen ver­schiebt sich die Ver­tei­lung: Ein klei­ner Kreis eta­blier­ter Kunst­schaf­fen­der bleibt ver­sorgt, wäh­rend vie­le an­de­re ganz leer aus­ge­hen – Kon­tak­te und Sta­tus zäh­len oft mehr als In­hal­te oder künst­le­ri­sche Hal­tung.

Ich selbst wur­de für die­se Ar­beit an­ge­fragt und ge­hö­re da­mit vor­über­ge­hend zu je­nen, die ge­ra­de pro­fi­tie­ren dür­fen. Der per­for­ma­ti­ve Akt des Es­sens macht die­ses Pri­vi­leg sicht­bar. Er zeigt, wie eng der Zu­sam­men­hang zwi­schen För­de­rung und Exis­tenz ist: Wer Mit­tel er­hält, kann sich, im über­tra­ge­nen wie im wört­li­chen Sinn, da­von er­näh­ren. Die Fo­to­gra­fie ist über-spitzt, aber sie ver­weist auf ei­ne rea­le Schief­la­ge: Wenn För­de­rung im­mer se­lek­ti­ver wird, ver­liert die Kul­tur­land­schaft ih­re Viel­falt.

Die­se Ar­beit plä­diert für ei­ne brei­te­re und ge­rech­te­re Ver­tei­lung von Kul­tur­gel­dern – da­mit Kunst auch in Zu­kunft ver­schie­den, zu­gäng­lich und le­ben­dig bleibt.

Marc Hans­jörg Lie­ber­herr, 1997

Bei der Kan­tons­ar­chäo­lo­gie wer­den jähr­lich 42’000 Fran­ken ein­ge­spart, in­dem zwei Ar­chäo­log:in­nen fest­an­ge­stellt wer­den, die zu­vor über ei­ne Per­so­nal­ver­leih­fir­ma für den Kan­ton ar­bei­te­ten. Das Stifts­ar­chiv soll, ana­log zur Kan­tons­bi­blio­thek, sei­ne Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­te zu­rück­schrau­ben.

Die stärks­ten Ein­schnit­te im Kul­tur­be­reich fal­len mit 4,3 Mil­lio­nen Fran­ken im Be­reich Kul­tur­för­de­rung an (M25). So wird et­wa der jähr­li­che Kan­tons­bei­trag an Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len (2025 wa­ren es 21,5 Mil­lio­nen Fran­ken) ab 2027 um rund 3 Pro­zent oder 700’000 Fran­ken ge­kürzt. Da­für soll die Re­fi­nan­zie­rung aus dem Lot­te­rie­fonds um die Hälf­te des ge­kürz­ten Be­trags, al­so 350’000 Fran­ken, er­höht wer­den, «um per­so­nel­le Aus­wir­kun­gen auf Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len (KTSG) mög­lichst ge­ring zu hal­ten», wie es in der Mass­nah­men­lis­te heisst. Hier­für wür­de ei­ne Ge­set­zes­an­pas­sung nö­tig, weil der Re­fi­nan­zie­rungs­an­teil aus dem Lot­te­rie­fonds der­zeit 40 Pro­zent be­tra­gen muss, bei den neu­en Ver­hält­nis­sen aber dar­über lä­ge. Zu­dem könn­te es sein, dass die an­de­ren Trä­ger:in­nen – na­ment­lich der Kan­ton Thur­gau, die bei­den Ap­pen­zell und die Stadt St.Gal­len – ih­re Bei­trä­ge an­pas­sen und ei­ne Neu­ver­hand­lung des Ver­teil­schlüs­sels ver­lan­gen könn­ten, wenn der Kan­ton St.Gal­len sei­nen Bei­trag aus dem or­dent­li­chen Bud­get kürzt. Dies könn­te ge­mäss Re­gie­rung «wei­ter­ge­hen­den struk­tu­rel­len Ver­än­de­rungs­druck auf den Ge­samt­be­trieb des KTSG» aus­üben.

