, 8. August 2011
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War das jetzt peinlich, oder was?

Verwirrung in Locarno Abel Ferrara ist Kult. Seine Filme auch. Die sind sogar noch kultiger, als er selbst. «King of New York» mit Christopher Walken, dessen Gesicht alleine schon eine Legende ist. Oder «Bad Lieutenant» mit Harvey Keitel, auch so ein Grosser in dieser Undergroundliga. Und Ferrara war auch da, in Locarno, im Regen, an […]

Verwirrung in Locarno

Abel Ferrara ist Kult. Seine Filme auch. Die sind sogar noch kultiger, als er selbst. «King of New York» mit Christopher Walken, dessen Gesicht alleine schon eine Legende ist. Oder «Bad Lieutenant» mit Harvey Keitel, auch so ein Grosser in dieser Undergroundliga. Und Ferrara war auch da, in Locarno, im Regen, an diesem Freitag – um einen Leoparden für sein Lebenswerk entgegen zu nehmen.

Ich hocke da und denke mir «Ferrara wer?» und schäme mich. Hier in dieser Menge von Filmkennern und -freaks trau ich mich nicht laut zu fragen und ein Iphone besitze ich nicht. Mir sagt nur Walken und Keitel etwas. Das lässt mich bloss die ungefähre Kategorie von Ferrara erahnen. Aber was sich dann abspielte, als der ältere Herr mit den hässlichen Zähnen die Bühne betrat, ist mir uneinordbar.

Ferrara lächelt, wie ein verlorener Grossvater. Das ist ein bisschen traurig, aber auch schön und ein bisschen lieb. Dann beginnt Ferrara ins Mikro zu nuscheln. Schon den Festivalleiter Olivier Père konnte ich nicht verstehen – was ich aufs französische Italienisch geschoben habe. Das Englisch von Ferrara geht noch weniger. Die Akustik … Möglicherweise wäre es besser, vorne auf der Piazza im Regen zu sitzen und nicht hinten unter einem Schirm in einem Resti.

Dann die «Überraschung». Ferrara möchte singen und Gitarre spielen. Die Band ist auch schon da. Alles aufgebaut. Er beginnt trotzdem einsam und endet abrupt. Sorry, falsches Lied. Dann klappt es mit der Band gemeinsam einzusteigen. Aber irgendwie passen die Rhythmen nicht zusammen. Ich frage mich, ob es an der Akustik liegt …

Er singt weiter. Und weiter. Und noch ein Lied. Pfiffe hinter mir. Verdammt laute. Heisst das jetzt, hier ist jemand begeistert? Oder will er damit sagen «Hau dich endlich von der Bühne runter»? Ferrara lächelt. Und singt noch eines, bewegt aber alsbald nur noch den Mund. Sind denn die Pfiffe so laut, dass man sonst nichts mehr hört? Nein, es ist wirklich die Akustik. Die Festivalleitung oder der am Mischpult oder wer auch immer so etwas entscheidet – Ferrara wurde das Mikro abgedreht. Was diesen nicht zu stören scheint.

Wieder Pfiffe. Mehr diesmal. Sind die nun gegen die Festivalleitung gerichtet? Oder als Support für Ferrara gedacht? Ich weiss es nicht und rätsle erneut. Wer ist der Mann dort oben, dem plötzlich doch wieder Ton gegeben wird, nur um von der Moderatorin abgeschnitten zu werden? Die Unwissenden müssen ratlos bleiben.

In den folgenden Tagen hoffe ich auf mediale Erleuchtung. Aber drei Tage später schweigen die Medien noch immer. Warum schreiben die nicht über den Auftritt des Kultregisseurs in Locarno? Weil bestimmt kein Journi da war. Weil der nicht-Ferrara-Film der nachher gezeigt wurde, ganz und gar nicht kultig war und es auch nie sein wird … ich schäme mich schon wieder.

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