Hans Rudolf Hilty, geboren 1925 in St.Gallen, war Germanist, Lehrer, Journalist, aber vor allem Schriftsteller. Selber veröffentlichte er mehrere Lyrikbände, einen Roman und einige dokumentarische Bücher. Daneben gab er aber auch andere Bücher und Magazine heraus. Mit der 1959 gegründeten Reihe der «Quadrat Bücher» brachte er es auf 40 Nummern.
Am bemerkenswertesten ist wohl der 1951 gegründete «Hortulus» (deutsch: Gärtchen), eine weit über St.Gallen hinaus viel beachtete Zeitschrift für neue Dichtung, erschienen im St.Galler Tschudy-Verlag. Am Anfang erschienen – ausschliesslich als deutschsprachige oder ins Deutsche übersetzte Erstdrucke – Gedichte, später auch Kurzprosa und Romanausschnitte. Ausgeschlossen waren Rezensionen und Essays. Zu den Erstveröffentlichungen zählte etwa das Gedicht Freies Geleit von Ingeborg Bachmann oder der Sketch Die grosse Wut des Philipp Hotz von Max Frisch. Zudem gabs grafische und künstlerische Beiträge unter anderem von Hans Arp, Meret Oppenheim oder Ludwig Meidner.
Waren die ersten Jahre noch eher lokal respektive national ausgerichtet, kamen mit Karl Krolow und Ilse Aichinger und anderen erste deutsche Autor:innen hinzu. Der Zeitschrift zog immer weitere Kreise, bis im Oktober 1964 die letzte Ausgabe erschien. Nach Hiltys Tod 1994 schrieb der Schweizer Dichter Kurt Marti einmal: «Die Bundesrepublik hatte ihre Gruppe 47, die deutschsprachige Schweiz ihren Hortulus.»
1986 erhielt – in einer Art Wiederentdeckung seines unermüdlichen Wirkens – der im gutbürgerlichen St.Gallen nicht nur geliebte Linke und Pazifist den grossen städtischen Kulturpreis. Und jetzt widmet Journalist und Kulturvermittler Richard Butz dem Autor und Publizisten einen Themenabend, an dem sich auch Mathias Peter und Raphael Labhart beteiligen. Hans Rudolf Hilty wird zum zweiten Mal wiederentdeckt.