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«Es geht darum, sich seiner Privilegien bewusst zu sein»

Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.

Das Bild stammt aus einer Serie der Künstlerin Zoe Aubry, die den Schwerpunkt zur Gewalt an Frauen im Juniheft 2025 begleitete.

Das Bild stammt aus einer Serie der Künstlerin Zoe Aubry, die den Schwerpunkt zur Gewalt an Frauen im Juniheft 2025 begleitete.

Sai­ten: In den ers­ten fünf­ein­halb Mo­na­ten des Jah­res sind ge­mäss stopf­emi­zid.ch in der Ost­schweiz mut­mass­lich vier Frau­en Op­fer von Fe­mi­zi­den ge­wor­den. Schweiz­weit wa­ren es neun. Was be­deu­ten die­se Zah­len?

Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler: Sie wi­der­spie­geln ein Bild von ge­ne­rell stei­gen­den Zah­len bei der häus­li­chen Ge­walt. Die Aus­las­tung bei uns im Frau­en­haus St.Gal­len ist hoch. Es be­deu­tet aber auch, dass es sich um ein re­le­van­tes The­ma han­delt, dass es zu be­hän­di­gen gilt. Wenn die Frau­en zu uns kom­men, ha­ben sie schon ei­nen lan­gen Weg hin­ter sich. Man müss­te schon viel frü­her ein­grei­fen.

Und das hat sich im Ver­gleich zu den letz­ten Jah­ren ver­än­dert?

KHK: Wir ha­ben vor nicht all­zu lan­ger Zeit die Schutz­plät­ze aus­ge­baut. Und die sind ei­gent­lich im­mer kom­plett be­legt.

Flo­rance Hil­de­brand: Ge­mäss Is­tan­bul-Kon­ven­ti­on dürf­te die Aus­las­tung ja höchs­tens bei 75 Pro­zent lie­gen.

KHK: Das ist kor­rekt. Und wenn wir das auf die Kan­to­ne auf­schlüsseln – wir sind ja für meh­re­re zu­stän­dig –, bräuch­ten wir noch mehr Plät­ze.

Du sprichst es an: Der Kan­ton Thur­gau hat kein ei­ge­nes Frau­en­haus – Flo­rance, du setzt dich mit dem fe­mi­nis­ti­schen Kol­lek­tiv da­für ein.

FH: Der Thur­gau hat ei­gent­lich ei­ne Leis­tungs­ver­ein­ba­rung mit der Stadt Win­ter­thur. Aber wenn die kei­nen Platz ha­ben, kom­men die Frau­en auch nach St.Gal­len oder müs­sen bis ins Wal­lis oder in ir­gend­wel­che Ho­tels – oh­ne Schutz oder psy­cho­lo­gi­sche Hil­fe. Die Tat­sa­che, dass der Thur­gau kei­ne Schutz­plät­ze hat, hat rea­le Kon­se­quen­zen für die Be­trof­fe­nen. Und für die Mit­ar­bei­ten­den der Frau­en­häu­ser auch. Es sind schlicht zu vie­le Fäl­le für zu we­nig Res­sour­cen.

Ma­nu­el, du bist im Vor­stand von Fo­rum Mann, ihr be­ra­tet Män­ner. Kom­men da auch im­mer mehr?

Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann: Die­ses Jahr war das tat­säch­lich so. Das führt al­ler­dings so­fort zu ei­nem Pro­blem, da wir von Mit­glie­der­bei­trä­gen und Spen­den le­ben. Wir wol­len ein mög­lichst nie­der­schwel­li­ges An­ge­bot bie­ten. Aus­ser­dem feh­len uns auch per­so­nel­le Res­sour­cen.

Was bie­tet ihr denn an?

MBL: Wir bie­ten Män­nern in her­aus­for­dern­den Le­bens­si­tua­tio­nen ei­ne Stand­ort­be­stim­mung so­wie wei­ter­füh­ren­des Coa­ching zu Chan­cen­gleich­heit, Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf so­wie Män­ner­ge­sund­heit an. Zu­dem or­ga­ni­sie­ren wir Ver­an­stal­tun­gen.

