Die Schweizer Clubszene ist ziemlich verkatert. Besonders starke Kopfschmerzen bereitet ihr, dass diverse Clubs im ganzen Land seit der Coronapandemie schliessen mussten, sei es wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit, sei es wegen Gentrifizierung und Gebäudeabbrüchen. Nach der Aufhebung der Massnahmen im Frühjahr 2022 wurden viele Clubs überrannt, doch ab 2023 flachten die Besucher:innenzahlen ab. Als Gründe werden ein verändertes Ausgehverhalten vor allem der jungen Leute und der sinkende Alkoholkonsum genannt.
Zudem konkurrenzieren sich Clubs und Bars längst nicht nur gegenseitig, vermehrt sind auch Freizeitaktivitäten und das heimische Sofa zur Konkurrenz geworden. Auch dank Streamingportalen wie Netflix haben viele Menschen während der Coronapandemie gelernt, sich zuhause selber zu unterhalten. Wer an einem Freitagabend in der St.Galler Innenstadt unterwegs ist, merkt schnell, dass an vielen Orten gewöhnlich weniger los ist als vor einigen Jahren, selbst im «Bermuda-Dreieck» an der Augustinergasse und der Engelgasse.
Im Saiten-Land haben im vergangenen Jahr drei Clubs ihre Türen geschlossen: der Green Klub in Winterthur, das Kraftwerk in Krummenau sowie das Selig im Churer Ausgehviertel Welschdörfli, wo auch viele Bars schlossen. Für letzteres kam das Aus nach fast 20 Jahren in der Sommerpause. Geschäftsführer Roni Szepanski, der das Lokal 2016 übernommen hatte, ist auch Inhaber des Pubs Dublin Cliff. Ausserdem betrieb er bis 2018 das Palazzo (danach Loucy, heute Fabrik), die grösste Event-Location Churs.
Szepanski reagierte auf mehrere Mailanfragen von Saiten nicht. Gegenüber der «Südostschweiz» sagte er im September, er habe während der Sommerpause die Bücher und Zahlen des Selig gründlich geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass sich der Betrieb nicht mehr lohne. Er begründete die Schliessung mit dem veränderten Ausgehverhalten und gestiegenen Kosten. Die jungen Erwachsenen gingen nicht mehr regelmässig in den Ausgang, sondern eher eventspezifisch – und plötzlich wollten sie «lieber alkoholfreie Getränke, Proteinshakes und ins Fitnessstudio». Ein Wechsel hin zu einer älteren Zielgruppe habe zwar gut funktioniert, doch diese könne bei Weitem nicht im gleichen Zeitintervall bespielt werden, so Szepanski in der «Südostschweiz».
Im Kraftwerk hat ein neuer Verein übernommen
Ebenfalls im Sommer schloss das Kraftwerk in Krummenau. Der Club, der auch für andere kulturelle Anlässe genutzt wurde, entstand ursprünglich 1993 als Mammut in Ebnat-Kappel. 1999 zügelte er dann ins Kraftwerk Trempel an der Thur. Im Mai teilten die Betreiber:innen «mit schwerem Herz» mit, dass sich der Verein im Juli auflösen werde – aufgrund fehlender finanzieller Mittel und mangelnder Anzahl Mitglieder und Helfer:innen.
Ex-Vereinspräsidentin Sabrina Liebermann teilte auf Anfrage mit, sie habe «mit dem Ganzen abgeschlossen» und wolle nicht mehr öffentlich darüber reden. Im «Toggenburger Tagblatt» sagte sie damals, der Club habe durch den Lockdown und die ausbleibenden Partys den Anschluss an die nachfolgende Generation verpasst und habe «den neuen Bedürfnissen» nicht mehr gerecht werden können. Zudem hätten bestehende Mitglieder die Verbindung zum Verein verloren, und es sei nicht gelungen, neue Mitglieder, die sich ehrenamtlich im Betrieb engagierten, zu finden, ergänzte Vorstandsmitglied Tamara Nikolić.
Definitiv zu Ende ist es jedoch nicht im Kraftwerk: Der 2023 gegründete Verein Backstage, der bereits früher ab und zu Anlässe im Kraftwerk organisierte und in dem auch ehemalige Vorstandsmitglieder des Vereins Kraftwerk sind, führt den Club weiter. In der zweiten Jahreshälfte 2025 fanden mehrere Partys statt. Bei Redaktionsschluss suchte der Verein auf der Crowdfunding-Plattform Gofundme Geld für Sicherheitsmassnahmen unter anderem beim Brandschutz. Es wird spannend sein zu sehen, wie der Neustart im Kraftwerk gelingt.
