Wibower? Würde man in der St.Galler Innenstadt eine Strassenumfrage machen, wüssten die meisten wohl nicht, wer Wiborada war. Dabei wäre es durchaus angebracht, die Gallusstadt auch Wiboradastadt zu nennen. Ihre Bedeutung für St.Gallen ist riesig, 1047 war die Inklusin, die 926 von den Ungarn getötet wurde, zudem die erste Frau weltweit, die von einem Papst heiliggesprochen wurde.
Im Mai jährt sich das Martyrium von Wiborada zum 1100. Mal. Ausserdem feiert der Verein Wyborada, der 1987 die gleichnamige feministische Bibliothek eröffnete, sein 40-Jahr-Jubiläum. Grund genug, in Kooperation mit dem Verein Wiborada-Jubiläum 2026 und der Wyborada im Heftschwerpunkt den Fokus auf die Stadtheilige zu richten. Im Interview gehen wir unter anderem der Frage nach, warum Wiborada bis heute im öffentlichen Bewusstsein nur eine untergeordnete Rolle spielt. Damit sich das ändert, erscheint ein neues Unterrichtsheft, das Kathrin Reimann bespricht. Mediävistin Tanja Scherrer unterzieht unser (angebliches) Wissen über das Leben von Wiborada einer quellenkritischen Einordnung. Und Marion Loher erzählt die Geschichte der Wyborada nach.
Mangelnde Sichtbarkeit ist ein Problem, mit dem auch Architektinnen zu kämpfen haben. In einem Buch würdigt Nina Keel nun Ostschweizer Architektinnen, die seit 1900 ihre Spuren hinterlassen haben. René Hornung hat das Buch besprochen. Ein neues Buch hat auch der St.Galler Autor Christoph Keller kürzlich veröffentlicht – einen 600-seitigen Roman in amerikanischem Englisch, der in Papierform nur in Indien sowie in der St.Galler Buchhandlung Comedia erhältlich ist. Florian Vetsch hat für den Kulturschwerpunkt ein «literarisches Gespräch unter Freunden» mit ihm geführt.
Ausserdem im wonnigen Mai: viel Neues bei der Kulturlandsgemeinde, die Retrospektive von Eleanor Antin im Kunstmuseum Liechtenstein, das neue Album der Mixed-Reality-Band Loveboy And His Imaginary Friends und eine Flaschenpost aus Lusaka. Und da der Comic von Julia Kubik pausiert, gibt es bis zu den Sommerferien ein Bilderrätsel – inklusive Wettbewerb!
Last but not least zeigt Michael Lünstroth, unser Kollege von Thurgaukultur, in einem Beitrag auf, wie das Kalenderprojekt Minasa von Saiten und Thurgaukultur die Sichtbarkeit für Kulturschaffende und Veranstalter:innen erhöht und den Nutzer:innen ermöglicht, sich unabhängig von der Plattform eine umfassende Übersicht über das Geschehen zu verschaffen. Und der Baselstädter Kulturpolitiker Johannes Sieber erklärt in einem Gastkommentar, warum Kulturjournalismus als Vermittlungsvehikel unverzichtbar ist. Was – hoffentlich – auch auf Saiten zutrifft. David Gadze
Kolumne: Stimmrecht
Magic circles
«Eine kleine Impfung gegen den Wahnsinn»
In seinem aktuellen Roman River – An American Dreaming verbindet der St.-Galler-New-Yorker Autor Christoph Keller diverse Genres: Das Buch ist Thriller, New-York-Roman, Kunstbetriebssatire, Liebesroman und Indigenen-Mythos in einem. Ein literarisches Gespräch unter Freunden.
Eine Würdigung von Ostschweizer Architektinnen
Kunsthistorikerin und Architekturvermittlerin Nina Keel holt in ihrem neuen Buch Architektinnen aus der Ostschweiz und deren Werke ans Licht, darunter viele bisher unbekannte. Sie zeigt, dass Frauen schon früh im 20. Jahrhundert bauten.