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Die Gefühle drehen sich

David Kopp, Maria Lisa Huber und Nurettin Kalfa (von links) in Shakespeares Sommernachtstraum am Vorarlberger Landestheater. (Bilder: Anja Koehler)

David Kopp, Maria Lisa Huber und Nurettin Kalfa (von links) in Shakespeares Sommernachtstraum am Vorarlberger Landestheater. (Bilder: Anja Koehler)

Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.

In der Nacht, wenn die Feen zau­bern und die Ge­füh­le glü­hen, hat die «nor­ma­le Wirk­lich­keit» Pau­se. Wahn und Fan­ta­sie schlei­chen sich dann durch die dunk­len Bäu­me und drin­gen in die Köp­fe der Men­schen, die vor­schnell in­ter­pre­tie­ren und an­greif­bar im Kreis lau­fen. «In Wahr­heit ha­ben Ver­nunft und Lie­be ja we­nig ge­mein­sam», bringt die El­fen­kö­ni­gin Shake­speares Som­mer­nachts­traum auf den Punkt.

Im Vor­arl­ber­ger Lan­des­thea­ter ver­flies­sen je­ne drei Ta­ge und drei Näch­te, die Her­mia (Da­vina Fox) noch Zeit hat, im bun­ten Ne­bel. Sie hat sich gleich zu Be­ginn ge­gen den von ih­rem Va­ter be­vor­zug­ten De­me­tri­us (Lu­zi­an Hir­zel) ent­schie­den und ist mit ih­rem Ge­lieb­ten Lys­an­der (Ni­co Ra­sch­ner) in den Wald ge­lau­fen. Dort sind sie tat­säch­lich nicht das ein­zi­ge Lie­bes­paar, das zu kämp­fen hat. Denn He­le­na (Re­bec­ca Ham­mer­mül­ler) folgt ih­rem An­ge­be­te­ten De­me­tri­us sprich­wört­lich wie ein Da­ckel über­all­hin – auch in den zau­ber­haf­ten Wald, wo der El­fen­kö­nig Obe­ron (Nu­ret­tin Kal­fa) sei­ne Frau Ti­ta­nia (Ma­ria Li­sa Hu­ber) ma­ni­pu­liert und die Se­cu­ri­tys ein Thea­ter­stück für die Hoch­zeit von Her­zog The­seus (Kal­fa) und Hip­po­ly­ta (Hu­ber) ein­stu­die­ren.

Ver­träum­tes Stück mit der­bem Hu­mor

Die Sze­ne­rie des Wal­des bringt in ei­nem Zu­sam­men­spiel von Licht und at­mo­sphä­ri­scher Mu­sik den ver­träum­ten Cha­rak­ter des Stücks her­vor. In­ten­siv wer­den Far­ben in Sze­ne ge­setzt, ein gros­ses Au­ge prä­sen­tiert sich zwi­schen den Bäu­men, El­fen hüp­fen im Kreis, wäh­rend der Ehe­streit des Kö­nigs­paa­res zu es­ka­lie­ren droht, Obe­rons Hand­lan­ger Puck (Isa­bel­la Cam­pest­ri­ni) hängt in der Luft und auch die Dia­lo­ge sind be­mer­kens­wert lus­tig und tref­fend. In der mo­der­nen Über­set­zung von Re­bek­ka Kri­chel­dorf wird Ein Som­mer­nachts­traum hier zu ei­nem sehr zu­gäng­li­chen Stück, in dem Shake­speares Sprach­witz auf un­se­re mo­der­ne­re Le­bens­rea­li­tät um­ge­deu­tet wird. 

Maria Lisa Huber, David Kopp und Isabella Campestrini. 

Maria Lisa Huber, David Kopp und Isabella Campestrini. 

Mit Zau­ber­tricks wird nicht ge­spart. Die fan­tas­ti­schen Fi­gu­ren zei­gen sich glit­zernd in Tu­tus, schmeis­sen sich leuch­ten­de Gum­mi­bäl­le zu oder fah­ren auf Roll­schu­hen oder mit dem Scoo­ter auf die Büh­ne. Bei so vie­len Fi­gu­ren, die al­le ganz wun­der­bar bunt an­ge­zo­gen sind (Kos­tü­me von Ju­lia Klug) ist man beim Zu­schau­en ge­for­dert, um nicht den Fa­den zu ver­lie­ren. Vor al­lem weil ei­ni­ge von ih­nen zwei oder gleich drei Rol­len ver­kör­pern und fast naht­los zwi­schen den auf­wen­di­gen Ver­klei­dun­gen hin- und her­wech­seln. 