Zweit­gröss­ter Spar­pos­ten in die­sem Be­reich ist die Re­duk­ti­on von Auf­trä­gen an ex­ter­ne Fach­per­so­nen zur Un­ter­stüt­zung der Lei­tung des Amts für Kul­tur so­wie di­ver­ser be­trieb­li­cher Ein­spa­run­gen in den Be­rei­chen Spe­sen, Druck­sa­chen, For­mu­la­re und Bü­ro­ma­te­ri­al. Rund 790’000 Fran­ken sol­len hier­bei über die nächs­ten drei Jah­re ein­ge­spart wer­den.

Aus­ser­rho­der Spar­pa­ket be­reits in Kraft

Der Aus­ser­rho­der Kan­tons­rat hat be­reits En­de 2024 das Ent­las­tungs­pa­ket 2025+ ver­ab­schie­det. Die­ses wirkt sich auch im ak­tu­ell zur De­bat­te ste­hen­den Bud­get aus, mit dem der Kan­ton 6,2 Mil­lio­nen Fran­ken ein­spa­ren will. Ein Blick in den Vor­anschlag 2026 so­wie den Auf­ga­ben- und Fi­nanz­plan 2027–2029 zeigt, wo die Kul­tur in Ap­pen­zell Aus­ser­rho­den den Gür­tel künf­tig en­ger schnal­len muss. So wird das kan­to­na­le Kul­tur­ma­ga­zin «Ob­acht» künf­tig nur noch zwei- statt drei­mal pro Jahr er­schei­nen und es wer­den we­ni­ger Ein­ga­be­ter­mi­ne für Kul­tur­för­der­an­trä­ge an­ge­bo­ten. Da­mit spart der Kan­ton jähr­lich 13’000 Fran­ken ein.

Zu­dem wird der ge­plan­te Auf­bau ei­ner kan­to­na­len Fach­stel­le Ar­chäo­lo­gie und Pa­lä­on­to­lo­gie auf­ge­scho­ben. Da­mit wer­den ei­ner­seits 85’000 Fran­ken (50'000 beim Per­so­nal, 35'000 bei der IT) jähr­lich ein­ge­spart. An­de­rer­seits be­las­tet die Mass­nah­me die Res­sour­cen der Denk­mal­pfle­ge zu­sätz­lich, die sich oh­ne­hin schon mit ei­ner Zu­nah­me be­ra­tungs­in­ten­si­ver Bau­vor­ha­ben im Kan­ton kon­fron­tiert sieht. Wei­te­re 50’000 Fran­ken will die Re­gie­rung bei der Kul­tur­gut-Da­ten­spei­che­rung ein­spa­ren, die Da­ten sol­len ge­mäss Amt für Kul­tur aber nach wie vor im glei­chen Um­fang ge­sam­melt und ge­spei­chert wer­den.

Die gröss­te Ent­las­tung für den Staats­haus­halt im Kul­tur­be­reich er­zielt der Kan­ton mit der Re­duk­ti­on sei­ner Bei­trä­ge zum Kul­tur­fonds um 150’000 Fran­ken von bis­lang 455’000 auf 305’000 Fran­ken jähr­lich. Dem­ge­gen­über er­höht sich al­ler­dings der Bei­trag aus dem Lot­te­rie­fonds zu­guns­ten des Kul­tur­fonds um rund 300’000 Fran­ken von bis­lang 1,1 Mil­lio­nen auf 1,41 Mil­lio­nen Fran­ken, wo­mit der Kul­tur­fonds 2026 ge­gen­über dem Vor­jahr um 160’000 Fran­ken bes­ser do­tiert sein wird. Dies ge­he zum Teil auch zu­las­ten des Sport­fonds, der im Rah­men des Ent­las­tungs­pa­kets 2025+ wie­der auf das Ni­veau von 2024 re­du­ziert wer­de, heisst es beim Aus­ser­rho­der Fi­nanz­de­par­te­ment, das die Ver­tei­lung der Lot­te­rie­fonds­gel­der ver­ant­wor­tet.

