, 13. August 2014
keine Kommentare

Tanz und Repression in Winterthur

Ein knappes Jahr nach der Winterthurer Tanzdemo kommt es zur Verhandlung: Am Morgen des 20. August findet im Bezirksgericht Winterthur ein Stellvertreterprozess statt.

Rund 200 Personen fanden sich am 19. Oktober 2013 im Graben zusammen, um gegen das gewaltsame Vorgehen der Polizei an der verhinderten Tanzdemo Standortfucktor vom 21. September 2013 und die nachfolgende Strafverfolgung der Polizei zu protestieren.

Die Aktion «Bring Your Noise» blieb friedlich, beim Holzmann wurde Musik gehört und getrunken. Anschliessend spazierte die Gruppe pfeifend und mit Transparenten durch die Altstadt. Die Anwesenden trugen dabei erneut Kritik an Stadtaufwertung und Verdrängung auf die Strasse, bevor sie sich die Versammlung auflöste.

Drehbuch umgeschrieben

Im Gegensatz zum massiven Einsatz Ende September war keine Polizei – sichtbar und in Uniform – präsent. So wurden weder Personenkontrollen durchgeführt noch wurde die Auflösung der Demo gefordert. Doch was nach einer Duldung des Anlasses aussah, war lediglich eine andere Repressionstaktik als das gewalttätige Spektakel einen Monat zuvor.

Ende 2013 wurden im Zusammenhang mit «Bring Your Noise» mehr als 20 Personen wegen «Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration» polizeilich vorgeladen und verhört. Laut den Betroffenen wurden sie allesamt aufgrund von Videomaterial und Fotos identifiziert. Ende März dann folgten die Strafbefehle durch das Stadtrichteramt: 630 Franken Busse pro Person.

Leute lediglich nach dem Kriterium zu verzeigen, wer gerade auf erhobenem Bildmaterial identifizierbar ist, ist eine äusserst fragwürdige Praxis und fördert das Misstrauen gegenüber den Polizieikräften. Gegen das Vorgehen wurde in der Zwischenzeit von einer Person stellvertretend für alle Betroffenen Einsprache erhoben. Am 20. August findet nun der Prozess im Bezirksgericht Winterthur statt. Weitere sollen folgen.

Dialog-Treffen und Freiräume

Stadträtin und Sicherheitsvorsteherin Barbara Günthard-Maier lancierte im Frühling 2014 eine Dialog-Runde. Im Nachgang zu den «Ereignissen» im vergangenen Herbst wollte sie konkrete Anliegen zum Thema «Freiräume» in Winterthur aufnehmen, damit diese vom Winterthurer Stadtrat in zukünftige Entscheidungen miteinbezogen werden können.

Um Antworten zu erhalten, beauftragte sie Rolf Heusser, den ehemaligen Jugenddelegierten der Stadt Winterthur, den Dialog mit unterschiedlichen Personen und Institutionen aus Kultur, Politik und Sozialarbeit aufzunehmen. Ergebnisse und allfällige Handlungsempfehlungen dieser Dialog-Runde sollen im Herbst kommuniziert werden.

Personen aus dem Umfeld von Standortfucktor riefen zum Boykott der Gespräche auf. Zeitgleich waren zahlreiche laufende Verfahren hängig: Insgesamt wurden im Zusammenhang mit den Demonstrationen über 100 Personen verzeigt. Die Summe der Bussen beläuft sich nach Angaben der Betroffenen auf geschätzte 80’000 Franken, Verfahrens- und Anwaltskosten noch nicht einberechnet.

Mehr zum Thema:
http://www.landbote.ch/dossiers/tanzdemo/
https://soundcloud.com/stadtfilter/sets/standortfucktor-und-freir-ume/

Bild: Landbote

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Impressum

Herausgeber:

 

Verein Saiten
Frongartenstrasse 9
Postfach 556
9004 St. Gallen

 

Telefon: +41 71 222 30 66

 

Redaktion

Corinne Riedener, Peter Surber, Roman Hertler

redaktion@saiten.ch

 

Verlag/Anzeigen

Marc Jenny, Philip Stuber

verlag@saiten.ch

 

Anzeigentarife

siehe Mediadaten

 

Sekretariat

Irene Brodbeck

sekretariat@saiten.ch

 

Kalender

Michael Felix Grieder

kalender@saiten.ch

 

Gestaltung

Samuel Bänziger, Larissa Kasper, Rosario Florio
grafik@saiten.ch

Saiten unterstützen

 

Saiten steht seit über 20 Jahren für kritischen und unabhängigen Journalismus – unterstütze uns dabei.

 

Spenden auf das Postkonto IBAN:

CH87 0900 0000 9016 8856 1

 

Herzlichen Dank!