Kategorie
Autor:innen
Jahr

Es kratzt, knallt und scheppert

Die Band S.G.A.T.V. hat ein neues Album rausgebracht (Bild: pd)

Die Band S.G.A.T.V. hat ein neues Album rausgebracht (Bild: pd)

Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.

Es ist der fi­na­le Auf­nah­me­tag zur neu­en S.G.A.T.V.-Plat­te Now To Ru­in und es fehlt noch ein letz­ter Song zur Voll­endung. Die Band ist aus­ge­laugt, denn sie hat die­sen Pro­zess ziem­lich un­ter­schätzt. Al­les zieht sich schon viel zu lang und auch wenn die bis­he­ri­ge Plat­te be­reits aus ei­ner Men­ge Bret­tern be­steht, braucht es drin­gend den fi­na­len Sarg­na­gel. Aber Se­ve­rin Beer­li und Jor­ge Os­wald sind durch. Je­der Ver­such ver­läuft im Nichts, der Frust steigt. 

Es braucht ei­nen Do­sen­öff­ner. Und den fin­det die Band aus­ge­rech­net in Ir­land. Al­so nicht ganz. Aber min­des­tens im orts­an­säs­si­gen Irish Pub, wo das Duo ge­mischt frit­tier­te Par­ty­plat­te und meh­re­re Guin­ness gen Val­hal­la schickt und da­nach wie neu­ge­bo­ren die Schei­be über die Ziel­li­nie hievt. Die Par­ty­plat­te aber reift zum Sym­bol: Manch­mal braucht es ei­nen kur­zen Ta­pe­ten­wech­sel, um die Welt mit an­de­ren Au­gen zu se­hen.

Wer S.G.A.T.V. in den letz­ten Jah­ren auf So­cial Me­dia ver­folgt hat, der:die wur­de Zeug:in ei­ner wirk­lich ver­rück­ten Rei­se durch Eu­ro­pas Sub­kul­tur. Denn das 2020 vom Frau­en­fel­der Se­ve­rin Beer­li ins Le­ben ge­ru­fe­ne Syn­th-Punk-Pro­jekt­mons­ter fräst sich mitt­ler­wei­le als mehr­köp­fi­ge Hy­dra mit ge­ra­de­zu ab­sur­der En­er­gie durch in­ter­na­tio­na­le Fes­ti­val­shows und Un­der­ground­clubs, wäh­rend die ver­sam­mel­ten Punk­heads, Cir­cle-Pit-Lieb­ha­ber:in­nen und Po­po-Con­nais­seu­re:in­nen von Skan­di­na­vi­en bis Sar­di­ni­en kol­lek­tiv bon­kers ge­hen zum Thur­gau Punk­rock.

Lan­ger Weg zum Al­bum

«Mir ge­fällt die­se Mons­ter-Me­ta­pher ganz gut», sagt Se­ve­rin auf die Fra­ge, wie wich­tig die Live-En­er­gie für sei­ne Band ist, «denn ir­gend­wie hat das Pro­jekt wirk­lich ei­ne wil­de Ei­gen­dy­na­mik an­ge­nom­men, die ich mir zu Be­ginn nie­mals hät­te vor­stel­len kön­nen. Wir pfle­gen tie­fe Freund­schaf­ten und dass die­se durch das vie­le Un­ter­wegs­sein noch ver­stärkt wer­den, macht die Zu­sam­men­ar­beit meist ziem­lich ein­fach. Klar kann es auch mal kra­chen, aber in der Re­gel sind wir ein gut ein­ge­spiel­tes und har­mo­ni­sches Team.

Aus die­sem Grund und auch, weil sich die Band so ent­wi­ckelt hat, dass sie mitt­ler­wei­le mehr live statt­fin­det als im Stu­dio, ha­ben wir uns da­zu ent­schie­den, das Al­bum zum ers­ten Mal mit der ge­sam­ten Band auf­zu­neh­men.» Die ge­sam­te Band, das sind Se­ve­rin Beer­li am Mi­kro­fon, Jor­ge Os­wald an den Syn­ths, Han­nes Bis­seg­ger am Bass, Eli­as Gam­ma am Schlag­zeug so­wie Lu­ca Har­der, Leo­nar­do Pe­droc­ca und An­drew Mül­ler an den Gi­tar­ren.

Nach ei­nem durch­aus lang­wie­ri­gen Auf­nah­me- und Pla­nungs­pro­zess, den die Band laut ei­ge­ner Aus­sa­ge mas­siv un­ter­schätzt hat­te, er­blickt die­ser Ta­ge Now To Ru­in das Licht der Welt. Und bringt die En­er­gie von den Kon­zert­büh­nen zu­rück ins rei­ne Au­dio­for­mat. «Uns war es wich­tig, dass wir den gan­zen Pro­zess in Ei­gen­re­gie ma­chen. Vom ers­ten Ton bis zum Co­ver ha­ben al­les Leu­te aus der Band kre­iert. Dies war am En­de et­was auf­rei­bend, aber für al­le ei­ne lehr­rei­che und span­nen­de Ent­wick­lung.»

