Wo die Talerbecken tanzen

Das Chuchchepati Orchestra mit Talerbecken (Bild: pd/Chuchchepati Orchestra)

Am 11. Dezember bringt das Chuchchepati Orchestra Talerbecken ins Palace in St.Gallen. Geschwungen werden keine Taler, sondern Nägel oder Bohnen und statt Jodel gibts elektronische Klänge, Kontrabass und Trompete.

Ein Ta­ler­be­cken ist ein ko­ni­sches Ge­fäss aus Ton. Ur­sprüng­lich kommt es aus der Sen­ne­rei und dien­te dem Auf­fan­gen von Milch. Bes­ser be­kannt dürf­te das Ge­fäss wohl durch das tra­di­tio­nel­le Ta­ler­schwin­gen sein: Man hält das Be­cken in der Hand, gibt ei­nen Ta­ler hin­ein und ver­sucht, die­sen durch Dreh­be­we­gun­gen ro­tie­ren zu las­sen. Ge­lingt es, ent­steht ein tie­fer Ton, der so­ge­nann­te Bor­dun (oder Brumm­bass), den man in volks­mu­si­ka­li­scher Tra­di­ti­on ger­ne mit ei­nem Jo­del er­wei­tert. 

Und eben­sol­che Ta­ler­be­cken setzt am Don­ners­tag, 11. De­zem­ber, auch das Chuch­che­pa­ti Or­ches­tra im Pa­lace in St.Gal­len in Be­we­gung. Al­ler­dings mit tech­ni­schem Up­grade und mu­si­ka­li­schen Ex­kur­sen – die 2.0 Ver­si­on so­zu­sa­gen. Für die­ses Pro­jekt be­steht das Or­ches­ter, das in stets wech­seln­der For­ma­ti­on auf­tritt, aus Ja­ro­nas Hö­he­ner (Ta­ler­be­cken und Trom­pe­te), Ma­nu­el Balz­arek (Ta­ler­be­cken) und Pa­trick Kess­ler (Kon­tra­bass).

Tra­di­tio­nel­le Neu­in­ter­pre­ta­ti­on

Be­gon­nen hat das Ta­ler­be­cken-Pro­jekt des Or­ches­ters be­reits 2023. Der Or­ches­ter­wart Pa­trick Kess­ler er­hielt ei­ne An­fra­ge des Ar­chi­pel Fes­ti­val aus Genf: «Da war der Wunsch, dass wir als Ost­schwei­zer et­was mit den tra­di­tio­nel­len Ta­ler­be­cken ma­chen», er­klärt Kess­ler im Ge­spräch mit Sai­ten. Das In­ter­es­se der drei Mu­si­ker aus dem Ap­pen­zell war so­fort ge­weckt, aber man woll­te mit dem volks­tüm­li­chen Sen­ne­rei­in­stru­ment «et­was an­de­res ma­chen», sagt Kess­ler. 

Es be­gann ein Er­for­schen und Ex­pe­ri­men­tie­ren. Da­bei hät­ten sie rasch fest­ge­stellt, wie an­spruchs­voll die Hand­ha­bung der Ta­ler­be­cken sei, re­flek­tiert der Or­ches­ter­wart und er­gänzt: «Weil die Be­cken rich­tig schwer sind, braucht es viel Kraft und eben auch Ge­schick, um mit ih­nen zu ar­bei­ten». Tech­ni­sche Un­ter­stüt­zung muss­te her, wes­halb Ma­nu­el Balz­arek aus elek­tri­schen Töp­fer­schei­ben ei­ne Dreh-Ap­pa­ra­tur ent­wi­ckel­te, die die Be­cken in Be­we­gung ver­setzt. 

Auch die Ta­ler tausch­te das Trio aus und ver­wen­de­te statt­des­sen al­ter­na­ti­ve Ma­te­ria­li­en wie et­wa Nä­gel oder Boh­nen. So­gar mit Milch ha­be man Ver­su­che ge­star­tet, so Kess­ler. Aber: «Das war jetzt vom Klang­bild her nicht so span­nend und aus­ser­dem hats die Milch im­mer ver­spritzt.»

