, 26. Februar 2017
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FCSG – FC Lugano 0:1

Der FC St.Gallen verliert sein Heimspiel gegen den FC Lugano durch ein Tor von Armando Sadiku mit 0:1. Das war eher Guggenmusik denn Leonard Cohen. Das Spiel zum Nachlesen hier.

Die St.Galler Heimkurve «Espenblock» besingt ihre Liebe zum FCSG. (Bild: zvg)

(Bild: zvg)

FCSG – Lugano 0:1

17 Uhr 55 – sangallä_verlührt_geg_lugano_0zu1@hotmail.com hat den Chat verlassen

BMW_M3_playa93@hotmail.com hat den Chat verlassen.

17 Uhr 51 – sangallä_verlührt_geg_lugano_0zu1@hotmail.com: Sorry BMW_M3_playa93@hotmail.com, das war heute leider gar nichts. Viel zu pomadig der Auftritt von St.Gallen. Dabei hätte man den Abstand auf Platz 6 ausbauen können. Die Spieler haben wohl schon Sommerferien gebucht im Juli, da kommt Europacup unpassend. Irgendwie verständlich. Übrigens: Habe das Spiel auf toxic.fm verfolgt, sind noch easy, musst auch mal reinhören.

17 Uhr 50 – sangallä_verlührt_geg_lugano_0zu1@hotmail.com ist dem Chat beigetreten.

 

Minute 91 – sWizZ_plAyah94@hotmail.com: cha leider nöd, mue no husi mache. wdnv, hdmmmmmmmmfg… sWizZ_plAyah94@hotmail.com hat den Chat verlassen. Sechzig Sekunden noch. Zweite Liga, nie mehr, nie mehr, nie mehr, zweite Liga…

Minute 90 – BMW_M3_playa93@hotmail.com: Das Spiel ist wohl trotz 3 Minuten Nachspielzeit gelaufen. Lust die Webcam einzuschalten <3?

Minute 88 – sWizZ_plAyah94@hotmail.com: Ein la la langweiliges Spiel, das der FC St.Gallen zu verlieren droht. Das Aufbäumen hat eine nur überschaubare Dimension.

Minute 85 – Eine Diskussion wäre wohl ein bisschen zu hoch gegriffen, Kollege R.S. – aber das können wir auch unter vier Augen klären. Ich fühle mich jedoch ein bisschen in frühere Zeiten versetzt, als der FCSG auch nicht erfolgreicher war. Sogenannte „MSN-Chat-Gefühle“ breiten sich in mir aus.

Minute 81 – Nun gut, R.S., wir sprechen da über ein sportliches Phantomgefühl. Optimismus und FCSG passen nicht zusammen, das stösst sich ab. Selbstmitleid und Zynismus sind wohlig und schön. Ich würde es durch nichts tauschen wollen. Was das jetzt ist? Ein Liveticker? Eine Diskussion? In der Selbstfindungsphase – der Liveticker.

Minute 79 – „Ou mann, da wird nüt meh“ meint Kollege R.S. neben mir. Sein Optimismus scheint wohl zusammen mit Aratore ausgewechselt worden zu sein. Dafür kommt Cueto ins Spiel.

Minute 74 – Wir vernehmen „Hopphopphopphopphopp“ Rufe einige Reihen hinter uns. Die Einwechslung von Beat Breu und Tony Rominger haben wir wohl verpasst.

Minute 72 – „Irgendein Tessiner“ kommt nach einem Freistoss von „einem anderen Tessiner“ frei zum Abschluss, setzt das Plastik aber über die Latte. Glück für Grün-Weiss, das den Rückstand erst verdauen muss, wie es scheint. Zinnbauer beantragt derweil bei der SFL, Dr. O.W. einwechseln zu dürfen. Er macht sich bereits an der Seitenlinie warm, dehnt Kugelschreiber und Notizpapier.

Minute 68 – Doppelwechsel bei St.Gallen. Gelmi geht raus, Aleksic kommt rein. Barnetta muss ebenfalls unter die Dusche – für ihn kommt Tafer.

Minute 65 – Wachgeküsst wurde wohl leider nur Lugano. Ein Schuss von der Strafraumgrenze passt genau. Lopar kommt nicht mehr an den Ball – 0:1. Sadiku hat getroffen.

Minute 61 – Ajeti küsst das Stadion wach, macht quasi Kisscam mit Tausenden. Ein Tausender sozusagen, um dieser Berichterstattung auch noch ein bisschen Sexappeal zu verleihen. Schnappt sich die Kugel an der Strafraumgrenze und kommt nach einem Solo zum Abschluss. Kein Torgasmus, sagt der Boulevard-„Journalist“ in mir, den ich ständig versuche, zu unterdrücken. Immerhin: Es kommt Stimmung ins Rund.

Minute 60 – Der Ball landet im Tor hinter Lopar. Zählt aber nicht. Jack Stoikers Megahit „Abseits“ scheint der Stadion-DJ leider nicht in seinen Plattenkoffer gepackt zu haben heute – Schade.

Minute 59 – Und dann Wittwer, der die Saitenlinie Spiel für Spiel beherzt beackert, für einmal emotional, summt leise in Richtung weisse Leitplanke für Sportliches, mutmasslich auch Persönliches: „Because you’re mine, I walk the line.“

Minute 54 – Noch immer sind bei den St.Gallern ähnliche Defizite auszumachen. Vor allem die Ballbesitzphasen scheinen zu kurz, sodass ein brauchbares Kurzpassspiel jeweils nur kurz zustande kommt. Eine Art Kurzkurzpassspiel. Haben den Begriff eben beim Duden angemeldet. Zusammen mit dem Wort „Guggenmusik“. Man muss die Probleme beim Namen nennen können. Gerade gestern hat eine Guggenmusik Leonard Cohens wunderbares „Hallelujah“ interpretiert. Schlimm.