Trotz­dem steigt bei den ein­zel­nen För­der­ge­su­chen der Se­lek­ti­ons­druck. «Die Mass­nah­men des Ent­las­tungs­pa­kets 2027 des Bun­des ha­ben be­reits heu­te ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen», sagt Kul­tur­amts­lei­te­rin Ur­su­la Stein­hau­ser auf An­fra­ge. Mit dem Ein­frie­ren der Bun­des­mit­tel bei der Bau­kul­tur (3 Mil­lio­nen Fran­ken) und bei Pro Hel­ve­tia (1,5 Mil­lio­nen Fran­ken) sei die­ses Jahr schon ein wich­ti­ger Teil der Mass­nah­men auf Bun­des­ebe­ne vor­weg­ge­nom­men wor­den. Gleich­zei­tig neh­me die An­zahl För­der­ge­su­che in Ap­pen­zell Aus­ser­rho­den zu und die Pro­jek­te wer­den auf­grund der zu­neh­men­den Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Kul­tur­bran­che ten­den­zi­ell grös­ser und teu­rer. Bei Pro­jek­ten, die bis­lang von Bund und Kan­ton ge­för­dert wur­den, stel­le sich nun die Fra­ge, ob der Kan­ton die künf­tig weg­fal­len­den Pro-Hel­ve­tia-Gel­der kom­pen­sie­re. Oh­ne ei­nen sol­chen Aus­gleich droh­ten Ein­schrän­kun­gen bei der Um­set­zung von Pro­jek­ten, Ho­no­ra­r­aus­fäl­le für Kul­tur­schaf­fen­de so­wie wirt­schaft­li­che Fol­ge­wir­kun­gen et­wa im Be­reich Gas­tro­no­mie oder Ho­tel­le­rie, heisst es beim Amt für Kul­tur.

Auf der an­de­ren Sei­te will Ap­pen­zell Aus­ser­rho­den aber auch in die Kul­tur in­ves­tie­ren: Zum Bei­spiel bei der Di­gi­ta­li­sie­rung der Kan­tons­bi­blio­thek in Tro­gen. In den Be­rei­chen Lang­zeit­ar­chi­vie­rung so­wie In­be­trieb­nah­me ei­nes neu­en Bi­blio­theks­sys­tems fal­len künf­tig 35’000 Fran­ken pro Jahr mehr an.

Auch im Be­reich Samm­lung, Er­halt und Pfle­ge von Kul­tur­gut dürf­ten mit­tel­fris­tig wei­te­re Kos­ten an­fal­len. Hier fehlt es al­ler­dings noch an ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge, um die pri­vat und teils im Eh­ren­amt ge­führ­ten Mu­se­en im Kan­ton in die­sem Be­reich noch ge­ziel­ter zu un­ter­stüt­zen. Vor ei­ni­ger Zeit wur­de un­ter an­de­rem ge­prüft, ob Aus­ser­rho­den ein kan­to­na­les Mu­se­um oder ein vom Kan­ton fi­nan­zier­tes und von den ver­schie­de­nen Mu­se­en ge­mein­sam ge­nutz­tes De­pot er­hal­ten soll. Die­ses so­ge­nann­te Pro­jekt «Kris­tall» ist aber ge­schei­tert. Auch als Re­ak­ti­on dar­auf ar­bei­tet das Amt für Kul­tur der­zeit an ei­ner Kul­tur­er­be­stra­te­gie. Ein ers­ter Schritt zu ei­nem kan­to­na­len Kul­tur­er­be­ge­setz, wie es bei­spiels­wei­se St.Gal­len seit 2017 kennt? Das Amt für Kul­tur will sich hier­bei noch nicht in die Kar­ten bli­cken las­sen, wei­te­re In­for­ma­tio­nen sei­en im kom­men­den Jahr zu er­war­ten, heisst es sei­tens Amts­lei­tung.

