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Von Wartehäuschen und ehemaligen Telefonkabinen

Das Tramhäuschen vor dem «Kreml» am Schibenertor. Der kleine Riegelbau ist längst verschwunden.  (Bilder: Denkmalpflege der Stadt St.Gallen)

Das Tramhäuschen vor dem «Kreml» am Schibenertor. Der kleine Riegelbau ist längst verschwunden.  (Bilder: Denkmalpflege der Stadt St.Gallen)

An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.

Je­des Jahr or­ga­ni­siert die Denk­mal­pfle­ge der Stadt St.Gal­len rund um den Tag des Denk­mals ei­ne Aus­stel­lung – die ak­tu­el­le ist den Klein­bau­ten ge­wid­met. Mat­thi­as Fi­scher, der Lei­ter der städ­ti­schen Denk­mal­pfle­ge, hat­te die­se Klein­ode in sei­ner Ab­schluss­ar­beit nach dem Wei­ter­bil­dungs­kurs Denk­mal­pfle­ge und Um­nut­zung an der Fach­hoch­schu­le in Burg­dorf ge­sam­melt. Sol­che Klein­bau­ten tau­chen schon in den Land­schafts­bil­dern des 17. Jahr­hun­derts auf. In der ge­bau­ten Rea­li­tät ent­deckt man sie in Pa­ris ab der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts, als dort die brei­ten Bou­le­vards an­ge­legt wur­den.

Wer mit of­fe­nen Au­gen durch un­se­re Städ­te und Dör­fer geht be­geg­net sol­chen Klein­bau­ten fast auf Schritt und Tritt. Da­zu ge­hö­ren die Bus­war­te­häus­chen, die Ma­ga­zi­ne für den Stras­sen­un­ter­halt oder ehe­ma­li­ge so­ge­nann­te Hy­dran­ten­wa­gen­schup­pen der Feu­er­wehr, in de­nen – ent­ge­gen ih­rem Na­men – kei­ne Hy­dran­ten, son­dern Schlauch­wa­gen stan­den. Es gibt noch ein­zel­ne da­von in St.Gal­len, zum Bei­spiel an der Tschu­dis­tras­se und an der Ecke Dufour-/Win­kel­ried­stras­se.

Hydrantenwagenhäuschen Dufour-/Winkelrietstrasse, erbaut nach der Fertigstellung der Druckwasserleitung und der ersten Hydranten ab 1873. 

Hydrantenwagenhäuschen Dufour-/Winkelrietstrasse, erbaut nach der Fertigstellung der Druckwasserleitung und der ersten Hydranten ab 1873. 

In der Stadt wa­ren zu Zei­ten der Tex­til­blü­te auch die­se Klein­bau­ten als Schmuck­stü­cke im «Schwei­zer Holz­bau­stil» er­rich­tet wor­den, ver­ziert mit Or­na­men­ten und Schnit­ze­rei­en. Da­zu ge­hör­te auch die längst ab­ge­bro­che­ne Tram­war­te­hal­le am Schib­e­n­er­tor, vor dem «Kreml»-Ge­bäu­de. Hier stand ein klei­ner Rie­gel­bau mit Stras­sen­wär­ter­de­pot und WC. 

Bus­dä­cher und -häus­chen

Den Fahr­gäs­ten des öf­fent­li­chen Ver­kehrs bie­tet die Stadt bis heu­te Ar­chi­tek­tur, auch wenn man un­ter ein­zel­nen mo­der­nen Dä­chern mit­un­ter im Re­gen ste­hen ge­las­sen wird. Nicht al­le der spe­zi­ell ent­wor­fe­nen Bus­dä­cher ha­ben es in die Aus­stel­lung ge­schafft, aber es gibt sie in der Rea­li­tät an ei­ni­gen Hal­te­stel­len. Die über­ho­hen und mas­si­ven Dä­cher des Bahn­hof­plat­zes, die kaum mehr als Klein­bau­ten durch­ge­hen. Und die be­schei­de­ne­ren, mo­der­nen Dä­cher am Schib­e­n­er­tor, an der Hal­te­stel­le Ober­stras­se und am Spi­ser­tor. 