Im Vor­feld hast du zu mir ge­sagt, es ge­be ver­schie­de­ne Grup­pen von Män­nern und die Fra­ge sei, wie wir al­le ab­ho­len könn­ten, um et­was ge­gen Ge­walt zu tun.

MBL: Ja. Es gibt je­ne, die von sich wei­sen, dass wir ein Pro­blem ha­ben – die­se Män­ner sind nicht ge­nü­gend selbst­re­flek­tiert. Und es gibt je­ne, die sich der Pro­ble­ma­tik be­wusst sind. Das ist die ers­te Grup­pe. Dann gibt es die in der Mit­te, sie sind pas­siv, emp­fäng­lich für pro­ble­ma­ti­sche Nar­ra­ti­ve oder füh­len sich an­ge­grif­fen und wol­len sich ver­tei­di­gen. Aber bei wei­te­ren et­wa 20 bis 30 Pro­zent der Män­ner, der drit­ten Grup­pe, ha­ben sich ge­fähr­li­che Nar­ra­ti­ve, vor al­lem aus der Ma­nos­phe­re, be­reits ge­fes­tigt. Die ers­te und die zwei­te Grup­pe kön­nen wir er­rei­chen. Für die drit­te braucht es neue Kon­zep­te und Sen­si­bi­li­sie­rungs­ar­beit, wie män­ner.ch sie zur Ver­fü­gung stellt. Und ge­gen das, was ge­ra­de im In­ter­net pas­siert, ha­ben wir ver­mut­lich kei­ne Chan­ce.

FH: Es gibt aber auch noch die Grup­pe der Tä­ter. Die wür­de ich einzeln ver­bu­chen. Per­so­nen, die ge­gen­über ih­ren Part­ner:in­nen ge­walt­tä­tig ge­wor­den sind, brau­chen ob­li­ga­to­ri­sche Mass­nah­men und kei­ne Sen­si­bi­li­sie­rungs­an­ge­bo­te.

MBL: Aber die kom­men ja von ir­gend­wo her. Es gibt ei­ne Stu­die, die män­ner.ch für den Bund durch­ge­führt hat. Die­se hat die pro­ble­ma­ti­schen Nar­ra­ti­ve un­ter­sucht und zeigt, wie sich Män­ner ra­di­ka­li­sie­ren bis hin zu -Fe­mi­zi­den oder Amok­läu­fen.

Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau.

Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau.

FH: Die Män­ner füh­len sich in ih­rer Rol­le und Kon­troll­funk­ti­on be­ein­träch­tigt, sie müs­sen nicht zwin­gend durch die Ma­nos­phe­re ra­di­ka­li­siert wor­den sein. Das ist eben das Pa­tri­ar­chat!

MBL: Wir dür­fen bei­des aber nicht von­ein­an­der los­ge­löst be­trach­ten. Die Ma­nos­phe­re speist sich ja aus dem Pa­tri­ar­chat. Sie ist in ei­ner be­stimm­ten Form ei­ne Re­ak­ti­on auf die Kri­tik am Pa­tri­ar­chat und de­ren Struk­tu­ren. Al­ler­dings ist das, was in der Ma­nos­phe­re er­zählt wird, wohl kaum wirk­lich neu. Neu ist, dass es mit So­cial Me­dia da­für Platt­for­men gibt, die nur schwer zu kon­trol­lie­ren sind.

Was muss al­so pas­sie­ren? Müss­te man mit Män­nern über ih­re Rol­le spre­chen? Und was ih­nen auf­grund die­ser zu­steht?

MBL: Es bräuch­te re­gel­mäs­si­ge Ver­an­stal­tun­gen zur Sen­si­bi­li­sie­rung. Ein sicht­ba­res Be­ra­tungs­an­ge­bot. An­ge­bo­te für Schu­len, in der Ju­gend­ar­beit oder bei­spiels­wei­se in Ver­bin­dung mit Tanz oder Thea­ter­päd­ago­gik. Hier sind wir schon in Kon­takt mit Män­nern, die so­was an­bie­ten könn­ten. Pro­ak­tiv. Im bes­ten Fall schon, be­vor es Pro­ble­me an Schu­len gibt.

