Angesichts der aktuellen autoritären Tendenzen und Entwicklungen ist es besonders wichtig, über Architektur als alltagstaugliche, offene und bewegliche Disziplin zu sprechen:
· Das Fragment trägt die Spuren des Ganzen in sich, sowohl eines vorherigen, aus dem es herausgebrochen ist, wie auch eines neuen Kontexts.
· Das Fragment, als etwas Abgebrochenes, als Bruchstück oder Splitter, ist immer spezifisch. Ein Fragment zu betrachten heisst, zu schauen, was da ist: ohne Vorurteil, ohne Vorbefassung, ohne Vor-Beurteilung, ohne Idealbild.
· Das Fragment ist deshalb Zeugin von Bewegungen im Raum und in der Zeit. Es widersetzt sich dem Unteilbaren, Unbeweglichen, Unangreifbaren oder Nichtdiskutierbaren: Wir müssen diskutieren!
In einer Diskussion über Fragmente in der Architektur ist es egal, ob es vor dem Urknall eine Einheit gab, ob eine universale Harmonie möglich wäre, ob der Stillstand eine Schönheit beinhalten könnte oder ob ein solches Erstarren zur Dystopie würde.
Wichtig ist, dass die Gebäude, die erstellt werden, genauso wie die Architekturen, die imaginiert und diskutiert werden, alltagstauglich bleiben. Es geht hier keineswegs um eine Rückkehr zum Funktionalismus, viel eher um eine «Kritik der Kritik des Funktionalismus», wie Julius Posener sie vor einem halben Jahrhundert formulierte. Über Architektur aus Fragmenten zu sprechen, heisst, Architektur als Vielfalt wahrzunehmen – immer ausgehend von dem, was da ist.
Das Inputreferat wird dies anhand eines klein- und eines grossmassstäblichen Fragments reflektieren.