Ar­chi­tekt Sant­ia­go Calat­rava ist in der Stadt schon lan­ge und mit sei­nen Früh­wer­ken ver­tre­ten: mit der War­te­hal­le und den Dä­chern über den Trep­pen zur Un­ter­füh­rung in St.Fi­den. Die von ihm ent­wor­fe­ne gros­se Hal­le auf dem Bohl be­kommt mög­li­cher­wei­se bald den Sta­tus ei­nes Denk­mal­schutz-Ob­jekts. Einst als «Vil­la Durch­zug» ver­pönt, ge­hört sie in­zwi­schen zum Stadt­bild und sie steht ak­tu­ell auf der Lis­te der Schutz­ob­jek­te in der Alt­stadt – ei­ner Lis­te, die mit der ak­tu­ell in Re­vi­si­on ste­hen­den Bau- und Zo­nen­ord­nung er­neu­ert wird. 

Bus­sta­tio­nen sind mit­un­ter auch mit Ki­os­ken kom­bi­niert. Be­kannt ge­wor­den ist in den letz­ten Mo­na­ten der Hoch­wacht­ki­osk, der auch Quar­tier­treff­punkt sein will und weit mehr an­bie­tet als Zi­ga­ret­ten und Kau­gum­mi. Ei­ne spe­zi­el­le Bau­ge­schich­te hat die Bus­hal­le beim Kan­tons­spi­tal. Sie wur­de ur­sprüng­lich 1952 ne­ben dem Ho­tel Wal­hal­la und vor dem da­mals noch ste­hen­den al­ten Rat­haus er­rich­tet. Als das Rat­haus ab­ge­bro­chen wur­de und der neue Bahn­hof­platz so­wie der Korn­haus­platz ent­stan­den, zü­gel­te man die Hal­le 1977 an die Hal­te­stel­le Kan­tons­spi­tal. Dort be­kam sie ih­ren heu­ti­gen An­strich in den Stadt­far­ben rot, schwarz, weiss. Spä­ter, in den 1980er-Jah­ren, bau­te die Stadt dann an meh­re­ren Or­ten das War­te­häus­chen Mo­dell Gal­lus im da­mals mo­di­schen De­sign mit dem ge­zack­ten Dach, das bis heu­te noch an vie­len Sta­tio­nen an­zu­tref­fen ist.

Ehe­ma­li­ge Te­le­fon­ka­bi­nen und High­tech-WCs

An­de­re Klein­bau­ten ha­ben ih­ren ur­sprüng­li­chen Zweck ver­lo­ren: Die Te­le­fon­ka­bi­nen sind heu­te ent­we­der weg­ge­räumt, zu Mi­ni-Bi­blio­the­ken um­ge­nutzt oder ein­fach nur ver­rie­gelt. Und die «Be­dürf­nis­an­stal­ten» von einst sind teils zu High­tech-De­si­gner­ob­jek­ten mu­tiert. Da­für gibt es Bei­spie­le an der Mu­se­um­stras­se, im Stadt­park oder auf der Kreuz­blei­che. Ei­ni­ge nüch­tern recht­eckig ge­stal­te­te Pis­soirs er­fül­len aber wei­ter­hin ih­ren tra­di­tio­nel­len Zweck.

Einst waren es «Bedürfnisanstalten», heute sind es Hightech-WCs, wie dieses Beispiel in der Museumstrasse.

Einst waren es «Bedürfnisanstalten», heute sind es Hightech-WCs, wie dieses Beispiel in der Museumstrasse.

Trafohaus Geltenwilenstrasse. Sollte der Autobahnanschluss Güterbahnhof gebaut werden, müsste je eine Achse links und rechts abgebrochen werden.

Trafohaus Geltenwilenstrasse. Sollte der Autobahnanschluss Güterbahnhof gebaut werden, müsste je eine Achse links und rechts abgebrochen werden.