KHK: Es braucht bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen, an Schu­len Prä­ven­ti­on und frü­he Sen­si­bi­li­sie­rungs­ar­beit zum The­ma Ge­walt und wo die­se be­ginnt. Da­mit Kin­der, die in sol­chen Si­tua­tio­nen auf­wach­sen, die­se über­haupt er­ken­nen. Der Kan­ton hat kürz­lich zwei run­de Ti­sche mit in­vol­vier­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen und An­sprech­part­ner:in­nen or­ga­ni­siert, um ei­nen Ak­ti­ons­plan ge­gen häus­li­che Ge­walt zu er­stel­len. Prä­ven­ti­on war ein gros­ses The­ma. Es braucht aber auch Res­sour­cen für das Aus­län­der:in­nen-The­ma, denn häus­li­che Ge­walt hat auch was mit Kul­tur zu tun.

FH: Ich fin­de es pro­ble­ma­tisch, ge­schlechts­be­zo­ge­ne Ge­walt nach der Her­kunft zu er­klä­ren. Den Fo­kus fälsch­li­cher­wei­se auf Mi­gra­ti­on zu le­gen ist ge­fähr­lich, weil es das ei­gent­li­che Pro­blem nicht löst. Ge­walt ge­gen Frau­en ist kein «im­por­tier­tes» Pro­blem, son­dern Aus­druck pa­tri­ar­cha­ler Macht­ver­hält­nis­se, wel­che in der Schweiz wei­ter­hin vor­han­den sind. Die Sta­tis­tik zeigt nur ei­nen mi­ni­men Teil der Ge­walt auf, der grös­se­re Teil liegt im Dun­kel­feld. An­zei­gen hän­gen auch von so­zia­lem Sta­tus und Glaub­wür­dig­keit ab. Ge­walt nimmt nach­weis­lich dort zu, wo Men­schen un­ter Druck ge­ra­ten: Ar­mut, Per­spek­tiv­lo­sig­keit, Trau­ma­ta oder Sta­tus­ver­lust kön­nen pa­tri­ar­cha­le Kon­troll­an­sprü­che ver­schär­fen. Ent­schei­dend sind al­so ge­sell­schaft­li­che Macht­ver­hält­nis­se, nicht Her­kunft oder Kul­tur.

Was hal­tet ihr vom Be­griff des Ge­ne­ral­ver­dachts?

FH: Schwie­rig. Ja, die meis­ten Tä­ter sind Män­ner, aber es geht doch ei­gent­lich dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein. Für mich gibt es da Par­al­le­len zum Ras­sis­mus. Beim The­ma Ras­sis­mus bin ich als weis­se Frau pri­vi­le­giert. Beim The­ma Se­xis­mus bin ich un­ter­drückt. Ich er­war­te von Män­nern, dass sie die­sen Lern­pro­zess eben­falls durch­lau­fen, so wie ich es ge­ra­de im Be­zug zu Ras­sis­mus tue. Das be­deu­tet halt an­zu­er­ken­nen, dass man au­to­ma­tisch, oh­ne et­was da­für zu kön­nen oder was Bö­ses zu wol­len, in der Ge­sell­schaft Pri­vi­le­gi­en hat, wenn man als (weis­ser Cis-)Mann ge­le­sen wird. Män­ner ver­die­nen mehr, wer­den als glaub­wür­di­ger wahr­ge­nom­men, sind we­ni­ger von Al­ters­ar­mut be­trof­fen und er­le­ben we­ni­ger se­xua­li­sier­te Ge­walt.

MBL: Geht es dar­um, sich des­sen be­wusst zu sein, oder soll­ten Män­ner auch an­ders han­deln?

FH: Der ers­te Schritt ist das Be­wusst­wer­den. So­bald Män­ner sa­gen, ich bin ja nicht das Pro­blem, zeigt sich, dass sie die­sen Schritt eben nicht ge­macht ha­ben. Der zwei­te Schritt ist dann ein­zu­grei­fen und et­was zu sa­gen, wenn man ei­ne Si­tua­ti­on er­lebt, in der Frau­en in ir­gend­ei­ner Form se­xua­li­sier­ter Ge­walt aus­ge­setzt sind. Ich war oft in Si­tua­tio­nen, in de­nen nie­mand et­was ge­sagt hat, mich nie­mand un­ter­stützt hat.

