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Jungbrunnen für den Dom

Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.

Die St.Galler Feststpiele kehren zurück. (Bild: Gregory Batardon)

Die St.Galler Feststpiele kehren zurück. (Bild: Gregory Batardon)

17 Men­schen in ei­ner Rei­he, reg­los, Blick ge­löst nach vorn ins Pu­bli­kum. Das An­fangs­bild der Tanz­pro­duk­ti­on Grace ist un­spek­ta­ku­lär, aber span­nungs­reich: Die Fi­gu­ren auf dem Büh­nen­po­dest, le­ger in All­tags­klei­dern, sind Frem­de im Al­tar­raum der Ka­the­dra­le, wo sonst ze­le­briert wird vor dem gol­de­nen Chor­git­ter und un­ter den him­mel­stür­men­den Ge­wöl­ben. Sie sind ir­disch, hie­sig.

Eben wa­ren sie noch wie wir, draus­sen auf dem Klos­ter­platz. Dort fängt das Stück an, Per­kus­sio­nist Bor­ja Bar­rue­ta er­öff­net es mit tro­cke­nen Schlä­gen auf der Tx­al­apar­ta, ei­nem bas­ki­schen In­stru­ment aus ein­fa­chen Holz­bret­tern. Dann taucht hier ein Tän­zer, dort ei­ne Tän­ze­rin auf, am Brun­nen, im Gras, am La­ter­nen­pfahl, ein­zeln, be­fremd­lich zu­ckend, dann in wech­seln­den For­ma­tio­nen. Schliess­lich führt uns ei­ne mun­ter der Kirch­mau­er ent­lang han­geln­de Pro­zes­si­on zum rie­si­gen Sei­ten­por­tal. Drin­nen Or­gel­mu­sik, Ein­stim­mung ins Sa­kra­le.

Mit Grace kehrt die Tanz­kom­pa­nie nach dem letzt­jäh­ri­gen Out­door-Klet­ter­akt an der Thea­ter­fas­sa­de in die Ka­the­dra­le zu­rück. Der spa­ni­sche Cho­reo­graf An­to­nio Ruz spannt da­bei mit zwei Lands­leu­ten, Per­kus­sio­nist Bar­rue­ta und Kon­tra­bas­sist und Kom­po­nist Pa­blo Mar­tin Ca­mi­nero, so­wie mit Dom­or­ga­nist Chris­toph Schön­fel­der zu­sam­men. Und mit dem Raum. 

Me­di­ta­ti­ve Ein­stim­mung

Fast un­merk­lich kommt jetzt Be­we­gung in die Rei­he, Hän­de fin­den sich, zu­cken­de Schul­tern und Füs­se, der Kon­tra­bass klagt lei­se, die Or­gel hält den Bor­dun. Die Fi­gu­ren an den Rän­dern wer­den zu Knäu­eln, die Rei­he zum Klum­pen, schliess­lich zur Py­ra­mi­de. Von ih­rer Spit­ze her­ab in­to­niert Tän­ze­rin Ifi­ge­nia To­umpe­ki den Ma­ri­en­ge­sang O glo­rio­sa Do­mi­na. Das En­sem­ble stimmt in den gre­go­ria­ni­schen Cho­ral ein, formt sich zur mön­chi­schen Pro­zes­si­on im Mit­tel­gang. 

Ei­ne me­di­ta­ti­ve Kraft steckt in die­ser lang­ge­zo­ge­nen, sich ste­tig ver­dich­ten­den Er­öff­nungs­se­quenz. Man blie­be gern län­ger da­bei, doch das En­sem­ble will den Raum als Gan­zes er­kun­den, wir­belt jetzt an Ecken und um Säu­len, er­klimmt spä­ter auch die Em­po­re, ist mal zum Grei­fen nah an den Sitz­rei­hen, dann wie­der ver­streut. Es ist die Krux des Raums und der ka­tho­li­schen Kir­che, dass ar­chi­tek­to­nisch wie lit­ur­gisch nur die Zen­tral­per­spek­ti­ve zählt – an­de­re Blick­win­kel gibt es fürs ein­fa­che Volk nur um den Preis des Halsum­dre­hens.

Ein­mal wird es ernst, die Or­gel in­to­niert Ar­vo Pärt, das En­sem­ble schleppt ei­nen der Män­ner durch den Gang, an­de­re vi­brie­ren, hel­fen, wir­beln. Wir ah­nen Ver­un­si­che­rung, ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Ge­schich­te wird aber nicht er­zählt, und die Grund­stim­mung des Abends bleibt hei­ter. Mehr und mehr ori­en­tiert sich die Cho­reo­gra­fie im Lauf des Ge­sche­hens wie­der nach vorn. In Du­os, Tri­os, in Frau­en- und Män­ner­en­sem­bles bringt die Kom­pa­nie ih­re Qua­li­tä­ten zum Blü­hen: vir­tu­os, ra­sant und wild, dann wie­der zärt­lich zu­ge­wandt oder in sich ge­kehrt.

Den En­geln ge­fällts

Der Kon­tra­bass schafft Ru­he­mo­men­te, der Or­ga­nist heizt mit ei­ner Bach­fu­ge ein, zu jaz­zi­ger Per­kus­si­on wird Par­ty ge­fei­ert und laut­hals ge­lacht, dass sich die En­gel und Hei­li­gen im Dom er­staunt, aber ver­mut­lich er­freut die Au­gen und Oh­ren rei­ben. 

Die Tän­ze­rin­nen und Tän­zer nä­hern sich dem Kir­chen­raum durch­wegs zu­rück­hal­tend und su­chend, oh­ne Er­obe­rungs­ges­ten, mit Neu­gier. «Grace», das ti­tel­ge­ben­de The­ma des Abends, in­ter­pre­tie­ren der Cho­reo­graf und sein En­sem­ble da­bei of­fen, we­ni­ger re­li­gi­ös als zwi­schen­mensch­lich. «Har­mo­nie», «Lie­be», «Ele­ganz», «Hin­ga­be» und an­de­re Be­grif­fe ei­nes fried­fer­tig ge­walt­frei­en Mit­ein­an­ders flie­gen viel­spra­chig durch den Raum. 

Aus ih­nen – und aus je­dem Mo­ment des Stücks – ist der Geist von Re­spekt, Kol­le­gia­li­tät und Gleich­be­rech­ti­gung zu spü­ren, der die ak­tu­el­le St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie aus­zeich­net, zu­sam­men mit ei­ner über­bor­den­den Be­we­gungs­en­er­gie. Sie macht an die­sem Abend die ehr­wür­di­ge Ka­the­dra­le ein biss­chen jün­ger und frei­er.

Grace: Wei­te­re Auf­füh­run­gen 29. Ju­ni, 1. und 2. Ju­li, Ka­the­dra­le St.Gal­len
kon­zert­und­thea­ter.ch

Ausstellung

Nur Vor­wärts

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Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

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Es kratzt, knallt und schep­pert

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Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

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Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

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Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

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Die Stick­ma­schi­ne steht still

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Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
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Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

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Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

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Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler