Vielleicht sind es auch die Badegewohnheiten, welche die Seekinder von den Stadtmenschen unterscheiden. Während letztere zum Teil fast den Zügelwagen bestellen, um bestenfalls den ganzen Tag mit allem Gugger in der Wiese zu liegen, reicht ersteren eine halbe Stunde und ein kleines Handtuch für den Sprung ins kühle Nass. Er ist für viele Teil der täglichen Routine.
Spricht man mit Rorschacher:innen, drückt oft ein etwas gar ausgeprägter Lokalstolz durch. Man könnte fast meinen, Rorschach sei nur etwas für Eingeweihte. Und früher oder später reden sie alle von der Badhütte – ihrer Badhütte. Erzählen von den strengen Bademeisterinnen dort, von den Spinnen und Bojen und Flossen, von den allerschönsten Gewittern und Sonnenuntergängen, vom Schwimmunterricht in der Schule oder von seligen Abenden auf den Planken. Gefühlt alle Rorschacher:innen haben eine Badhütte-Geschichte auf Lager. Und jede Generation hat ihre eigenen.
Kürzlich feierte das auf 74 Betonpfeilern ruhende Kastenbad seinen 100. Geburtstag. Am 22. Juni 1924 wurde die städtische Seebadanstalt Rorschach – von allen nur Badhütte genannt – nach rund zwei Jahren Planungs- und Bauzeit, teils absurden Diskussionen und mehreren Bauarbeiter-Streiks offiziell eingeweiht. Zu den Feierlichkeiten gehörte auch ein erstmals durchgeführter Schwimmwettbewerb, das «Internationale Bodensee-Wettschwimmen» in den Disziplinen Schwimmen, Wasserball und Wasserspringen. Es regnete fast durchgehend in Strömen. Den «Bodensee-Becher» gewann schliesslich der Schwimmclub Arbon.
Richard Lehner, Kulturverein nebelfrei: 100 Jahre Badhütte Rorschach, 64 Seiten, CHF 22
All das und noch viel mehr ist nachzulesen in der kürzlich erschienenen Festschrift 100 Jahre Badhütte Rorschach, herausgegeben vom Rorschacher Autor Richard Lehner und dem Kulturverein «Nebelfrei». Sein 2003 erschienenes Buch Badhütte Rorschach – Geschichte(n) über dem Wasser wurde bereits viermal aufgelegt und ist mittlerweile vergriffen. «Die stete Nachfrage» habe ihn zu einer Jubiläums-Nachfolgeschrift bewogen, schreibt Lehner im Editorial. Sie kommt als farbenfrohes Heft daher, mit vielen randabfallenden Bildern, neuen persönlichen Texten und Auszügen aus dem alten Badhütte-Buch. Quasi dessen Lightversion, wie gemacht für heisse Tage. Gestaltet wurde die Festschrift von Jenny Baese.
Nachzulesen ist (in beiden Publikationen) auch die Geschichte der langjährigen Bademeisterin und Badhüttenleiterin Anni Görtz. 35 Jahre lang, von 1960 bis 1994, dauerte die «Arä Görtz». Sie brachte unzähligen Rorschacher:innen das Schwimmen bei. Nach ihr benannt sind auch die legendären «Görtzgrade»: Egal wie warm oder kalt der See war, bei Anni Görtz war er immer noch ein paar Grade wärmer, was auch so in der Zeitung stand. Ihr Mann Heini hatte anfangs zwar noch ein paar Berührungsängste mit der Badhütte, war aber bald auch unverzichtbar für den Betrieb. Die Chefin blieb aber stets Anni. Wenn sie jeweils um halb zehn Uhr abends nach Hause kam, hatte ihr Mann die Kinder längst gefüttert und ins Bett gebracht.
Anni Görtz und ihr Mann Heini
Neu hinzugekommen sind persönliche Texte unter anderem von der in Rorschach aufgewachsenen Musikerin Vanessa Engensperger alias Skiba Shapiro, die die Badhütte vor einigen Jahren neu kennen und lieben lernte, oder von Heimweh-Rorschacherin Frauke Sassnik Spohn. Wer wissen will, was gemeint ist mit dem szenigen Lokalstolz, findet die Antwort in ihrem Text. Man könnte meinen, ohne Kenntnis des exakten Verhaltenskodex‘ und aller Rituale in der Badhütte sei Aussenstehenden der Zutritt dort verwehrt – was natürlich ein fataler Trugschluss ist! Die Badhütte lädt alle jederzeit zum Verweilen ein, egal woher.
Bisher lässt der Sommer in Sachen Badiwetter ja noch zu wünschen übrig. Zum Glück sagen die Wetterfrösche für nächste Woche etwas stabilere Lagen voraus. Kaum zu glauben, aber ab Sonntag soll es tatsächlich tagelang trocken bleiben. Ideal, um in Lehners unterhaltsamen Festschrift zu schmökern, egal in welcher Badi. Ungefähr in der Mitte des Hefts steht, wie 1966 eine höhere Gewalt für die Aufhebung der Geschlechtertrennung in der Badhütte sorgte. Und was Anni Görtz damit zu tun hatte.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
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Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
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Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
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