Wie moderner Kolonialismus funktioniert, sieht man derzeit wunderbar am Beispiel von Grönland. Da proklamiert ein grössenwahnsinniger Despot, das Ei(s)land den USA einverleiben zu wollen, notfalls mit militärischer Gewalt. Und Europa? Hebt den Mahnfinger, getraut sich aber nicht, mit der Faust auf den Tisch zu hauen.
Um Kolonialismus geht es auch im neuen Heft. Das Kulturmuseum St.Gallen widmet sich in seiner aktuellen Ausstellung «Die Welt ins Museum – vom Handeln, Sammeln und Entdecken» der eigenen ethnologischen Sammlung und damit seiner Geschichte, die eng mit der Sammeltätigkeit der Ostschweizerischen Geographisch-Commerciellen Gesellschaft verknüpft ist. Roman Hertler hat die Ausstellung besucht und zeigt auf, was gelungen ist und was weniger. Weniger gelungen ist auch der Bericht zur kolonialen Vergangenheit St.Gallens, den die Stadt in Auftrag gegeben hatte und dem wir den zweiten Teil dieses Schwerpunkts widmen. Alles dazu in der Rezension von Rita Kesselring.
Im Kulturschwerpunkt befassen wir uns derweil mit dem Thema Clubsterben. Viele Clubs kämpfen ums Überleben, im Saiten-Land schlossen 2025 deren drei. Gründe für das schleichende Abflauen des Nachtlebens gibt es viele, vom oft zitierten «veränderte Ausgehverhalten» der Jugendlichen bis zur Konkurrenz durch Bars.
Mit diesem Heft endet nach einem Jahr unsere Reihe «Die Ostschweiz im Dritten Reich», in der wir die mannigfaltigen Verbindungen zwischen Ostschweizer:innen und Nazi-Deutschland beleuchtet haben. In der letzten Episode blickt Richard Butz auf die Verbindungen aus dem Kultur- und Wissenschaftsmilieu. Spoiler: Wir werden die Serie mit einer zweiten Staffel fortsetzen, die den Faschismus in der Ostschweiz vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart thematisiert. Mehr dazu in Bälde.
Ausserdem im kurzen Februar: der Redeplatz mit Matthias Rickli vom Verein Sans-Papiers Anlaufstelle St.Gallen, die Flaschenpost aus Ghana, das Debüt des St.Galler Musikers Fabio Hauser alias Poly FM, das Jungspund-Festival und der neue Lyrik-Band von Paul Gisi.
Und last but not least: Im Februar feiert unser Kulturnewsletter den ersten Geburtstag. Im Interview erzählen Vera Zatti als verantwortliche Redaktorin und Co-Verlagsleiter Marc Jenny, warum es den Kulturnewsletter braucht, wie er sich etabliert hat und was es braucht, damit wir ihn nach dem zweiten Jahr fortführen können.David Gadze
Neue Gedichte von Paul Gisi
Aus der Tiefsee des Geists – neue Gedichte von Paul Gisi.
Gutes Bauen Ostschweiz
In Schaan FL steht seit den 1960er-Jahren ein Einfamilienhaus – wie anderswo auch. Mit dem Haus Bretscha ist dem Architekten Dominic Spalt eine ebenso sensible und zurückhaltende wie prägnante und pragmatische Verwandlung in ein Mehrgenerationenhaus gelungen.