Zu den Klein­bau­ten zäh­len auch die Trans­for­ma­to­ren­sta­tio­nen. Es gibt sie als schmu­cke Türm­chen oder als nüch­ter­ne Zweck­bau­ten. Die be­rühm­tes­te Tra­fo­sta­ti­on ist wohl der Zie­gel­stein­bau an der Gel­ten­wi­len­stras­se, in der Blick­ach­se der Va­di­an­stras­se. Die­ses Un­ter­werk ent­stand 1910 und wur­de 1913 mit je ei­ner Ach­se links und rechts zur heu­ti­gen Grös­se er­wei­tert. Die­se Er­wei­te­run­gen müss­ten ab­ge­bro­chen wer­den, wenn tat­säch­lich ein­mal ein Au­to­bahn­an­schluss Gü­ter­bahn­hof ge­baut wer­den soll­te. In­ter­es­sant ist an die­sem Ob­jekt nicht nur das Türm­chen, an dem frü­her die Frei­lei­tun­gen be­fes­tigt wa­ren, son­dern auch die un­ter­ir­di­sche Er­gän­zung von 1943 mit ih­ren sicht­ba­ren Lüf­tungs­schlit­zen im Dach.

Gu­te Be­kann­te, aber die Ron­del­le fehlt

In der Aus­stel­lung wer­den auch be­kann­te Klein­bau­ten ge­zeigt, von der Müh­legg-Tal­sta­ti­on über die Vo­lie­re im Stadt­park, den Was­ser­turm ne­ben der Lok­re­mi­se bis zum klas­si­zis­ti­schen Zoll­haus an der Krä­zern­brü­cke. 

Trafostation Kräzeren: Eines von einst zahlreichen Türmchen zu denen früher die Strom-Freileitungen führten.

Trafostation Kräzeren: Eines von einst zahlreichen Türmchen zu denen früher die Strom-Freileitungen führten.

Nur ein Ob­jekt fehlt aus po­li­ti­schen Grün­den: die Ron­del­le. Weil da­für ein Ab­bruch­ge­such läuft, ha­be man die­sen ty­pi­schen Bau der 1950er-Jah­re nicht in die Aus­stel­lung ge­nom­men, kom­men­tiert Stadt­rat Mar­kus Busch­or auf Nach­fra­ge. Und er­gänzt dies mit sei­nem be­kann­ten An­ge­bot: «Wenn je­mand die Ron­del­le pri­vat über­nimmt, lie­fern wir sie ger­ne dort­hin.» Weil ein­zel­ne Ein­spra­chen und Re­kur­se ge­gen die Neu­ge­stal­tung des Markt­plat­zes vor­aus­sicht­lich bis vors Bun­des­ge­richt wei­ter­ge­zo­gen wer­den, darf die Ron­del­le noch ein paar wei­te­re Jah­re ste­hen blei­ben.

Die am vielfältigsten genutzte Kleinbaute im Strassenspickel Müller-Friedberg-/Dufourstrasse. Gleichzeitig Gartenhaus, Garage, Strassenwärterhaus, Pissoir und Treppendurchgang.

Die am vielfältigsten genutzte Kleinbaute im Strassenspickel Müller-Friedberg-/Dufourstrasse. Gleichzeitig Gartenhaus, Garage, Strassenwärterhaus, Pissoir und Treppendurchgang.

Die ge­mäss Denk­mal­pfle­ger Mat­thi­as Fi­scher am viel­fäl­tigs­ten ge­nutz­te Klein­bau­te der Stadt steht im Spi­ckel Mül­ler-Fried­berg-/Dufour­stras­se. Ei­ne Kom­bi­na­ti­on von Gar­ten­haus der be­nach­bar­ten Vil­la, das spä­ter als Ga­ra­ge um­ge­baut wur­de, dar­an an­ge­baut ein Stras­sen­wär­ter­stütz­punkt mit Pis­soir und ei­ner Trep­pe durchs Häus­chen hin­durch, die Fuss­gän­ger:in­nen den Weg rund um den Stras­sen­spi­ckel ver­kürzt. 


«Klei­ne Ar­chi­tek­tur – gros­se Ge­schich­ten»:  Jah­res­aus­stel­lung der Denk­mal­pfle­ge der Stadt St.Gal­len zu Klein­bau­ten im Stadt­raum, bis 2. Ok­to­ber, Rat­haus, 1. Stock.
Kurz­füh­run­gen: Mitt­woch, 16. Sep­tem­ber, 16:30 Uhr, und Don­ners­tag, 24. Sep­tem­ber, 12:30 Uhr. 

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

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Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

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Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

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