Aus­ge­stat­tet mit elek­tro­ni­scher Ap­pa­ra­tur und un­ter­schied­li­chem Schwing­ma­te­ri­al konn­te das Trio mit sei­nen Ta­ler­be­cken ei­ne gros­se Klang­va­ria­ti­on er­zeu­gen, er­zählt der Or­ches­ter­wart. Er­wei­tert ha­be man die­sen rhyth­mi­sier­ten Grund­ton am Ar­chi­pel Fes­ti­val, nicht wie im tra­di­tio­nel­len Ta­ler­schwin­gen mit Jo­del, son­dern mit elek­tro­ni­schen Klän­gen, Kon­tra­bass und Trom­pe­te.

Ein Up­grade für fei­ne­re Rhyth­men

Nach dem Fes­ti­val­auf­tritt 2023 woll­te man das Pro­jekt wei­ter­füh­ren, er­klärt Kess­ler, aber das ver­zö­ger­te sich auf­grund feh­len­der Ka­pa­zi­tä­ten. Im Jahr 2025 ist es nun so weit: Das Trio hat das Pro­jekt wie­der auf­ge­nom­men und wei­ter­ent­wi­ckelt. So ha­ben et­wa die elek­tri­schen Töp­fer­schei­ben ein Up­grade er­hal­ten, denn mit die­sen war man un­zu­frie­den: «Die Dreh­leis­tung war ein­fach nicht ide­al. Wir konn­ten das Tem­po, und da­mit den Rhyth­mus, nie so fein ein­stel­len, wie wir uns das vor­stell­ten.» 

Ab­hil­fe hat Balz­arek ge­schaf­fen und High­tech-Töp­fer­schei­ben in die Dreh-Ap­pa­ra­tur ein­ge­baut: «So kön­nen wir die Be­cken in­di­vi­du­ell an­steu­ern und ganz fei­ne rhyth­mi­sche Va­ria­tio­nen rea­li­sie­ren», er­zählt Kess­ler be­geis­tert. 

Mit dem ver­bes­ser­ten Equip­ment probt und tüf­telt das Trio nun seit ei­ni­ger Zeit. Für den künst­le­ri­schen Fein­schliff tau­chen Ja­ro­nas Hö­he­ner, Ma­nu­el Balz­arek und Pa­trick Kess­ler dann wäh­rend zwei­er Ta­ge im Pa­lace ab. Da­nach, am 11. De­zem­ber, öff­nen sich die Tü­ren für die Öf­fent­lich­keit: «Das Pu­bli­kum darf uns über die Schul­ter schau­en und soll sich im Raum frei be­we­gen, um so rich­tig in die Klän­ge ein­zu­tau­chen.» Auch die für das Chuch­che­pa­ti Or­ches­tra ty­pi­schen Laut­spre­cher aus Ne­pal sol­len im Pa­lace zum Ein­satz kom­men, sagt Kess­ler. 

Die­se hat er vor lan­ger Zeit aus Ne­pal mit­ge­bracht. Ein­ge­setzt wer­den sie als ana­lo­ge Ver­stär­ker bei den Auf­trit­ten des Or­ches­ters. Ih­nen ver­dankt das Or­ches­ter üb­ri­gens auch sei­nen Na­men: Chuch­che­pa­ti sei ein Stadt­teil von Kath­man­du und heis­se auf Deutsch so viel wie Ho­ri­zont (Sai­ten be­rich­te­te). Aus­ge­spro­chen wirds ge­mäss der Web­site des Or­ches­ters so: Tschut­sche­pa­ti.

Chuch­che­pa­ti Or­ches­tra: Spin: A Tur­n­around Ex­ten­ded, 11. De­zem­ber, 20 Uhr, Pa­lace St.Gal­len.

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