Von der Solitüde bis auf den Denali
Fabio Hauser alias Poly FM macht vielschichtige Musik mit dem Ziel, eine diverse Hörer:innenschaft in den Flow-zustand zu versetzen. Mit seinem Debütalbum Solitude könnte ihm das gelingen.
Poly FM hat sein Album das erste mal live in den Bergen für seine Freund:innen gespielt. (Bild: pd)
Die Berge dienen vielen Menschen als Sehnsuchts-, Rückzugs- oder Kraftort. Besonders für Künstler:innen sind sie Inspirationsquelle. So auch für Fabio Hauser. Vielleicht auch, weil alles am Fusse der Solitüde, eines St.Galler Stadthügels, begann. Dort ist der mittlerweile 30-jährige Musiker aufgewachsen.
Bekanntheit erlangte Hauser aufgrund der Radiostation, die er mit seinen WG-Gspänli 2022 ins Leben rief. Poly FM sei eine Protestaktion gewesen, eine Antwort auf die Eröffnung einer Sendestation von Radio Energy in der Gallusstadt, erzählt er: «Es ging nicht um den Sender an sich, sondern darum, dass dort neun Mal pro Tag derselbe Track lief.» Aus dem gemeinsamen Wohnzimmer und von der Dachterrasse hallte daraufhin während gut eines halben Jahres ein konträres und lokaleres Musikprogramm in die Ostschweiz.
Mit der WG löste sich dann auch der Internet-Guerilla-Sender auf. Kurz darauf gründete Fabio Hauser gemeinsam mit anderen das Projekt «Disco for the People», eine Art Soliparty für NGOs. Der Vorstand, dem auch Hauser angehört, organisiert dafür gemeinsam mit wechselnden Organisationen einen Abend mit Vorträgen, Musik und Party. Der Erlös wird gespendet. Neben der Leidenschaft für die Musik blieb aber auch der Name Poly FM, unter dem Hauser seit 2023 seine eigene Musik veröffentlicht.
Nun bringt Poly FM mit Solitude sein erstes Solo-Album heraus. Der Titel sei einerseits eine Anlehnung an seine Heimat, an die Solitüde, andererseits stehe das Wort aber auch für die Zufriedenheit mit dem Alleinsein, berichtet der Musiker und DJ. «Solitude ist ja nicht Loneliness, nicht Einsamkeit, sondern Alleinsein mit einem Blick ins Weite – und von der Solitüde hat man einen fantastischen Blick auf den Alpstein.» Auf dem Album reisen Hörer:innen also von der Solitüde, der Heimat, in die Welt hinaus, bis weit hinauf in die Höhe. Jeder der zwölf Tracks, mit Ausnahme von Intro und Outro, ist nach einem Berg benannt. Das Album startet zwischen den Ostschweizer Gesteinsmassen Fähnere, Säntis oder Kamor und wabert dann über den isländischen Eldborg bis nach Alaska auf den Denali.
Zahlreiche «Höhenmeter» liegen auch unter dem Soundteppich von Poly FM – dessen Name Programm ist: «Meine Musik ist vielschichtig – polyphon. Ich möchte eine breite Palette an Klängen und ein komplexes Sounddesign gestalten», erzählt Hauser. Und tatsächlich ist Solitude stellenweise nachdenklich, sphärisch und beinahe melancholisch. Dann wieder macht es Lust, auf einem Gipfel zu tanzen oder über grüne Wiesen zu hüpfen – je nach Stimmung. Und ab der Mitte des Albums wähnt man sich gar in der festlichen Berghütte mit einem Gipfelstürmer-Getränk in der Hand und den Füssen rhythmisch auf den Beizen-Boden stampfend.
Für sein Album hat Hauser, der nebenbei als Pädagoge arbeitet, auch Geräusche aus den Bergen eingefangen: das Knistern des Feuers, das Heulen des Winds oder das Zirpen von Grillen. Diese organischen Geräuschwelten mischt Poly FM mit produzierten Klängen, mit Hackbrett-, Synth- oder Kalimbatönen. Denn draussen in den Bergen soll das Album genauso gut funktionieren wie in den Clubs. Ausserdem haben die Sängerinnen Gianna Ambrosano, Eva Ammann und Joanna Kora auf Solitude mitgesungen.
Abgesehen von der Unterstützung durch die Sängerinnen hat Fabio Hauser das Album im Alleingang produziert, eben «in solitude». «Wenn ich für mich Musik mache, verliere ich mich im Flow, ein wunderbarer Zustand – im besten Fall erleben ihn auch die Menschen, die meine Musik hören.» Nach der Veröffentlichung des Albums will Fabio Hauser erst einmal zur Ruhe kommen, den einen oder anderen Berg besteigen. So endet auch das Album mit dem Chorus: «I put my head onto my chest, after all, I need to rest.»
Poly FM: Solitude, erscheint am 30. Januar in Eigenproduktion auf den gängigen treamingplattformen, Plattentaufe: 30. Januar, Treppenhaus, Rorschach.
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