Die unverzichtbaren Sommertipps – Teil 2
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
The Long Sit, 2025. Öl auf Leinwand, 190 × 300 cm.
Noemi Pfister, 1991, aus Locarno, lebt und arbeitet in Basel. Sie hat Fine Arts in Basel und Genf studiert. In ihrer Malerei verbindet Pfister kunsthistorische Motive mit Popkultur und dem kollektiven Bildgedächtnis. Traumartige Landschaften werden von rätselhaften Figuren bevölkert, deren Körper zwischen Spiel, Erschöpfung und Kontemplation oszillieren. Durch die Verbindung des Vertrauten mit dem Unheimlichen erkundet ihre Arbeit mögliche Formen von Gemeinschaft und Koexistenz.
Mit der Kraft der Sonne unterwegs
Zum 15. Mal geht diesen Sommer das Solarkino auf Tournee. Einst als Werbevehikel für Solarenergie gegründet, ist es inzwischen fester und beliebter Bestandteil der sommerlichen Openair-Kinoszene in der Ostschweiz. Auftakt ist vom 8. bis 11. Juli im Strandbad Bruggerhorn in St.Margrethen, das Finale im September in Trogen und am Stadtweier Wil. Dazwischen macht es Halt in Rorschach, in Herisau, in Stein AR, auf der Schwägalp, in Schwellbrunn, in Diepoldsau und in Flawil. Vom 29. Juli bis 8. August gastiert das mit Sonnenenergie betriebene Freiluftkino zudem auf dem Gallusplatz in St.Gallen.
Gestartet wird hier mit Trop chaud: Klima-Seniorinnen vs. Switzerland. Daneben ist auch Heldin, zu sehen, der eindrucksvolle Schweizer Spielfilm über den Pflegealltag. Sehenswert ist sicher auch der Kurzfilmabend am 30. Juli mit Streifen aus fünf verschiedenen Ländern, die einen Blick auf Momente werfen, in denen Menschen, Orte und Erinnerungen aufeinandertreffen. Das Programm des Solarkinos fällt auch in diesem Sommer insgesamt bunt und vielfältig aus. Zwei Streifen stechen als persönliche Favoriten trotzdem heraus: Der Pinguin meines Lebens (16. Juli in Rorschach) und die liebevoll inszenierte Liebesgeschichte Il Postino (13. August im Auenland in Stein AR). Aber eben: Alle werden sicher ihre eigenen Favoriten unter den gut zwei Dutzend Sommerfilmen des Solarkinos finden … (Reto Voneschen)
Solarkino: Mittwoch, 8. Juli. bis Samstag, 12. September, diverse Orte. solarkino-sg.ch
Das kleine Glück im Innenhof der Lokremise
Die Welt scheint derzeit ziemlich aus den Fugen zu sein. Umso willkommener dürfte sein, dass das Kinok diesen Sommer einen Kontrapunkt setzt und seine Freiluftreihe dem Wohlfühlkino verschrieben hat. Das Kinok-Open-Air im Innenhof der Lokremise beim St.Galler Hauptbahnhof zeigt vom 9. Juli bis zum 8. August unter dem Obertitel «Vom kleinen Glück» insgesamt 15 Filme. Darunter sind Klassiker wie Jour de fête (1949) von Jacques Tati, Nuovo cinema paradiso (1988) von Giuseppe Tornatore oder Le fabuleux destin d’Amélie Poulain (2001) mit Audrey Tautou. Sehenswert sind sie aber alle, die kleinen Dramen und Glücksmomente aus allen möglichen Weltgegenden im Kinok-Sommerprogramm. Da geht es unter anderem um das turbulente Liebesleben zweier deutscher Freundinnen (Sommer vorm Balkon am 11. Juli), um die Sprüche in US-Glückskeksen (Fremont am 16. Juli), um eine Kneipe kurz vor dem Aus (Soul Kitchen am 23. Juli), um das Glück dreier japanischer Schwestern (Our Little Sister am 31. Juli) oder um den wohlgeordneten Alltag eines Toilettenreinigers in Tokio, der durch dessen Nichte durcheinandergewirbelt wird (Perfect Days von Wim Wenders am 7. August). (Reto Voneschen)
Kinok-Open-Air: Donnerstag, 9. Juli, bis Samstag, 8. August, Innenhof der Lokremise, St.Gallen. kinok.ch
Galerie Kirchgasse zeigt Christa Näher
Christa Näher ist beinah in Vergessenheit geraten. Sie ist eine von hier, von der Bodenseeregion. Ihr Werdegang ist beachtlich, das Schaffen von grosser Relevanz, eigensinnig und facettenreich. Die Ambivalenz des Lebendigen, die Polarität von Licht und Dunkelheit bilden Konstanten. Rätselhafte Bildwelten, die Verletzlichkeit des Daseins, mythologische Gestalten und schmerzhafte Erfahrungen umkreisen die Überzeugung, dass die Natur dem Menschen überlegen ist. Als erste Frau hatte sie von 1987 bis 2014 eine Professur für Malerei an der Städelschule Frankfurt inne. Davor studierte sie an der Hochschule der Künste in Berlin. 1992 nahm sie an der Documenta IX in Kassel teil. Jetzt sind zahlreiche Werke der 1947 in Lindau geborenen Künstlerin in Steckborn in der Galerie Kirchgasse zu entdecken, nicht allzu weit entfernt von ihrem Wohn- und Arbeitsort in Wolfegg bei Ravensburg. Für den Besuch der Ausstellung «Excess» braucht es eine Terminvereinbarung. Machen wir! Die Neugierde und die Vorfreude sind zu gross. (Ursula Badrutt)
Christa Näher – «Excess»: bis Freitag, 28. August, Galerie Kirchgasse, Steckborn. kirchgasse.com
Kreativ werden im Living Museum
Mitten in Kreuzlingen, an der Müllerstrasse 2a, befindet sich das Living Museum der Stiftung Mansio. Betritt man die hellen grossen Räumlichkeiten, ist man sofort umgeben von Farbtiegeln, Pinseln, Ton und Staffeleien. Für einen Beitrag kann man sich hier für einen Tag einen Atelierplatz sichern und die Materialien nutzen, um eigene Kunstwerke herzustellen. Ausserdem bietet sich die Gelegenheit, mit anderen Kunstschaffenden ins Gespräch zu kommen und einen Einblick in deren Arbeitsweise zu erhalten. Regelmässig finden hier Workshops statt und der schöne Garten lädt zum gemeinsamen Kochen, Erzählen und Verweilen ein. Für IV-Empfänger:innen ist die Teilnahme kostenlos, Sozialhilfebezüger:innen können eine Kostenübernahme beantragen. Eine Terminabsprache ist nicht notwendig, man kann einfach vorbeischauen und loslegen. Das Konzept vom Living Museum stammt aus New York und findet sich auch in Wil, Lichtensteig im Toggenburg, Rapperswil, Winterthur, Schaffhausen und Zürich. (Veronika Fischer)
Living Museum, Kreuzlingen. mansio.ch
Ab an die Poolbar!