Cha­os und wei­te­re Ver­wir­run­gen

Mit­ten­drin rich­tet sich die Auf­merk­sam­keit auf die Pro­ben der leicht ent­flamm­ba­ren Hand­wer­ker­grup­pe, die sich in Bre­genz als schwarz ge­klei­de­te Se­cu­ri­tys mit Son­nen­bril­len vor dem Wald zu fürch­ten schei­nen. In ei­nem span­nen­den Kon­trast zu­cken sie to­tal ver­schreckt vor den an­de­ren zu­sam­men, um dann selbst laut und her­risch die Büh­ne ein­zu­neh­men. Der ner­vö­se Franz Flaut (Ni­co Ra­sch­ner) will nicht die This­be, son­dern den Py­ra­mus spie­len, der coo­le Hans Schnock (Re­bec­ca Ham­mer­mül­ler) ringt nach Wor­ten und in­sze­niert ein­fach­heits­hal­ber ei­nen sehr tro­cke­nen Lö­wen, Tom Schnautz (Da­vina Fox) tas­tet sich vor­sich­tig und mit Des­in­fek­ti­ons­mit­tel an ih­ren Auf­tritt als Wand her­an, Pe­ter Sqenz (Lu­zi­an Hir­zel) ver­sucht den Über­blick zu be­wah­ren und hält die Lam­pe, Klaus Zet­tel (Da­vid Kopp) ver­wan­delt sich zum Esel und wird als sanf­tes wun­der­sa­mes We­sen von Ti­ta­nia um­sorgt. Mit der ge­lun­ge­nen iro­ni­schen Per­for­mance sind auch The­seus und Hip­po­ly­ta zu­frie­den: «Eu­er Stück braucht kei­ne Ent­schul­di­gung.»

Was die Lie­be be­trifft, ge­ra­ten die Fi­gu­ren manch­mal et­was durch­ein­an­der und auch als Freun­de an­ein­an­der. Ge­ra­de liegt das Pär­chen noch fried­lich auf dem Büh­nen­bo­den, da riecht es schon nach Be­trug und Ei­fer­sucht, wenn Puck da­zwi­schen­funkt. Mit of­fe­nen Au­gen und ver­än­der­tem Ge­müt sind die Män­ner von ei­nem auf den an­de­ren Tag wie ver­zau­bert. Die Welt dreht sich eben und mit den Ge­füh­len von De­me­tri­us und Lys­an­der dreht sich auch der Wald – ei­ne Holz­kon­struk­ti­on, auf der die Fi­gu­ren auf und ab klet­tern und quer hin­durch­lau­fen. «Ent­schul­di­ge, dass ich es mir er­lau­be, jetzt dich zu lie­ben», ver­sucht Lys­an­der sei­ne nun an­ge­be­te­te He­le­na zu be­schwich­ti­gen. Aber so ein­fach ist das nicht mit dem Ver­liebt­sein: «Mir reichts jetzt, ich will ein­fach nur nach Hau­se», er­wi­dert He­le­na, aber sie geht nicht oh­ne ihr Herz, dass noch bei De­me­tri­us fest­hängt, und der braucht wirk­lich lan­ge, bis er zu «sei­nem na­tür­li­chen Ge­schmack zu­rück­fin­det». 


Ein Som­mer­nachts­traum von Wil­liam Shake­speare: Diens­tag, 23. Ju­ni, Sonn­tag, 28. Ju­ni, Mitt­woch, 1. Ju­li, Don­ners­tag, 2. Ju­li, und Sams­tag, 4. Ju­li, je­weils 19:30 Uhr, Vor­arl­ber­ger Lan­des­thea­ter, Bre­genz. 
lan­des­thea­ter.org

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Die Ge­füh­le dre­hen sich

Mit ver­schreck­ten Se­cu­ri­tys in ei­ner bun­ten In­sze­nie­rung von An­ge­li­ka Zacek prä­sen­tiert das Vor­arl­ber­ger Lan­des­thea­ter in Bre­genz Shake­speares Ein Som­mer­nachts­traum.

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Ein Sommernachtstraum David Kopp Maria Lisa Huber Nurettin Kalfa c Anja Koehler

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