Zu hoch für Appenzell
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
So hätte das neue Verwaltungsgebäude am Appenzeller Landsgemeindeplatz aussehen sollen. Daraus wird nun nichts. (Bild: pd)
Mehr als sieben Jahre ist es her, seit die Landsgemeinde im April 2019 einen Rahmenkredit von 19,8 Millionen Franken für ein neues Gebäude bewilligte. Darin wollte der Kanton Appenzell Innerrhoden die Gerichte, das Landesarchiv, die zentrale Bibliothek und Verwaltungsbüros, die alle mehr Platz brauchen, unterbringen. Der Neubau war nur wenige Meter östlich des Landsgemeindeplatzes anstelle eines früheren Coop an der Marktgasse geplant.
Im Sommer 2020 wurde der Architekturwettbewerb für diesen Neubau entschieden. 19 Projekte waren eingereicht worden. In der Fachjury sassen bekannte Fachleute, darunter die Churer Architektin Corinna Menn, der frühere St.Galler Kantonsbaumeister Werner Binotto und der frühere Denkmalpfleger der Stadt St.Gallen, Niklaus Ledergerber, der die Fachkommission Denkmalpflege von Appenzell Innerrhoden präsidiert.
Vorgegeben war für den Neubau, neben dem Raumprogramm, auch die Höhe des Gebäudes, der sich ins Gesamtbild rund um den Landsgemeindeplatz einordnen sollte. Er sollte deshalb nicht mehr als drei Stockwerke hoch werden. Der Jury war diese Vorgabe durchaus bewusst, als sie das Projekt des Vorarlberger Architekturbüros Cukrowicz Nachbaur zum Sieger kürte. Dieser Vorschlag war allerdings viergeschossig und überschritt damit die vorgegebene Höhe.
Die Jury wählte ihn trotzdem aus, weil er zum einen die bestehende Geländekante respektierte, eine im Vergleich kleinere Grundfläche beanspruchte und innen dank des rechtwinkligen Grundrisses eine gute Organisation ermöglichte, während die meisten anderen Projekte eine L-Form vorschlugen. Jurymitglied Werner Binotto: «Für ein öffentliches Gebäude, erst recht für ein Gerichtshaus mit Bibliothek, wäre nach Meinung der Jury mehr Höhe gerechtfertigt gewesen.» Es sei ja eine bekannte Geste im klassischen Städtebau, dass öffentlich genutzte Häuser über andere herausragen.
Modell des neuen Verwaltungsgebäudes. (Bild: Cukrowicz Nachbaur Architekten)
Dass es wegen des zusätzlichen Geschosses ein Problem geben könnte, was der Jury allerdings von Anfang an bewusst. In der Zusammenfassung schrieb sie: «Der vorliegende Entwurf überzeugt mit einem guten, knappen Fussabdruck im städtebaulichen Kontext. Der daraus resultierende viergeschossige Baukörper bewegt sich jedoch am obersten städtebaulich vertretbaren Limit.» Die Jury riet deshalb, dass bei der Überarbeitung «die städtebaulich bereits angespannte Gebäudehöhe nicht weiter verschärft werden sollte». Dennoch wurde das Haus im Laufe der weiteren Bearbeitung bis zum Baugesuch noch etwas höher.
Im Zuge des Baubewilligungsverfahrens ab Februar 2023 gingen vier Einsprachen ein und die Baukommission Inneres Land AI hiess im Februar 2025 drei davon gut. Das Bau- und Umweltdepartement als Bauherrschaft rekurrierte dagegen. Im Rahmen dieser Rekurse holte die Standeskommission ein gemeinsames Gutachten der eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) und der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) ein. Es fand auch eine Begehung mit der Jury statt. «Wir argumentierten dabei nochmals, dass ein öffentlicher Bau durchaus die übrigen Bauten etwas überragen dürfe», so Jurymitglied Werner Binotto.
Die Kommissionen liessen sich allerdings nicht überzeugen und fanden, dieser Neubau würde das Ortsbild von nationaler Bedeutung «schwerwiegend beeinträchtigen». Das Projekt widerspreche den Schutzzielen hinsichtlich der historischen Bausubstanz, der kleinteiligen Parzellen- und Gebäudestruktur, der ortstypischen Massstäblichkeit sowie der charakteristischen Übergangssituation zwischen Dorfkern und dem Quartier Ziel.
Nach diesen Gutachten entschied jetzt das Innerrhoder Bau- und Umweltdepartement das bisherige Projekt nicht weiter zu verfolgen. Es prüft nun andere Optionen.
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