Kul­tur als staat­li­che Kern­auf­ga­be

Ob all die­se Spar­mass­nah­men auf kan­to­na­ler Ebe­ne in St.Gal­len und Ap­pen­zell Aus­ser­rho­den tat­säch­lich um­ge­setzt wer­den, ent­schei­det sich in den De­zem­ber­ses­sio­nen in den Kan­tons­par­la­men­ten. Auf­grund der Mehr­heits­ver­hält­nis­se im St.Gal­ler wie im Aus­ser­rho­der Kan­tons­rat sind hier al­ler­dings kaum Über­ra­schun­gen zu er­war­ten.

Un­ter dem Strich lässt sich sa­gen, dass die ak­tu­el­len Spar­be­mü­hun­gen in den Kan­to­nen weit­aus 
schmerz­haf­ter hät­ten aus­fal­len kön­nen. Zu­min­dest wird es in die­sem Be­reich kei­ne ein­schnei­den­den Aus­wir­kun­gen auf Per­so­nal­ebe­ne oder gar ei­nen Stel­len­ab­bau im gros­sen Stil ge­ben, we­der in St.Gal­len noch in Ap­pen­zell Aus­ser­rho­den. Vor­läu­fig zu­min­dest. Aber das kann sich rasch än­dern, wenn die bür­ger­lich ge­präg­te Ost­schwei­zer Po­li­tik den ge­ne­rel­len Staats­ab­bau wei­ter vor­an­treibt. Und, zum Bei­spiel mit Blick auf die Aus­ser­rho­der Mu­se­en­land­schaft, sind Schlies­sun­gen nicht un­mög­lich. Das Bei­spiel des Ap­pen­zel­ler Volks­kun­de­mu­se­ums Stein, das tem­po­rär dicht­mach­te, hat ge­zeigt, in welch en­gem Kor­sett die Häu­ser teil­wei­se kal­ku­lie­ren müs­sen und wie wich­tig – bei al­lem pri­va­ten En­ga­ge­ment – die Rol­le des Staa­tes als Schüt­zer des kul­tu­rel­len Er­bes ist.

Schwie­rig wirds künf­tig si­cher­lich bei den Kul­tur­för­de­rung. Bei zu­neh­men­der An­zahl der För­der­ge­su­che und stei­gen­den an­ge­frag­ten Be­trä­gen bei gleich­blei­ben­den oder sin­ken­den Mit­teln, die den Kul­tur­äm­tern da­für zur Ver­fü­gung ste­hen, wird der Ver­teil­kampf här­ter. Und, wie die Aus­ser­rho­der Kul­tur­amts­lei­te­rin Ur­su­la Stein­hau­ser sagt: Das hat di­rek­te Aus­wir­kun­gen auf Ho­no­ra­re und die Grös­se oder so­gar die grund­sätz­li­che Durch­führ­bar­keit von Pro­jek­ten.

Kan­tons­rat Mat­thi­as Tisch­hau­ser er­in­nert in die­sem Zu­sam­men­hang zu­recht an die Wor­te des Aus­ser­rho­der alt Re­gie­rungs­rats Jürg Wern­li im ers­ten kan­to­na­len Kul­tur­kon­zept von 2008: «Der Staat soll sich für Kul­tur in­ter­es­sie­ren und en­ga­gie­ren. Dies in sei­nem ur­ei­ge­nen In­ter­es­se. Denn über die Kul­tur för­dert er das Ge­mein­wohl, und Kul­tur­för­de­rung wird so zur Kern­auf­ga­be des Staa­tes. Kul­tur ist Aus­druck ei­ner viel­fäl­ti­gen Ge­sell­schaft, schafft Iden­ti­tät und Ge­mein­sinn. Kul­tur ist ein un­er­setz­ba­res Gut.»

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