In St.Gallen haben nur wenige Clubs geschlossen – alle vor Corona
Das lebendigste Nachtleben der Ostschweiz befindet sich in St.Gallen. Die Stadt verfügt über eine der höchsten Beizen- und Bardichten der Schweiz. Die Clublandschaft ist zwar überschaubar, aber einigermassen beständig. Zwar gab es in den vergangenen rund 15 Jahren diverse Namenswechsel, aber nur wenige Schliessungen. In der Innenstadt sind drei (bzw. vier) Clubs verschwunden: mit dem Electrokeller (2011) und dem CMC (2014) zwei kleinere sowie 2014 mit dem Downtown (das bis 2016 in der Brühltor-Unterführung als New Downtown weiterlebte) ein grösserer. Der 2012 im Seegerhaus eröffnete Felix Nightclub schloss bereits 2014 wieder.
Lichterlöschen war auch in zwei Clubs am östlichen und westlichen Stadtrand: Mitte der Zehnerjahre im Techno-Club Raumstation, der aus dem Electrokeller hervorgegangen war, und 2016 im Halli-Galli-Tempel Villa Wahnsinn bei der Shopping-Arena, 2012 in den Räumen des ehemaligen Glow-Clubs eröffnet, wo sich Grössen wie 50 Cent, Jay-Z, Shaggy oder Sido vergnügten. Und der autonome Freiraum Rümpeltum zog 2018 von der Haldenstrasse in ein Provisorium am Magniberg und 2021 schliesslich weg aus der Innenstadt ins Areal Bach beim Bahnhof St.Fiden. Derzeit kämpft das «Rümp» mit finanziellen Problemen.
Die goldenen Zeiten sind auch im Kugl vorbei
Seit über 20 Jahren trotzt das Kugl (Kultur am Gleis) allen Widerständen. Der Club im Güterbahnhofgebäude entwickelte sich nach der Eröffnung 2004 zu einem Magneten für ein junges, urbanes Publikum. Er brachte – auch dank Öffnungszeiten bis in die frühen Morgenstunden – etwas Raues, Wildes, Dunkles ins städtische Nachtleben und bewegte sich abseits des Mainstreams, womit er sich von den grossen Discotheken der Innenstadt abhob.
Die goldenen Zeiten sind jedoch lange vorbei. Mehrmals kämpfte das Kugl ums Überleben, mal aus finanziellen, mal aus rechtlichen Gründen (oder der Kombination aus beidem). 2010 führte ein Rechtsstreit mit einem Nachbarn dazu, dass dem Kugl die Bewilligung für aufgehobene Schliessungszeiten vom Verwaltungsgericht entzogen wurde – das Aus des Clubs schien damit besiegelt. Erst nach jahrelangem Kampf und der Verlegung des Eingangs auf die Nordseite des Gebäudes, zu den SBB-Gleisen hin, entspannte sich die Situation. Und Ende 2020, während des zweiten Corona-Lockdowns, startete das Kugl ein Crowdfunding, weil alle flüssigen Mittel aufgebraucht waren. Von den erhofften 51’000 Franken kam etwas mehr als ein Drittel zusammen – und doch reichte es, um auch diese schwere Zeit zu überstehen.
Das Kugl hat auch mit der Lage zu kämpfen: Es liegt zwar nur wenige Gehminuten vom St.Galler Hauptbahnhof entfernt, allerdings auf der «falschen» Seite. Das Nachtleben spielt sich hauptsächlich rund um die Altstadt ab. Laufkundschaft hat das Kugl praktisch nicht. Man muss sich bewusst für einen Besuch entscheiden.
Zu viele Player für das gleiche Publikum
Das Nachtleben sei schon immer auf seine Weise herausfordernd gewesen, sagt Daniel Weder, Inhaber und Geschäftsführer des Kugl. Als Club spüre man immer auch den kulturellen Wandel – und das Nachtleben sei ein Spiegelbild davon. Als Beispiel nennt er die Reihe «Tschäss ond Wööscht», die jeweils dienstags stattfand und lange ein Selbstläufer war. Mit der Schliessung der Jazzschule St.Gallen 2010 sei das Interesse daran jedoch zusammengebrochen. Auch andere Veranstaltungen unter der Woche wie Comedy-Abende, Lesungen oder Konzerte seien irgendwann nicht mehr rentabel beziehungsweise durch den Partybetrieb am Wochenende nicht mehr querfinanzierbar gewesen. Deshalb habe sich auch das Kugl inhaltlich anpassen müssen, das Programm sei ausgedünnt und kommerzieller geworden. «Das wurde uns oft vorgeworfen, es hat den Club aber am Leben erhalten.»
Heute sei die städtische Clubszene weniger divers als früher, überall laufe ein breites Musikprogramm, sagt Weder. Mit der Folge, dass es «zu viele Player für das gleiche Publikum» gebe.
«Irgendwann hat man keinen Bock mehr auf Tinder. Die Leute wollen sich wieder persönlich kennenlernen.»
Das Abflauen des Nachtlebens habe jedoch nicht erst nach der Coronapandemie begonnen, sondern bereits gegen Ende der Zehnerjahre. «Es wurde schon damals immer schwieriger, genügend Gäste an die Partys zu locken.» Freitags bleibt das Kugl in der Regel seit längerem zu. Das will Weder künftig wieder ändern, der Club soll in kleinerem Rahmen bespielt werden. Und dank einer neuen Booking-Crew soll es auch wieder mehr Eigenproduktionen geben; heute machen Fremdveranstaltungen einen Grossteil der Anlässe aus. Er habe das Gefühl, dass Ausgehen bei den 16- bis 18-Jährigen wieder einen höheren Stellenwert bekomme, sagt Weder. Das Bedürfnis der Leute, sich zu treffen und gemeinsam etwas zu erleben, werde wieder zunehmen. «Irgendwann hat man keinen Bock mehr auf Tinder. Die Leute wollen sich wieder persönlich kennenlernen.»
Überleben dank einer Symbiose
Ein profitabler Betrieb wäre nur mit Partys, Konzerten und anderen kulturellen Anlässen allerdings nicht möglich, zumal die Sommermonate aufgrund immer mehr Festivals und Daydances immer schwieriger würden – und länger, da die ersten Daydances schon im Frühling beginnen und die letzten im Herbst stattfinden. 2019 eröffnete das Kugl im ehemaligen Foyer eine Bar, die vom Club abgetrennt war und vor diesem öffnete – ähnlich wie vor der Verlegung des Eingangs. Das Konzept funktionierte nicht, doch daraus ist 2023 das Eventlokal Gut & Güter entstanden. Ein heller, lichtdurchfluteter Ort ohne das «Club-Feeling», das für viele Firmenevents nicht passte. Dort können Privatpersonen und Firmen Anlässe aller Art durchführen, von Kund:innenevents über Bankette bis zu Geburtstagspartys oder Hochzeitsfeiern. Dafür arbeitet das Kugl mit verschiedenen Partnerfirmen zusammen.
Weder hadert nicht mit der Situation. Man müsse den Wandel akzeptieren – und Lösungen suchen, sich anpassen, sagt er. «Wenn das irgendwann nicht mehr möglich ist, ist die Zeit gekommen, etwas anderes zu machen.»
Freitags eine Bar, samstags ein Club
Besuch im Dezent. Seit Januar 2025 führt René Meier mit seiner Partnerin den Club an der Hinteren Poststrasse, der zwischen 2003 und 2019 als Elephant ein Fixpunkt im Nachtleben war. Nach der Schliessung des «Ele» stand das Lokal drei Jahre lang im Umbau, ehe es im Frühjahr 2022 unter dem Namen Garage wiedereröffnete – und bereits Ende 2024 aus wirtschaftlichen Gründen wieder schloss.
Meier arbeitete einst im Backoffice des Elephant. 2016 übernahm er das Backstage an der Bahnhofstrasse, das fast 20 Jahre lang ein fester Bestandteil der St.Galler Ausgehszene war, und eröffnete es unter dem neuen Namen Ivy wieder. Nach der Corona-Pandemie entschloss sich Meier, das Ivy in neue Hände zu geben – und zog sich aus dem Nachtleben zurück. Bis er 2024 das Angebot erhielt, die Garage zu übernehmen.
Das Clubbing habe sich grundlegend verändert, sagt Meier. «Die Interessen der Leute haben sich verlegt, es gibt viel mehr Angebote – seien es Städtetrips, die viel günstiger geworden sind, oder andere Aktivitäten.» Schon vor zehn Jahren habe sich gezeigt, dass das Nachtleben abflachend sei. Auch «dank» der sozialen Medien habe das Bedürfnis, regelmässig auszugehen, abgenommen. Ausserdem spüre man die vielen Daydances während der Sommermonate. «Früher waren viele Leute von Donnerstag bis Samstag im Ausgang, heute vielleicht noch einen Tag in der Woche. Aber wenn sie ausgehen, geben sie immer noch Gas.»
