Die Welt wird digital, die Sehnsucht nach guter Haptik bleibt. Ist sie einer der Gründe, warum das gedruckte Buch trotz aller Abgesänge nach wie vor ein beliebtes Medium ist? Warum nach wie vor Flyer gedruckt werden? Warum die Wahl des Papiers so entscheidend ist für eine Publikation? Wenn die Haptik ein Grund ist, sind visuelle Qualitäten, Präsenz und vielleicht sogar der Sound des raschelnden Papieres weitere. Gedrucktes bietet mehr als physisch verfügbare Informationen.
Wie viel mehr das sein kann, zeigt sich alle zwei Jahre auf der Handpressenmesse in Frauenfeld. Inzwischen heisst sie Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe – und wird für langjährige Gäste, für Verleger, Druckerinnen, Typografen und Buchbinderinnen immer die HPM bleiben. Auch an der aktuellen 15. Ausgabe. Der diesjährige Ehrengast ist einer dieser Treuen: Fred Lautsch, Grafikkünstler und Drucker aus Stralsund an der Ostsee.
Buch- und Druckkunst-Messe: 4. bis 6. November, Eisenwerk Frauenfeld
buch-und-druckkunst-messe.ch
Das Leben an der Küste prägt und hat sich auch in Lautschs gestalterische Arbeit eingeschrieben. So sehr, dass es zum ersten Mal ein Motto für die Handpressenmesse gibt: Blau – wie das Meer und der Himmel darüber. Blaue Wellen sind das Motiv der – natürlich – handgedruckten Einladungskarten und Plakate der Messe. In Blau künden die Fische auf langen Papierbahnen im Frauenfelder Kunstwürfel von der Messe. Blau wird an den Ständen vieler anderer Ausstellerinnen und Aussteller zu finden sein.
Wer will, kann sich ein Stück Blau nach Hause nehmen, auch ein selbstgedrucktes, denn die Messe lädt nicht nur zum Zugucken, sondern zum Mitmachen ein. Zum Prägen, Setzen, Drucken, Falten oder wie es das umfangreiche Programmheft ankündigt: «Generieren Sie durch Händeklatschen ein digitales Haiku aus den Samen des Löwenzahns». Die Handpressenmesse geht also durchaus digitale Wege. Dass die Buch- und Druckkunst dadurch verdrängt wird, ist nicht zu befürchten. Im Gegenteil, die Messe feiert das Papier, das Drucken, die Bücher und alle, die sich dafür begeistern.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Ausstellung
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.