Evo­lu­ti­on und Fran­ken­stein

Der Sound der Plat­te of­fen­bart ziem­lich kon­se­quen­te Evo­lu­ti­ons­schrit­te in der S.G.A.T.V.-DNA. Die iko­ni­schen Syn­th-Punk-Me­lo­dien, die mit Vor­lie­be im Back­ground wa­bern, sind zwar noch vor­han­den, aber ins­ge­samt wirkt Now To Ru­in Riff- und Me­tal-las­ti­ger als frü­he­re Kom­po­si­tio­nen der Band. Songs wie Dra­gons­lay­erbau­en sich in Form von wasch­ech­ten Me­tal­b­an­gern auf, zer­fal­len dann wie­der in ih­re Ein­zel­tei­le, nur um mit Fran­ken­stein-mäs­si­ger Krea­ti­vi­tät aber­mals zu­sam­men­ge­flickt zu wer­den. Gen­re­gren­zen zer­ge­hen in gran­dio­sen Kom­po­si­tio­nen wie Towers of Ty­ran­ny oder der Hit-Hym­ne Face­down in the Mud als aus­ge­frans­te Näh­te, die mit Mü­he und Not die zu­ckend pum­pen­den Sound­wel­len zu­sam­men­hal­ten. Ins­ge­samt klingt S.G.A.T.V. 2026 wohl mehr nach Black Flag als nach Mis­fits. Aber ver­dammt noch­mal: Es wer­den im­mer noch Är­sche ge­kickt!

«Beim Song­wri­ting ent­wi­ckelt sich bei mir das Meis­te aus dem Mo­ment her­aus. Da ich in den letz­ten Jah­ren wie­der viel mehr mei­ne ewi­ge Lie­be Hea­vy Me­tal ge­hört ha­be, war es un­ver­meid­bar, dass sich dies bei S.G.A.T.V. nie­der­schlägt. Dass wir das Al­bum als Band auf­ge­nom­men ha­ben, hat ver­mut­lich den ro­cki­gen und gi­tar­ren­las­ti­gen Aspekt noch ver­stärkt», er­klärt Se­ve­rin die Wei­ter­ent­wick­lung, die sich auch im Art­work und in den Tex­ten wie­der­fin­det. Denn dort hat sich ei­ne ge­wis­se Fan­ta­sy-Äs­the­tik ein­ge­schli­chen, die der Plat­te ei­nen fast schon spie­le­ri­schen An­strich ver­passt, der auf Gam­ing- und Nerd­kul­tur ver­weist.

«Aber ja … ich bin halt wie die meis­ten in un­se­rer Band auch ein­fach ein Rie­sen­nerd. Ich ha­be S.G.A.T.V. tat­säch­lich schon im­mer als nerdi­ges Pro­jekt ver­stan­den, als ei­ne Sci-Fi-Sound­track­va­ri­an­te des Punk. So ha­be ich vie­le Songs so ge­schrie­ben, dass sie ge­wis­se Bil­der in mir her­vor­ru­fen oder Stim­mun­gen er­zeu­gen, und zu­min­dest für mich sind die­se Bil­der oft­mals tief in Sci-Fi und Fan­ta­sy ver­an­kert.»

Die­se Plat­te schleppt, kratzt, knallt und schep­pert, dass es ei­ne wah­re Freu­de ist, und Stü­cke wie Van Hal­ethoder Li­ving Night­ma­re las­sen eu­re Kopf­hö­rer oder Bo­xen wirk­lich kei­ne Se­kun­de Ver­schnauf­pau­se. Könn­te man Au­dio­aus­schlä­ge in Strom ver­wan­deln, die­se Band könn­te wohl im Hand­um­dre­hen den gan­zen Thur­gau er­leuch­ten. Das ist Punk. Das ist Me­tal. Das ist Schwei­ne­rock. Und vor al­lem: pu­re En­er­gie. S.G.A.T.V. ge­hen nach vorn. Im­mer. Kom­pro­miss­los.

S.G.A.T.V. – Now To Ru­in: er­scheint im Ok­to­ber auf den gän­gi­gen Strea­ming­platt­for­men, auf Band­camp und auf Vi­nyl.

Plat­ten­tau­fe am Don­ners­tag, 1. Ok­to­ber, 20 Uhr, Kraft­feld, Win­ter­thur.

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665