Minute 48 – Wechsel sind keine auszumachen. Wobei: Es gab Saitenwechsel und die Menschen sind nun 15 Minuten älter, haben gelernt aus Fehlern und sind gewachsen. Wir sehen da andere Protagonisten. Personen, die weiser scheinen, Summe ihrer Erfahrungen sind. Die Sitzungen mit Dr. O.W. scheinen zu fruchten.

Minute 46 – Die zweite Halbzeit läuft. Ach und: Glauben Sie nicht alles, was im Internet steht.



16 Uhr 55 – Grüsse senden wir an Andrea, die in Portugal weilt und deren Katze bei dem Spielverlauf wohl mittlerweile eingeschlafen ist.

Minute 46 – Pause. Keine Pointe.

Minute 44 – Schon bald ist hier Pause. Wir hoffen, das alle „Guggen“ der Region bereits ausgebucht waren, als der FCSG angefragt hat.

Minute 40 – Ajeti hat das 1:0 auf dem Fuss. Vergibt aber knapp. Als Strafe kassiert er in der nächsten Spielsituation einen Schlag zwischen die Beine. Karma is a bitch! Face it!

Minute 38 – Der erwähnte Zinnbauer scheint mit dem gebotenen seiner Mannschaft jedoch nicht sonderlich zufrieden zu sein. Er fuchtelt wild mit seinen Armen. Sein Schrittzähler am Handgelenk hat durch die ewige Fuchtelei wohl 1000 Schritte dazugezählt.

Minute 37 – Verschiebt man im Namen „Zinnbauer“ einige Buchstaben, fügt ein paar hinzu und nimmt ein paar weg, so ergibt das am Ende den wundersamen Begriff „Europapokal“. Da geht noch was, schliesslich hat Luzern verloren.

Minute 33 – St.Gallen hält zwar das Zepter in der Hand, ist jedoch noch nicht auf Betriebstemperatur. Vereinzelt wagt man sich in die Offensive und nähert sich schüchtern dem Strafraum, viel mehr aber nicht. Das liegt nicht etwa daran, dass Lugano ein besonders gutes Auswärtsspiel macht, sondern eher, weil St.Gallen in aussichtsreichen Situationen zu überhastet, zu unpräzise, zu wenig umsichtig agiert.

Minute 29 – R.S. war gestern übrigens im Casino. Zum Glück hatte er seinen Laptop nicht dabei. Ansonsten könnte er heute nicht für Sie tickern. Haus und Hof hat er verspielt. Aber heute holt er sich alles zurück. Er hat ein gutes Gefühl.

Minute 22 – Kaum geschrieben, schon passiert was. „Glaubs Buess“ kann beinahe von einem Fehlpass profitieren. Er trifft aber den Ball nicht richtig.

Minute 21 – R.S. opfert einen Schluck Bier und bastelt daraus einen lässigen Aschenbecher für die schreibende Zunft. Opfer bringen in schweren Zeiten, Leben am Limit. Sie merken, das Spiel gibt derzeit nicht allzu viel her.

Minute 16 – Da es Fasnacht ist, hat sich der SENF-Liveticker etwas einfallen lassen und sich ebenfalls verkleidet. Wir gehen heute als seriöse Journalisten und bringen bereits nach einer guten Viertelstunde die Aufstellungen. Zinnbauer setzt auf folgende Startelf: Lopar – Schulz, Haggui, Hefti – Toko, Gelmi – Wittwer, Barnetta, Aratore – Buess, Ajeti.

Minute 13 – Momentan tickert übrigens nur R.S. – R.S. ist mit Bier und Pommes beschäftigt. Ansonsten würde er die kräfteraubenden 90 Minuten nicht überstehen. Sie sehen, wir nehmen unseren Job sehr ernst. @Saiten: Wann sind die Lohngespräche?

Minute 11 – Die heutige Aufstellung des FCSG übrigens wie immer. Wer genaueres wissen will, darf gerne den Ticker vom letzten Mal konsultieren.

Minute 9 – Die Sonne scheint übrigens herrlich auf unsere Medienplätze. Das verleitet natürlich dazu, Bier zu trinken. Was gibt es auch schöneres an einem Sonntag Nachmittag?

Minute 7 – Bis jetzt spielt hier eigentlich nur Lugano. Von St.Gallen kommt irgendwie zu wenig. Aber von einem guten Gastgeber sollte man ja erwarten, dass der Gast bevorzugt behandelt wird. Wir in der Ostschweiz haben halt gute Manieren.

Minute 2 – Plötzlich steht irgendein Backstreetboy frei und kann acht Meter vor Lopar abschliessen. Es ist ein Luganesi, Alioski. Er verzieht. Like „Everybooooody“.

Minute 1 – Anpfiff. Grün-Weiss beginnt von rechts nach links, der Ausgang ist offen. Wobei: Gewisse Präferenzen hätten wir da schon. Raus aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit.

15 Uhr 56 – Einen schönen Nachmittag, liebe Leser. Etwas verspätet haben wir nun auf der Pressetribüne Platz genommen. Dies hat durchaus seine Gründe. Die Journalisten wurden nämlich eingehend kontrolliert, was viel Zeit beanspruchte. Einzelnen Medien, die ansonsten umfangreich und auf mehreren Seiten über den FCSG berichten (CNN, New York Times), wurde der Eintritt ins Stadion verwehrt. So sad! Immerhin: Wir sind dabei. Qualitätsjournalismus halt.

 
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