Wer einen Grund braucht, um nicht in die Sommerferien verreisen zu müssen: Das Poolbar-Festival ist einer. Es hat sich seit der Gründung 1994 als eines der profiliertesten Kulturfestivals im Bodenseeraum etabliert. Das hat auch damit zu tun, dass die Macher:innen im ehemaligen Hallenbad in Feldkirch jedes Jahr ein breites kulturelles Angebot auf die Beine stellen mit Poolquiz, Openair-Kino-Vorführungen, verschiedenen DJs und in diesem Jahr der Übertragung der Fussball-WM. Ausserdem entwickeln junge Gestalter:innen jährlich im Rahmen des sogenannten «Poolbar Generator» neue Konzepte für das Festivalgelände, wodurch das Festival selbst zu einem Experimentierfeld für kreative Praxis wird. Und auch dieses Jahr finden sich – neben vielen kostenlosen Veranstaltungen – Konzerte im Programm, für die sich auch die Anreise von etwas weiter her lohnt: José González (11. Juli), Kevin Morby (16. Juli), Cari Cari (24. Juli), Donots (7. August) oder die Babyshambles von Peter Doherty (14. August), um nur einige zu nennen. (David Gadze)
Poolbar Festival: Mittwoch, 8. Juli, bis Sonntag, 16. August, ehemaliges Hallenbad, Feldkirch. poolbar.at
Der Bodensee als Atlantik
Piratenkönigin, Mörderin, Freiheitskämpferin, Pionierin der Emanzipation? Anne Bonny ist eine faszinierende historische Figur. Gemeinsam mit Mary Read segelte sie im 18. Jahrhundert kapernd und plündernd durch die Karibik. Waren die zwei Frauen ein Liebespaar? Vieles bleibt im Ungewissen, bietet aber umso mehr Stoff für einen schwungvollen Theaterabend. Das See-Burgtheater in Kreuzlingen inszeniert mit Die Legende von Anne Bonny das richtige Stück am richtigen Ort. Das Ensemble erzählt den Weg der Irin von einer folgsamen Ehefrau zur Rebellin. Es verbindet Live-Musik, Schauspiel, Kampfgetümmel und Akrobatik zu einem actiongeladenen, humorvollen Abend. Damit wird der Bodensee zum Atlantik und die Bühne zum Schiffswrack mit einem zehn Meter hohen Mast mit Ausguck und Takelage. Sogar ein Affe spielt mit und wird das rasante Treiben kommentieren. Und falls das Wetter nicht ganz so südseemässig ausfällt: Die Publikumstribüne ist überdacht. Ahoi! (Kristin Schmidt)
Die Legende von Anne Bonny: Donnerstag, 9. Juli, bis Dienstag, 4. August, jeweils 20:30 Uhr, Seeburgpark, Kreuzlingen. see-burgtheater.ch
Vielfalt, Zusammenleben und Teilhabe
Die SP der Stadt St.Gallen führt auch dieses Jahr wieder mehrere Sommerspaziergänge durch. Das Thema lautet diesmal «Vielfalt, Zusammenleben und Teilhabe». Gegenüber Menschen mit Migrationserfahrungen würden nach wie vor viele Vorurteile bestehen, heisst es in der Ankündigung. Dem stelle die SP andere Perspektiven entgegen: Perspektiven, die zeigen, wie vielfältig St.Gallen ist und wie Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und Erfahrungen die Stadt gemeinsam prägen und gestalten. Die insgesamt sieben Spaziergänge beinhalten Wege durch das Asylverfahren (8. Juli), Migration und frühe Förderung (4. August), die Besichtigung der Moschee in Winkeln (10. August), einen Rundgang durchs Linsebühl (17. August), das Entdecken solidarischer Räume in St.Gallen (21. August), die internationalistischen Perspektiven auf St.Gallens Widerstand (24. August) und Chancen und Vielfalt in Talschulhäuser (1. September). An allen Sommerspaziergängen kann man ohne Anmeldung teilnehmen. (David Gadze)
SP-Sommerspaziergänge: Mittwoch, 8. Juli, bis Dienstag, 1. September, diverse Orte in St.Gallen. stadt.sp-sg.ch
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.
Malerin, lesbisch und glühende NS-Anhängerin. Stephanie Hollenstein (1886-1944) war vieles. Ein Widerspruch? Der neue Dokumentarfilm von Birgitta Weizenegger befasst sich mit dem Leben der vorarlbergischen Künstlerin.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion