Noch mehr Spitzenarchitektur für die HSG
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Aus dem Gebäude der Helvetia wird vermutlich ein zweiter Standort für die HSG. (Bild: René Hornung)
Die Studierenden der Universität St.Gallen werden seit 1963 in Gebäuden der Architekten Walter Förderer, Georg Otto und Hans Zwimpfer unterrichtet. Förderers Schulbauten, vor allem aber seine Kirchen im Stil des Brutalismus, sind längst zu stilprägenden Architekturikonen geworden. Kommt dazu, dass in den Uni-Gebäuden auf dem Rosenberg viele Arbeiten von bekannten Kunstschaffenden hängen, was den Campus in Architektur- und in Kunstkreisen bekannt gemacht hat.
Mit dem Personalabbau am bisherigen Hauptsitz der Versicherungsgesellschaft Helvetia, gleich neben dem Campus der Universität, kommt die HSG mit grosser Wahrscheinlichkeit bald zu einer zweiten Architekturikone: zum Bau des Architekturbüros Herzog und de Meuron. Die Basler Architekten hatten rund um den schmucklosen Bürobetonbau der Helvetia Neubauten mit den unterschiedlich schräg gestellten Fenstern geplant. Mit Fenstern in denen sich die Umgebung jedes Mal anders spiegelt. Das Projekt umfasste aber auch Details wie eigens entworfene Leuchten im Innern und den üppigen Garten.
2004 hatte die Versicherungsgesellschaft die ersten Räume im Neubau bezogen. Die Universität ist im Flügel auf der «Bergseite» mit verschiedenen Instituten eingemietet. Eine Verbindung der Uni- und der Helvetia-Büros besteht bisher nicht. Das könnte sich bald ändern, wie Kantonsbaumeister Erol Doguoglu bestätigt: Es laufen Gespräche zwischen Helvetia, Universität und Kanton.
Die Versicherung braucht künftig in St.Gallen deutlich weniger Platz: Statt der zuletzt 1100 Mitarbeitenden werden es wegen der Fusion mit Baloise künftig nur noch 600 bis 700 Mitarbeitende sein. Damit zeichnet sich ab, dass die Uni in weitere oder möglicherweise in alle Räume des Helvetia-Gebäudes einziehen wird und die Helvetia sich ihrerseits auf das ihr gehörende Haus Washington an der Rosenbergstrasse hinter dem Bahnhof beschränkt. Nach der letzten Renovation von 2014 hat Helvetia das Haus Washington an die Uni vermietet.
Visualisierung des vom Architekturbüro Brassel geplanten Holzelementbaus. (Bild: Lukas Brassel)
Ob sich die Universität in die Herzog-und-de-Meuron-Gebäude einmieten wird – was sie in eigener Kompetenz tun könnte – oder ob der Kanton die Gebäude für die Uni erwirbt, wird laut dem Kantonsbaumeister aktuell evaluiert. Für die HSG wäre die Erweiterung in die direkte Nachbarschaft nicht nur organisatorisch eine gute Lösung. Die Konzentration auf zukünftig zwei Standorte – Rosenberg und Platztor – würde auch Wohnungen im Quartier Rotmonten freigeben, welche die Universität als Büros umgenutzt hat. Diese Wohnungen zu räumen ist eine immer wieder auftauchende Forderung aus der Politik, die von der Universität durchaus gehört wird: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die HSG nach eigenen Angaben aus gut einem Dutzend Liegenschaften auf dem Rosenberg zurückgezogen.
Trotz Aussicht auf die Nutzung des bisherigen Helvetia-Hauptsitz und auf den Bau des zusätzlichen Campus Platztor ist auch ein Provisorium nötig: Dort wo heute am Girtannersberg neben dem Bibliotheksgebäude der Uni und «hinter» dem Herzog-und-de Meuron-Bau Büroprovisorien stehen, ist ein Holzelementbau in Planung. Das Kantonsparlament bewilligte dafür mit dem Budget 2026 einen Kredit von 28 Millionen. Insgesamt 18 unterschiedlich grosse Seminarräume sind geplant, die zwischen 50 und 100 Quadratemter gross und rund 3,5 Meter hoch werden sollen, wie Kantonsmeister Erol Doguoglu schildert erläutert.
Nach einer zuerst von der Uni in Auftrag gegebenen Vorstudie durch das St.Galler Architekturbüro von Jeannette Geissmann plant inzwischen das Architekturbüro Brassel mit Standorten in Zürich und St. Margrethen den Bau. Jeannette Geissmann war vom Kanton für die Weiterplanung angefragt worden, hatte aber verzichtet. Die darauf erfolgte Ausschreibung für einen Generalplaner konnte Lukas Brassel für sich entscheiden. Er plant einen Holzelementbau ohne Untergeschoss, der auf Punktfundamenten zu stehen kommt, so dass die Eingriffe in die Wiese des Girtannersbergs möglichst klein bleiben. Der Bau soll Anfangs 2029 bezugsbereit sein.
Nötig ist dieses Provisorium weil die Bewilligungen für zwei andere temporäre Bauten der Universität auslaufen: Die Container beim Sportplatz müssen Ende 2028 weichen, die Bauten auf dem früheren Parkplatz unterhalb des Hauptgebäudes sind noch bis 2035 bewilligt.
Zwar sollte Mitte der 2030er-Jahre der Campus Platztor in Betrieb sein, doch danach ist die grosszyklische Sanierung des Hauptgebäudes von Förderer, Otto und Zwimpfer geplant, so dass die Räume dort dann während längerer Zeit nicht benutzt werden können. Das Provisorium soll mindestens 15 Jahre der Uni dienen und wird so konstruiert sein, dass es noch mindestens zweimal an anderen Orten wieder aufgebaut werden kann.
Ihren ersten Hauptsitz liess sich die Helvetia Versicherung 1878 vom damals bekanntesten St.Galler Architekten, von Johann Christoph Kunkler, bauen. Dieses spätklassizistische Palais stand an der Stelle der heutigen Kantonalbank zwischen St. Leonhard-, Kornhaus- und Vadianstrasse. Es wurde 1977 nach langen juristischen Auseinandersetzungen um die Schutzwürdigkeit abgebrochen.
Zum Umstand, wie das heute weltweit bekannte Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron 1990 den Wettbewerb für die Erweiterung des nachfolgenden Hauptsitzes der Helvetia auf dem Rosenberg gewann, gibt es eine Anekdote: In der Jury sass damals auch Architekt Peter Zumthor. Er habe sich unter den anonym eingereichten Projekten auffallend stark gemacht für ein Projekt mit Flügelbauten, erinnerte sich der damalige Leiter der Helvetia-Bauabteilung, Emil Huber, in einem früheren Gespräch.
Zumthor habe damals in der Jury durchgesetzt, dass das bereits ausgeschiedene Projekt doch in die Endrunde kam – und dann gewann. Wahrscheinlich habe Zumthor die Handschrift der damals noch ziemlich unbekannten Architekten Herzog und de Meuron erkannt.
Wenn alles nach Plan läuft, bekommt die Universität dank zwei inzwischen weltberühmten Büros zusätzlichen Platz in Architekturikonen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Gutes Bauen Ostschweiz (XXXVI)
Die Patiosiedlung Jonagold bietet klassische Einfamilienhausqualitäten in einer gemeinschaftlich gedachten Struktur mit grosser räumlicher Vielfalt. Inspiriert von mediterranen Stadtanlagen verbindet sie verdichtetes Bauen mit lebendigen Freiräumen für unterschiedliche Lebensentwürfe.
Ausstellung
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.