Diese Entwicklung spiegelt sich an den Öffnungszeiten des Dezent, das Club und Bar in einem ist: Donnerstags und freitags ist gewöhnlich nur die Bar geöffnet, der Club nur samstags, dazu finden regelmässig mittwochs Studentenpartys statt. «Die Freitage liefen schon vor Corona oft schlecht, es war jedes Mal ein Poker. Heute gilt das umso mehr», sagt Meier. Das Ziel sei stattdessen, künftig ungefähr einmal pro Monat freitags kleinere kulturelle Anlässe wie Konzerte oder Comedyshows zu veranstalten.
Im Dezent gibt es jetzt Ü60-Partys
Dem Wandel zum Trotz blickt das Dezent auf ein erfolgreiches Jahr 2025 zurück: «In einigen Monaten hatten wir sogar bessere Umsätze als vor zehn Jahren», sagt Meier. Und der Pro-Kopf-Umsatz, der in vielen Clubs (und Bars) rückläufig ist, weil die Gäste weniger Alkohol trinken, sei im vergangenen Jahr sogar gestiegen. Dennoch reicht das nicht, um den Clubbetrieb zu finanzieren. Dieser wird durch die Vermietung des Lokals für Events wie Firmenanlässe, Produktpräsentationen, Workshops, Weihnachtsessen und so weiter querfinanziert. «Diese Angebote wollen wir künftig weiter ausbauen.»
Das Dezent möchte nun eine ganz neue Zielgruppe erschliessen: Von Februar bis Mai gibt es jeweils am frühen Donnerstagabend eine Ü60-Disco. Doch auch Meier stellt fest, dass bei Jugendlichen ab 16 Jahren das Interesse am Nachtleben wieder zunehme. 2025 gabs im Dezent, wo Mindestalter 20 gilt, zwei Ü16-Kanti-Partys – beide waren schnell ausverkauft.
Dass viele Clubs in einer angespannten finanziellen Lage sind, habe nicht nur damit zu tun, dass von den Alkoholpreisen bis zu den Personalkosten vieles teurer geworden sei. Sondern auch damit, dass «sauberes Arbeiten», insbesondere im Umgang mit Geld, im Nachtleben oft vernachlässigt werde, sagt Meier. Einen Club müsse man jedoch genauso seriös führen wie jedes andere Unternehmen – mit guter Organisation, einem exakten Büro und einer klaren Linie.
«Das Nachtleben ist mit vielen Versuchungen verbunden: Alkohol, Drogen, Geld, sexuelle Abenteuer … du bist umgeben von Suchtpotenzialen. »
Ausserdem sei es gerade in einem solchen «People Business» entscheidend, mit wem man zusammenarbeite, sowohl was Geschäftspartner:innen als auch das Personal betreffe. Es sei jedoch nicht einfach, gute Leute für Führungspositionen in Clubs zu finden. «Das Nachtleben ist mit vielen Versuchungen verbunden: Alkohol, Drogen, Geld, sexuelle Abenteuer … du bist umgeben von Suchtpotenzialen. Und man darf nicht vergessen: Es ist Nachtarbeit. Es braucht Leute, die es aus Leidenschaft machen und nicht nur aus finanziellen Gründen.»
Bars als grosse Konkurrenz
Andy Messmer und Reto Allenspach sind seit einer gefühlten Ewigkeit im St.Galler Nachtleben tätig und betrieben schon diverse Clubs und Bars. Heute führen sie die beiden Clubs Alpenchique, das 2015 aus dem Casablanca hervorging, und seit Ende 2023 das Eden (ehemals Ivy). Ausserdem gehört ihnen die Bar Alt St.Gallen im «Bermuda-Dreieck», das älteste Lokal der Stadt.
Die Abwärtstendenz im Nachtleben habe sich schon vor über zehn Jahren abgezeichnet, sagt auch Messmer. Gerade die grösseren Clubs hätten damals begonnen, beim Programm Erfolgsrezepte voneinander zu kopieren. «Am Schluss machten alle mehr oder weniger dasselbe. Dadurch wurde das Nachtleben langweiliger.»
