Kategorie
Autor:innen
Jahr

Kontrabass und etwas Strom

Patrick Kessler und sein Kontrabass für einmal solo: Der Ausserrhoder Musiker hat ein Album mit Vinyl-Singles produziert. Auf die «Miniaturen» folgt im Sommer dann ein Grossprojekt.
Von  Peter Surber

Patrick Kessler und sein Bass sind nicht zu übersehen und zu überhören in der Ostschweizer Musikszene. In diversen Formationen und Kollaborationen ist der in Gais lebende Musiker präsent, immer ideensprühend, blendend vernetzt.

Kontrabass, komprimiert

Vom Kollaborateur Kessler später mehr – jetzt taucht er erst einmal solo auf. Er veröffentlicht ein Triple-Album, drei Vinyl-Singles zu je 6 Minuten, 18 Minuten mit «Kontrabass und etwas Strom». «Miniaturen» nennt er seine Kompositionen. Sie sind das Ergebnis rund einjähriger Arbeit und eines «bewusst gewählten Verdichtungsprozesses», der sich nicht zuletzt um die Frage drehte: Wie schafft man es, in drei Minuten musikalisch etwas zu sagen?

Patrick Kessler mit Vinyl und Chuchchepati. (Bild: zVg/Hanspeter Schiess)

Gar nicht so einfach, sagt Kessler, erst recht in der improvisierten Musik, die sich manchmal erst auf einem längeren Weg entwickelt und zu sich findet. In seiner bildhaft gewitzten Art (er denke auch musikalisch in Bildern, sagt er) nennt Kessler das Album Sum Sum: Der Bassist, normalerweise als Begleiter im Hintergrund gefragt, summe auf dem Heimweg seine Töne weiter und immer weiter, er suche nach den Klangpartikeln und stosse damit unversehens summend auf existentielle Fragen.

Sum Sum Summarum: 5. Januar, 19 Uhr, Nextex Projektraum im Konsulat an der Frongartenstrasse 9 in St.Gallen, mit Patrick Kessler und Fa Ventilato

Klang Moor Schopfe: 1. bis 10. September 2017
editiondubplaz.ch, weitere Infos: hier.

Aufgenommen hat er die Triple-Single zuhause im Appenzeller Bauernhaus, die Verpackung gestaltet die in Trogen lebende Künstlerin Karin Bühler, Plattentaufe war am 30. Dezember im Palais Bleu in Trogen, den Klang liefert das Chuchchepati Sound Systems. Das klingt definitiv fremdartig und sieht auch so aus: Lautsprecher in der Form gigantischer Trichter oder Hörrohre. Sie stammen aus Nepal, Kessler und sein Duopartner Sven Bösiger haben sie auf ihrer Nepal-Tournee kennengelernt und erworben. Inspirationen von dort, Klänge, Rhythmen, Melodien fliessen in Kesslers eigene Musik ein.

Dieses «Eigene», wie nennt er es? Improvisierte Musik trifft die Sache einigermassen genau, noch genauer: «Echtzeit Musik». Oder auch: «Der wohlpräparierte Kontrabass». Damit spielt Kessler auf Bachs «Wohltemperiertes Klavier» an, das, simpel gesagt, die Harmonik ausbalancierte, allen Tonarten die gleiche Wertigkeit gab – aber um den Preis einer eingemitteten Ton-Reinheit, die Kessler zunehmend weniger behagt.

Im Sommer klingen die Schopfe

Nach diesem Exkurs in die Untiefen der Harmonik die Exkursion in die hügligen Höhen. Dort hat Kessler zum einen das «Improvisorium» ins Leben gerufen: Statt das Publikum zur Musik zu holen, kommen Musikerinnen und Musiker zu den Leuten in deren gute Stube. Die «Appenzeller Stuben für improvisierte Musik» sind erst am Anlaufen – während bereits eine andere grosse Kessler’sche Kiste sich ankündigt: Ende August eröffnen für zehn Tage die «Klang Moor Schopfe». Acht alte, landwirtschaftlich genutzte Scheunen, eben «Schopfe», auf der Hochebene beim Stoss werden von Klangkünstlerinnen und -künstlern bespielt.

Die Teilnehmenden sind so international wie hochkarätig – Namen wie Norbert Möslang, Albert Oehlen oder Roman Signer aus der Nähe, daneben die Spanierin Vanessa Lorenzo, Rupert Huber aus Wien, die sibirische Audiokünstlerin Olga Kokcharova, Svetlana Maras aus Belgrad, Jason Kahn aus den USA, das Norient Netzwerk Bern und andere. Mit akustischen und installativen Mitteln soll die Landschaft «ausgelotet» werden.

Festivals gibt es zwar reichlich, aber dieses muss man sich vormerken für einen Trip in die klingenden Ausserrhoder Hügel: im Spätsommer auf den Stoss.

Aktualisierte Fassung des Beitrags im Januarheft von Saiten.

Jetzt mitreden: 1 Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
Archiv 2017 – Klang—Moor—Schopfe,  

… Kulturmagazin Saiten Online 4. Januar 2017 …

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095

Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps 7 The Long Seat

Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
Whats App Image 2026 07 01 at 22 09 10

«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 01

«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
Bildschirmfoto 2026 06 29 um 11 44 42

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 1

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 1: Open­air-Ki­nos, Bla­bla­bor – «Gue­ril­la Ra­dio», Mi­chail Pir­ge­lis – «HYLE», «Hei­mat­flim­mern», Kul­tur­fes­ti­val St.Gal­len, Le­on­ce und Le­na, Kunst­spa­zier­gän­ge und Mu­sik im «Flööz­li» so­wie Rund­gän­ge zum Blu­men­wies und zur Schwamm­stadt. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Happily Aging Dying

Der «Landesverräter» war gern am Fluss

Ernst S. und die Sit­ter

Von  Roman Hertler
2502 Max Butz 05

Musik im Rorschacherberg

Schloss­mu­sik von Big Band bis In­die

Von  Vera Zatti
Sommerbuehne by Night

Der Wi­der­stand der Ama­zo­nas­frau­en

In Kon­stanz gas­tiert der­zeit die Grup­pe As Ka­ru­a­na – ein po­li­ti­scher Frau­en­chor aus dem Ama­zo­nas. Sie zeigt mit ih­rer Mu­sik, ih­rem Tanz, ih­rer Kunst und ih­rem Wis­sen po­li­ti­sche Ré­sis­tance und kämpft für die Rück­erobe­rung ih­rer in­di­ge­nen Kul­tur.

Von  Veronika Fischer
AS KARUANA Gruppenfoto4

Vol­ler Wi­der­sprü­che

Ma­le­rin, les­bisch und glü­hen­de NS-An­hän­ge­rin. Ste­pha­nie Hol­len­stein (1886-1944) war vie­les. Ein Wi­der­spruch? Der neue Do­ku­men­tar­film von Bir­git­ta Wei­zen­eg­ger be­fasst sich mit dem Le­ben der vor­arl­ber­gi­schen Künst­le­rin.

Von  Vera Zatti
Im Schatten der Bilder Filmstillweizeneggerfilm1

Gastkommentar von Jacques Michel Conrad

Ech­te Lö­sun­gen für ech­te Pro­ble­me

Von  Jacques Michel Conrad

Der In­nen­hof als Head­li­ner

Zum 20. Mal bringt das Kul­tur­fes­ti­val in­ter­na­tio­na­le Ent­de­ckun­gen und lo­ka­le Lieb­lings­bands in ei­nen der schöns­ten Kon­zer­tor­te St.Gal­lens. Zum Ju­bi­lä­um blickt Or­ga­ni­sa­tor Lu­kas Hof­stet­ter zu­rück – und be­haup­tet sich zu­gleich in ei­nem Mu­sik­ge­schäft, das für klei­ne­re Fes­ti­vals im­mer schwie­ri­ger ge­wor­den ist.

Von  Philipp Bürkler
Digitalism 1 2022 Kulturfestival Marcello Engi
Heftvorschau 07/08/26
Kunst im Sittertal, Sommertipps

Vor 40 Jah­ren grün­de­te Fe­lix Leh­ner in Bein­wil am See die Kunst­gies­se­rei, die 1994 nach St.Gal­len zog. Und vor 20 Jah­ren ent­stand er­gän­zend da­zu die Stif­tung Sit­ter­werk, die un­ter an­de­rem ei­ne welt­weit ein­zig­ar­ti­ge Kunst­bi­blio­thek führt. Wir tau­chen ein in die­sen wun­der­sa­men Mi­kro­kos­mos im Sit­ter­tal. Aus­ser­dem in der Ju­li/Au­gust-Dop­pel­num­mer: die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps, die Fla­schen­post von An­na Stern aus Finn­land und das In­ter­view zum 100-Jahr-Ju­bi­lä­um un­se­rer Haus­dru­cke­rei Nie­der­mann. 

Saiten 260708 01 Cover 01

Dy­na­mik in Stein

Flo­ri­an Fuchs ar­bei­tet an ei­ner an­tik an­mu­ten­den, 2,5 Me­ter ho­hen Mar­mor­sta­tue. War­um in­ter­es­siert sich ein jun­ger Bild­hau­er für die­se klas­si­sche Her­an­ge­hens­wei­se? Ein Werk­statt­be­such in Fla­wil.

Von  Roman Hertler
01 Florian Fuchs Theano Foto Maria Mahler