Pianoklänge für alle
Sich einfach ans Klavier setzen und drauflosspielen: Das kann man noch bis zum 12. September in der Region Rorschach. Dort hat der Verein «Pianos am See» dieses Jahr wieder vier frei zugängliche Pianos aufgestellt.
Das bepflanzte as «Plantiano» steht beim Goldacher Hafen (Bild: vez)
Vier kunstvoll gestaltete Pianos stehen dieser Tage in Goldach und Rorschach in Seenähe sowie etwas oberhalb in Rorschacherberg. Wer auch immer Musse hat, darf sich ans Tasteninstrument setzen und loslegen – egal ob Anfänger:in, Vollprofi oder irgendwas dazwischen.
«Entstanden ist ‹Pianos am See› im Jahr 2018 aus dem Umfeld der IG Stadt am See. Seit der Auflösung der IG im Jahr 2025 ist das Projekt als eigenständiger Verein organisiert», sagt Annemarie Hohl, Vizepräsidentin des Vereins und zuständig für Sponsoring und Kommunikation. Orientiert habe man sich dabei am internationalen Projekt «Street Pianos: Play Me, I’m Yours» des britischen Künstlers Luke Jerram, der Klaviere im öffentlichen Raum aufstellen liess.
Seither waren, bis auf die Coronajahre, jeweils im Spätsommer Pianos in der Region Rorschach anzutreffen. Aufgrund organisatorischer Veränderungen infolge der Auflösung der IG und der daraus resultierenden Vereinsgründung habe man vergangenes Jahr nur ein Piano im Schlosspark Wartegg aufgestellt, so Hohl. Reaktionen aus der Bevölkerung folgten sofort. So seien Mitglieder des über Spenden und Sponsoring finanzierten Vereins immer wieder auf die fehlenden Pianos angesprochen worden. «Man hat sie vermisst.» Das sei eine Bestätigung dafür gewesen, dass das Projekt bei der Bevölkerung auf Resonanz stosse. Und so sind es dieses Jahr dann wieder vier Pianos: in Rorschach am Hafenplatz und beim Lift am Hauptbahnhof, im Park des Schlosses Wartegg in Rorschacherberg und erstmals in Goldach beim Hafen.
Gleich drei neugestaltete Klaviere gesellen sich dieses Jahr zum blauen Piano, dem «Herzstück», wie Hohl es nennt, das am Hafenplatz in Rorschach steht. Sie selbst habe das himmelblaue Sabel 120 aus der ehemaligen Rorschacher Klavierfabrik gemeinsam mit Vereinspräsident Rodolfo Marinelli im Jahr 2023 umgesetzt. «Meine Idee war, ein Klavier zu gestalten, das aussieht wie unser Plakat. Blau, schwarz-weisse Tasten, rote Schrift. Rodolfo war sofort dabei. Also haben wir Holzbuchstaben ausgesägt, gemalt, geklebt und unser Klavier realisiert.»
Von den drei Neuzugängen hat eines Marinelli kreiert. Auf seinem «Piano Entertainer», so der Titel des Klaviers, erzählen alte Klaviernoten eine kleine Musikgeschichte. «Der Minutenwalzer von Chopin zieht sich von links nach rechts, daneben gibt es viele kleine Themen von Mozart bis Blues», so Hohl. Der zweite Neuzugang ist das «Plantiano», gestaltet von einer Klasse des Schwerpunktfachs Musik und Bildnerisches Gestalten der Kantonsschule Trogen. Ein silbern bespraytes Piano, das mit Blumen, Gräsern und Kräutern bepflanzt ist. Die Schüler:innen verstünden es «als Sinnbild für ihren gemeinsamen kreativen Prozess des Wachsens». Das dritte Piano stammt vom Rorschacher Bildhauer Patrick Benz, der das Instrument mit Siebdruck bearbeitet habe.
Hohl arbeitet seit Langem auf freiwilliger Basis für das Projekt und ist nach wie vor begeistert: «‹Pianos am See› ist zauberhaft. Es ist nicht laut, nicht aufdringlich. Und trotzdem ist es faszinierend, wie ein einziges Klavier einen Platz und die Menschen dort verändern kann.» Bis die Pianos jedoch an Ort und Stelle stehen, brauche es viel Arbeit: Sponsoren finden, Bewilligungen, Transporte, geeignete Instrumente, die Betreuung vor Ort – «und natürlich das Wetter».
Jedes der vier Klaviere hat eine Regenplane und wird über Nacht abgedeckt. «Wenn es tagsüber zu regnen beginnt, müssen wir manchmal ziemlich schnell sein. Zum Glück haben wir unsere Helfer:innen», sagt Hohl. Bei Regen liesse sich das blaue Klavier am Rorschacher Hafen unter das Dach bei der Touristeninformation schieben. Auch das Klavier beim Hauptbahnhof in Rorschach könne geschützt untergestellt werden. Und jenes im Warteggpark stehe ohnehin gedeckt auf der Sommerbühne im Zelt.
Ganz bewusst gebe es dieses Jahr kein Rahmenprogramm, sagt Hohl. «Wer spielen möchte, kommt einfach vorbei. Wenn das Klavier gerade besetzt ist, wartet man, hört eine Weile zu oder kommt miteinander ins Gespräch.» Solche spontanen Begegnungen machten den besonderen Wert von Pianos am See aus. «Kinder kommen mit ihren Notenblättern und möchten zeigen, was sie gelernt haben. Ein Chor schaut vorbei, Menschen aus einem Altersheim, Tourist:innen. Andere bleiben einfach stehen und hören zu, klatschen, singen, manche tanzen sogar.»
Noch bis zum 12. September sind die Pianos zugänglich. Dann werden sie eingestellt oder finden sogar ein neues Zuhause. «Das gefällt mir besonders an ‹Pianos am See›: Nach zwei Wochen ist nicht unbedingt Schluss. Manche dieser Klaviere leben an einem anderen Ort einfach weiter», sagt Annemarie Hohl. So steht etwa eines der alten Pianos vom See in der HPV (Heilpädagogischer Verein) in Rorschach, eines im Hafenbuffet und eines im Café GönnDir.
«Pianos am See»: bis 12. September, Rorschach (Hauptbahnhof und Hafen), Goldach (Hafen) und Rorschacherberg (Schloss Wartegg).
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