, 8. Januar 2014
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Mehr als ein Witz

Mit Humor und Kritik ins neue Jahr: Die Alte Kaserne Winterthur zeigt in einer Einzelausstellung Cartoons von Ruedi Widmer.

Grafiker, Cartoonist, Kolumnist – Der Winterthurer Ruedi Widmer ist vielseitig und äusserst produktiv. Seit dem Jahr 2000 zeichnet er täglich unter hohem Zeitdruck für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften wie Tages-Anzeiger, Der Landbote, Saldo, WOZ oder Titanic.

Seine Darstellungsformen reichen von komplexen Dialogszenen bis zu einfachen Logoveränderungen. Die Kritik der Absonderlichkeiten des Weltenlaufs wirkt seiner Meinung nach stärker, wenn sie in freundlichen Farben erstrahlt. Widmer, der sich selber als «nicht sehr ausstellungserprobt» bezeichnet, arbeitet flink und digital, sein Schreibtisch sehe aus wie der eines Bankers, nur das übermässig grosse Chaos unterscheide ihn von diesem.

2Im Bistro der Alten Kaserne Winterthur ist nun eine kleine aber feine Auswahl seines Schaffens zu sehen. Dort, wo er vor 12 Jahren bereits ausgestellt hat ­– zusammen mit Samuel Jordi notierte er damals 1000 Witze auf Post-It-Zettelchen und pflasterte damit den Raum zu – zeigt Ruedi Widmer seine erste Einzelausstellung mit Cartoons aus den Jahren 2010 bis 2013.

Die Werkgruppen wurden über das ganze Bistro verteilt, an allen nur möglichen vertikalen Flächen angebracht, über der Theke hängen ausgewählte Exemplare der «Letzten Geheimnisse einer rationalen Welt» – einer Serie, die seit 2001 wöchentlich im Landboten erscheint – und drohen den durstigen Besucher zu erschlagen.

Dass Widmers erste Einzelausstellung nun im Bistro zu sehen ist, ist kein Zufall: Die Alte Kaserne organisiert hier seit 1997 die monatlich wechselnde  Ausstellungsreihe «Comics, Cartoons und Karikaturen», eine Plattform für nationale und internationale Comiczeichnerinnnen.

Zum Heimspiel Widmers sind viele gekommen, im engen Bistro drängen sich die Humorliebhaberinnen und -Liebhaber. Doch obwohl im Format humoristisch, reichen die Inhalte der ausgestellten Zeichnungen weit über einfache Witzesammlungen hinaus. Die Laudatio von WoZ-Redaktor Kaspar Surber bringt Widmers Schaffen auf den Punkt: Dessen Rolle liegt in einer Art Gegenspieler der Journalisten, deren Auftrag in der Einordnung der Relevanz von Ereignissen besteht. Der Cartoonist hingegen gewichtet völlig willkürlich Medienmeldungen, kitzelt mit simplen Strichen scheinbar Unwichtiges hervor und macht so die Absurdität der Realität sichtbar.

Widmer, der Wandelbare, trägt an dem Abend gleich selber zwei Kolumnen vor, unterhaltend, bissig, kritisch. Zu Wort kommen in seinem Werk alle: Menschen, Tiere und Dinge, vom Pferd bis zum Fünf-Rappenstück. Alle dürfen ihre Meinung äussern. Auf herrlich absurde Art. Man muss kein eingefleischter Comic-Fan sein, um Ruedi Widmers Cartoons zu erfassen ­und sich von ihnen in Bann ziehen zu lassen.

Ruedi Widmer – Hart aber farbig, Cartoons 2010 bis 2013
7. bis 31. Januar 2014 im Bistro der Alten Kaserne Winterthur
altekaserne.winterthur.ch

 

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