Badhütte Rorschach: Rekonstruktion bis zum Türscharnier
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Badhütte Rorschach 2002 (Bild: Wikimedia Commons)
Kisten voller rostiger Teile stehen in einem Lagerraum in Rorschach: Nägel, handgeschmiedete Schraubenköpfe, Beschläge – sogenannte Schaufelbänder und Berner Fallen, Türschlösser der Umkleidekabinen, bis zu Gugelhupf-Formen aus der Küche. Die Fundstücke stammen aus dem Schutt der an Weihnachten 2024 abgebrannten Badhütte Rorschach. Vieles war von Tauchern aus dem Schlick des Sees heraufgeholt worden, teils nach wenigen Monaten schon dicht mit Quaggamuscheln bewachsen. Die Fundstücke sind bisher nur grob sortiert. Daneben liegen verkohlte Balken und zwei lange, von der Hitze verbogene Stangen mit Garderobenhacken. Was passiert mit diesen geretteten, aber teils arg lädierten und angerosteten Teilen? Können sie für den Wiederaufbau verwendet werden?
Architektin Rowena Schmocker vom Rheinecker Architekturbüro Ladner und Partner, die die Planung des Wiederaufbaus leitet, würde die Frage gerne bejahen, aber: «Wir haben uns bisher auf die Konstruktionspläne konzentriert. Diese Fundstücke mussten deshalb noch warten». Die Baupläne sind inzwischen bis ins Detail fertig. Martin Hoffmann, Fachmann für Holzhandwerk und Denkmalpflege, der schon die Rekonstruktion der Kapellbrücke in Luzern zeichnete, hat die Bretter und Balken samt aller Verzierungen und Maserierungen anhand der Brandreste rekonstruieren können – Originalpläne gibt es keine mehr.
In einem Beitrag fürs Rorschacher Stadtinfo berichtete Hoffmann vor einem guten halben Jahr, wie es dem damaligen Badhütten-Architekt Karl Köpplin zur Bauzeit 1923/24 gelungen war, «eine spannende Mischung aus Elementen des Heimatstils mit klaren Formen aufkommender modernerer Architektur der noch jungen 1920er-Jahre zu verbinden». Dank der Brandreste und anhand zahlreicher Fotos konnte Hoffmann nicht nur die Holzkonstruktionen nachzeichnen, sondern auch die vielen Schmuckformen, darunter die Sitzbänke mit ihren Profilen. Selbst Spiegel und Kleiderhaken in den Garderoben sind wieder dokumentiert. Und dank eines früher einmal ausgebauten und zufällig erhaltenen Originalfensters, ist auch deren Konstruktion klar.
Taucher:innen holten viel Metall aus dem Schlick. (Bild: René Hornung)
Auch Küchenutensilien wurden aus dem See geborgen. (Bild: René Hornung)
Das Baugesuch liegt aktuell zur Vorprüfung bei der Stadt Rorschach. «Es ist nur noch eine Frage von Tagen, bis wir es offiziell einreichen», so Rowena Schmocker. Als nächstes werden die Pläne digitalisiert damit die Hölzer nachher auf modernen, computergesteuerten Maschinen bearbeitet werden können. Wie es mit den Metallteilen weitergeht ist im Grundsatz ebenfalls klar: «Wir werden zusammen mit einem Kunstschmied die Stücke sortieren. Was entrostet, gegrädet und wiederverwendet werden kann, wird wieder eingebaut», so Rowena Schmocker. Es werden aber auch Teile nachgebaut werden müssen, denn man habe sicher nicht alle Beschläge, Scharniere und Schlösser der insgesamt 92 Türen der Badhütte gefunden. Geht es nach dem Wunsch der Architektin wird es in der wiederaufgebauten Badhütte keine – einst nachträglich eingebauten – Kabaschlösser mehr geben, sondern wieder Schlösser mit Bartschlüssel, wie damals bei der Eröffnung 1924.
Andere Fragen rund um den Wiederaufbaufragen sind im Moment noch nicht geklärt. War die Fassade der Badhütte schon beim Bau dunkel gestrichen oder wurde dieser Anstrich erst nachträglich aufgebracht? Die wenigen erhaltenen Fassadenbretter sind diesbezüglich noch nicht untersucht. Die Fenstereinfassungen scheinen allerdings von Anfang an weiss gemalt gewesen zu sein.
Nur ganz kleine bauliche Änderungen sind bisher für den Wiederaufbau vorgesehen: Ein zusätzliches, behindertengerechtes WC ist geplant und etwas mehr Stauraum für die Küche. Die Terrasse auf der «Männerseite», die einst anstelle des 1966 von einem Sturm beschädigten Hubbodens eingebaut wurde, wird ebenfalls wieder entstehen. Hier geht man nicht auf die Bauzeit zurück.
Die Badhütte ist inzwischen im Eigentum der im April 2026 neu gegründeten Stiftung. Diese – und nicht mehr die Stadt Rorschach – kümmert sich um den Wiederaufbau und um die Finanzierung. Nach Spendenzusagen, Beiträgen der Gebäudeversicherung, der Denkmalpflege und des Lotteriefonds fehlt aber noch Geld, um die 6,5 Millionen Franken teure Rekonstruktion zu ermöglichen. «Wir haben inzwischen einen ziemlich genau kalkulierten Kostenvoranschlag», berichtet Architektin Rowena Schmocker. Sie ist zuversichtlich, dass das Geld zusammenkommen wird. Wenn alles klappt, werde man im Herbst 2027 mit dem Wiederaufbau beginnen können.
badhuette-verein.ch
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