Am Mittwoch wurde in der Lokremise laut nachgedacht: über die Zukunft der Schule für Gestaltung und die Möglichkeiten von Kulturschaffenden zur politischen Einflussnahme. Resultat: ein Freundeskreis.
Die Leitfrage: Wie weiter mit der Schule für Gestaltung? Das Konzept: Ein Podest, fünf Minuten Sprechzeit, keine Moderation. Das Ziel: Laut denken, Visionen formulieren, Netzwerke stärken.
Unerwartet viele wollen in der Kunstzone der Lokremise «laut denken». Verständlich – die SfG war unlängst in den Schlagzeilen. Möglicherweise ist auch das Konzept des Abends mitverantwortlich. Erstrebens- und sehenswert, so ein Speakers Corner. Und durchaus konstruktiv, wenn auf Monologe Dialoge folgen.
Der Blick in die Reihen zeigt: Nicht nur die SfG (mit Ausnahme der Schulleitung) ist vertreten, sondern Kulturschaffende aus allen möglichen Disziplinen (und ganz wenige aus der Politik). Schnell sind die Stühle knapp, Mikrophon ist keines in Sicht. So rückt «die Kultur» bereits zu Beginn des Abends – sinnbildlich für die kommenden zweieinhalb Stunden – ein erstes Mal zusammen.
Das ist ganz im Sinn von Gastgeber Josef Felix Müller, der sich eine starke Kulturlobby und mehr gegenseitigen Austausch wünscht – eben einen «Freundeskreis», so der Name des «noch zu gründenden Netzwerks».
Knapp zwanzig Speaker – alle Reden zu rapportieren, würde hier den Rahmen sprengen. Im folgenden zwei wichtige Facetten:
1. Innen- und Aussensicht der SfG
Die Entwicklung der letzten Jahre wird zwar gelobt, doch es kommt auch Kritik – teilweise zwischen den Zeilen, manchmal explizit. Die deutlichsten Worte findet Propädeutikums-Leiterin Susanne Albrecht, die in den letzten fünf Jahren drei Leitungswechsel miterlebt hat. Sie fordert unter anderem eine Analyse der Führungsstrukturen und der Kommunikationspolitik an der SfG.
Letztere bemängeln auch andere, besonders in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung und den damit verbundenen Stellenwert der Schule für Gestaltung. Speaker Emil Annens Metapher: «Kommunikation ist unser Schmiermittel.» Nur so könne man den Aufwand im Hintergrund auch transparent machen.
Sinniert wird auch über das Schulkonzept an sich: Braucht es FH- oder reichen die bewährten HF-Abschlüsse? Selbständige Kunstschule oder weiterhin Teil der GBS? Schulterschluss mit anderen Künsten? Riethüsli-Sanierung oder (den von Thomas Gerigs Team angedachten) Umzug ins Zeughaus?
2. Einfluss dank Kreativ-Bündnis
Streichung, Abbau, Umverteilung, höhere Gebühren – die bürgerliche Sparpolitik tangiert Bildungsstätten wie auch Kulturbetriebe: «Schriftsetzer haben heutzutage einen Hochschulabschluss, Künstler müssen Businesspläne einreichen», kritisiert Gewerkschafter Markus Eugster und fragt, ob diese Entwicklungen wohl eher von links oder von rechts kämen.
Auch unabhängig von der politischen Einstellung ist man sich einig: Kunst und Kultur brauchen dringend mehr Gewicht in der Politik. Viele Speaker begrüssen deshalb den «Freundeskreis» und wünschen sich wohl dasselbe wie kurz zuvor Thomas Gerig: «eine parteiübergreifende Lobby, die das kreative Potenzial der Ostschweiz bündelt.»
In ebendieser heterogenen Bewegung sieht Ständerat Paul Rechsteiner den Sinn des Abends. «Wie damals in den 80er-Jahren, kommt auch heute der Aufbruch von unten». Ein solcher Aufbruch sei dringend nötig im Kanton St.Gallen, betont Rechsteiner und vermeldet im selben Atemzug: «Für die Kunst lasse ich mich gerne vor den Karren spannen.» – Ob sie dafür noch näher zusammenrückt?
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.