Katja Hämmerli Keller leitet das Frauenhaus in St.Gallen.

Katja Hämmerli Keller leitet das Frauenhaus in St.Gallen.

KHK: Ich bin da­für, dass man hier dif­fe­ren­ziert. Es sind nicht al­le Män­ner schlecht, nicht al­le Frau­en ma­chen ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen. Es ist auch mög­lich, als Frau selbst­be­stimmt durchs Le­ben zu ge­hen, um­ge­ben von gu­ten Män­nern. Ge­walt an sich ist das Pro­blem. Sei es phy­si­sche Ge­walt oder psy­chi­sche Ge­walt. Egal von wem sie aus­geht.

MBL: Ja, aber die Män­ner sind in ih­rer pri­vi­le­gier­ten Si­tua­ti­on si­cher im­mer noch zu we­nig selbst­re­flek­tiert.

FH: Und die meis­ten Op­fer sind Frau­en, die meis­ten Tä­ter sind Män­ner. Ge­schlechts­be­zo­ge­ne Ge­walt ist kei­ne neu­tra­le phy­si­sche oder psy­chi­sche Ge­walt, son­dern ei­ne, die auf feh­len­der Gleich­stel­lung be­ruht!

KHK: Mir geht es um ei­ne ge­ne­rel­le Hal­tung: Man darf kei­ne Ge­walt aus­üben, ge­gen­über nie­man­dem. Es geht um Schutz von Per­so­nen, die Un­ter­stüt­zung brau­chen. Ich ha­be lan­ge mit ver­schie­de­nen Leu­ten ge­ar­bei­tet, die Schutz und Un­ter­stüt­zung brau­chen. Das ge­hört zu ei­ner pro­fes­sio­nel­len Hal­tung, die ich als sehr wich­tig für die Zu­kunft emp­fin­de. Ich möch­te, dass Frau­en raus­ge­hen und selbst­stän­dig sein kön­nen und den Mut ha­ben, ih­ren Weg zu ge­hen. Ei­ne ge­sun­de Ent­wick­lung ist wich­tig und das möch­te ich ver­tre­ten.

FH: Klar, ich bin auch ge­gen jeg­li­che Ge­walt. Aber ich ha­be ein Pro­blem da­mit, wenn du das so framest. Ich weiss, du meinst es nicht so, aber wenn man sagt, es sei­en al­le Ge­schlech­ter gleich be­trof­fen, dann kann man un­mög­lich die struk­tu­rel­len Wur­zeln von Se­xis­mus be­kämp­fen.

KHK: Da sind wir uns ei­nig.

MBL: Aber es stimmt schon, Män­ner, die nicht rein­pas­sen, sind ge­nau­so be­trof­fen, be­kom­men ge­nau­so auf den De­ckel und er­klärt, wie sie sein müss­ten, um -rein­zu­pas­sen. Mit mei­nen Stern­li in der Ka­pu­ze könn­te ich nicht auf dem Land le­ben, wenn ich ernst ge­nom­men wer­den möch­te. Dann müss­te ich mich an­ders an­zie­hen.

FH: Aber du kannst dich an­ders an­zie­hen! Ich kann mich nicht als Mann ver­klei­den, das ist der Un­ter­schied!

MBL: Ich bin aber nicht mehr ich sel­ber, wenn ich mich an­ders an­zie­he. Und da­mit möch­te ich nicht ne­gie­ren, dass Frau­en ge­wis­se An­pas­sungs­leis­tun­gen gar nicht er­brin­gen kön­nen. Ich se­he das.

Es geht al­so mehr um Selbst­re­fle­xi­on und Pri­vi­le­gi­en als um ei­nen Ge­ne­ral­ver­dacht?

FH: Für mich spielt sich die Ver­ant­wor­tung in all den Le­bens­be­rei­chen ab, über­all dort, wo wir He­bel­wir­kung ha­ben. Ich ver­su­che bei­spiels­wei­se, kei­ne Kla­mot­ten zu kau­fen, die un­ter schlech­ten Ar­beits­be­din­gun­gen her­ge­stellt wur­den. Ich kann al­so je nach mei­ner Po­si­ti­on in der Ge­sell­schaft ei­nen be­stimm­ten Ein­fluss neh­men. Ein Bank­an­ge­stell­ter, der sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst ist, über­lässt die Be­för­de­rung der Kol­le­gin mit den­sel­ben Qua­li­fi­ka­tio­nen. Ein Par­la­men­ta­ri­er könn­te sich für ein Frau­en­haus ein­set­zen.