Eine grosse Konkurrenz für die Clubs seien die Bars, sagt Allenspach. Vor 20 Jahren sei die Trennung zwischen Restaurants, Bars und Clubs viel klarer gewesen. Im Laufe der Zeit habe sich das aber immer mehr vermischt. Bars hätten damit begonnen, auch Speisen anzubieten. «Und praktisch jede Bar war plötzlich auch ein Club, mit DJs, Disco-Lichtern und Rauchmaschine.» Hinzu kämen die Verlängerungen der Schliessungszeit bis 3 Uhr morgens, die jede Bar viermal pro Monat beantragen kann. «Wenn das alle Bars machen, ist das in der Summe eine riesige Konkurrenz für die Clubs.»
«Es braucht strengere Schliessungszeiten für Bars und für Daydances»
Allenspach spricht sich deshalb dafür aus, die Schliessungszeiten für Bars strenger zu regulieren – ebenso jene für Daydances. Diese wirkten sich – vor allem durch die Vielzahl, die in den vergangenen Jahren in der ganzen Region entstanden sei – ohnehin stark aufs Nachtleben in der Stadt aus: «Wer schon am Samstagnachmittag an einen Daydance geht, geht am Freitagabend vermutlich nicht auch noch weg. Ein Daydance schwächt die Clubszene also nicht nur an dem Tag, an dem er stattfindet, sondern schon am Tag davor.» Und oft fänden am selben Ort gleich anschliessend After-Partys bis in die Nacht hinein statt. «All das bekommen auch wir zu spüren.»
«Ein Daydance schwächt die Clubszene nicht nur an dem Tag, an dem er stattfindet, sondern schon am Tag davor.»
Doch während einige Clubs in der Schweiz in den letzten Jahren Umsatzeinbussen von bis zu 40 Prozent verkraften müssten, seien die Umsätze im Alpenchique stabil, sagt Messmer. Das liege auch daran, dass das Publikum etwas älter sei. Deswegen sei man auch weniger der Schnelllebigkeit von Trends ausgesetzt. Das Eden hingegen spricht eher die Jüngeren an – und seit kurzem die ganz Jungen, also die 16- bis 18-Jährigen. Jeden Freitag und an einem Samstag im Monat gibt es Ü16-Partys, an den übrigen Samstagen gilt Mindestalter 18. «Wir stellen fest, dass diese Altersgruppe einen grossen Drang hat, auszugehen und das Nachtleben zu erleben. Das war bei der Generation davor wegen der Coronapandemie noch anders», sagt Messmer. Damit bestätigt er den Eindruck, den auch Daniel Weder vom Kugl und René Meier vom Dezent geäussert haben.
Das zeigt sich auch an den Schlangen, die sich regelmässig bei den Ü16-Partys vor dem Eden bilden und bis zum Schibenertor reichen. Es gelte, noch zwei, drei Jahre Schnauf zu haben, bis die heutigen 16- bis 18-Jährigen ins Nachtleben «richtig» reinwachsen und die Clubs wieder füllen. Finanziell sei der Clubbetrieb bei 16+ wegen des Konsumverhaltens weitaus herausfordernder als bei 18+, ergänzt Allenspach. Aber das sei eine Investition in die Zukunft, sie sich hoffentlich auszahlen werde: Wenn man die Jungen ans Nachtleben heranführe, blieben sie diesem auch später eher erhalten.
Doch auch das Eden hat sich diversifiziert: Seit Mitte November letzten Jahres ist es auch eine «Sportlounge». Dienstags und mittwochs sowie am Samstagnachmittag läuft Fussball, dazu gibt es Billiard, Darts und Snacks. Freitag und Samstag bleibt fürs Clubbing reserviert.
Die Kopfschmerzen dürften noch anhalten
Doch trotz des Heranwachsens einer neuen Generation sind sich Reto Allenspach und Andy Messmer einig, dass sich die Schwierigkeiten fürs Clubbing in den kommenden Jahren weiter verschärfen werden. Auch Schliessungen von Clubs seien durchaus realistisch.
Es deutet also vieles darauf hin, dass die Kopfschmerzen der Clubszene noch ein Weilchen andauern werden. Die wirksamste Pille dagegen dürfte die Flucht der Jugendlichen aus den sozialen Medien in die reale Welt sein, die Daniel Weder vom Kugl und René Meier vom Dezent festzustellen glauben. Wie lange sie anhalten wird, bleibt abzuwarten. Aufs und Abs gibt es schon seit Jahrzehnten, mit jeder neuer Generation kommen neue Gewohnheiten.