Es ist noch taghell, als die Grabenhalle um 18 Uhr ihre Pforten öffnet. An den Wänden hängen überdimensionierte Fotos der klassischsten Synthesizer überhaupt, hinterlegt mit geschmäcklerischen Tapetenmustern. Das Prinzip von Katja Ruges Ausstellung «Kann denn Liebe Synthie sein?» ist unspektakulär, aber stimmig. Hinter den Decks stehen die Macher des Luzerner Print-Magazins «Zweikommasieben» und spielen Hype Williams und analoge Sequenzer-Musik. Die BPMs bleiben im Zaum, der Einstieg gelingt tadellos.
Krieg der Maschinen
Der erste Live Act, das Duo Stu & Papiro, spielt auf einer Nebenbühne mit Extra-PA. Die DJs hatten zuvor die Hauptanlage für sich, spätestens nach dem ersten beherzten Aufreissen der Cut-Offs sind die Kräfteverhältnisse wieder im Gleichgewicht. Ein Krieg zweier Maschinen bricht aus – Korg MS-20 gegen einen obskuren, duophonen Moog im blauen Koffer und ein paar externen Effektgeräten als zusätzliche Munition. Die beiden Musiker tun ihr Bestes, um das Klanggewitter zu bändigen, in ruhigeren Phasen trauen sie sich gar zur Melodie, am spannendsten bleibts aber im Chaos.
The Space Lady
Das zweite Konzert des Abends bestreitet The Space Lady. Trotz blinkendem Wikingerhelm ist Susan Dietrich Schneider eine zerbrechliche Erscheinung, die eine bewegte Vergangenheit nach aussen trägt. Ihr Setup hat den Ursprung auf der Strasse; ein Casio-Keyboard, ein Headset-Mikrofon und ein Delay-Pedal reichen, um Songs wie Born to be Wild oder Imagine psychedelisch-verträumt neu zu interpretieren. Das Konzert entpuppt sich als speziell und sympathisch, dennoch verliert sich mit dem leichten Konzeptbruch zwischendurch der dramaturgische Faden der Veranstaltung.
Verfrühter Rave
Dann eröffnet die Französin Christelle Gualdi aka Stellar OM Source mit einem fulminanten Technoset die Hauptbühne. An Gualdis Fingerringen leuchten kleine Taschenlampen, ihre Hände streifen in beinah anmutigen Bewegungen über das Hardware-Setup. Nicht der stete Tropfen höhlt den Stein; dieser acid-schwangere Rave lebt von drastisch vollzogenen Wendungen und ausgeklügelter Vielschichtigkeit. Leider gleicht die Geschichte einem Frühstart, es ist zehn Uhr Abends – nicht gerade Peaktime.
Soundtrack zum Weltuntergang
Danach legen die drei Briten von Wrangler los. Der anachronistische Technospuk ist schnell verflogen, es wird wieder entschleunigt. Düsterer Coldwave und industrieller Elektro – der perfekte Soundtrack zum Weltuntergang. Cabaret-Voltaire-Mann Stephen Mallinder verleit seiner Stimme mit allerhand Effektenkleckereien eine gespenstische Dringlichkeit, die Drums werden live auf Drum Pads eingeprügelt. So menschlich kann Maschinenmusik sein.
Um ein Uhr tritt Klangforscher beinahe unbemerkt das letzte Live-Set des Abends los. Die Zeit ist reif für diesen gut gemeinten, etwas holprigen Oldschool-Rave. Die Stärken des Locals sind die Basssequenzen und irgendwie tönt er klassisch – analoger als alles bisher Geschehene – ein stimmiges Schlusslicht.
Bilder: Katja Ruge
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