Manuel Benjamin Lehmann ist Vorstandsmitglied bei der Ostschweizer Männerinitiative Forum Mann.

Manuel Benjamin Lehmann ist Vorstandsmitglied bei der Ostschweizer Männerinitiative Forum Mann.

Braucht es denn auf ge­setz­li­cher Ebe­ne Ver­än­de­run­gen, um Be­trof­fe­ne bes­ser vor häus­li­cher Ge­walt zu schüt­zen?

KHK: Es gibt schon vie­les. Aber es fehlt noch im­mer oft an Know-how und vor al­lem an fi­nan­zi­el­len Mit­teln. Be­son­ders für die Prä­ven­ti­on.

FH: Seit 2017 ha­ben wir die Is­tan­bul-Kon­ven­ti­on ra­ti­fi­ziert. Die Schweiz setzt sie aber un­ge­nü­gend um. Das, was der Thur­gau macht, ist Tritt­brett­fah­ren. Wir ha­ben 300’000 Ein­woh­ner:in­nen und kei­ne ei­ge­nen Schutz­plät­ze, wäh­rend al­le an­de­ren Kan­to­ne in der Grös­se min­des­tens ei­ne Mit­trä­ger­schaft ha­ben. Es ist dem­entspre­chend un­ge­recht: Je nach­dem, wo mir Ge­walt wi­der­fährt. Das ist Lot­te­rie.

MBL: Auch die Män­ner­ar­beit muss pro­fes­sio­na­li­siert und fi­nan­ziert wer­den. Und zwar auf na­tio­na­ler Ebe­ne. Da­für set­zen wir uns zu­sam­men mit män­ner.ch ein.

FH: Fi­nan­zie­rung ist ein Pro­blem. Im Thur­gau fin­det ge­ra­de die Ver­nehm­las­sung statt zur «Auf­ga­ben- und Ver­zichts­pla­nung» – dem kan­to­na­len Spar­pa­ket. Un­ter an­de­rem soll die Fi­nan­zie­rung der Brust­krebs-Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen ge­stri­chen wer­den.

Und dann kommt ja noch die di­gi­ta­le Ge­walt da­zu. Hier sind die Zu­stän­dig­kei­ten noch schwie­ri­ger und die recht­li­chen Grund­la­gen.

KHK: Wer von Ge­walt – in ei­nem brei­ten Ver­ständ­nis – be­trof­fen ist, kann zu uns kom­men. Die ers­ten zehn Ta­ge auch be­züg­lich der Op­fer­hil­fe kön­nen wir re­la­tiv breit Unter­stüt­zung bie­ten. Die Ge­walt muss be­legt sein, aber wel­che Form, spielt kei­ne Rol­le. Es ist al­ler­dings schwie­rig, psy­chi­sche oder di­gi­ta­le Ge­walt fest­zu­hal­ten, und auch straf­ge­setz­lich ist der Spiel­raum klei­ner. Da feh­len schon noch Grund­la­gen.

MBK: Man müss­te die Platt­for­men in die Pflicht neh­men. Sie müssen kon­trol­liert und sank­tio­niert wer­den.

FH: Wenn 15-Jäh­ri­gen miso­gy­ne In­hal­te auf So­cial Me­dia an­ge­zeigt wer­den, ist das ja auch di­gi­ta­les Ge­walt­an­hei­zen.

Im Zu­ge der Deepf­ake-De­bat­ten im In­ter­net wird oft von Män­nern ver­langt, Stel­lung zu be­zie­hen. Denkt ihr, das ist sinn­voll?

MBL: Ja, Män­ner sind in der Ver­ant­wor­tung Stel­lung zu be­zie­hen. Und wenn je­mand da­durch Ge­gen­wind be­kommt, macht man viel­leicht die Er­fah­rung, die Frau­en eh die gan­ze Zeit ma­chen. Was hel­fen kann, ist ei­ne De­mo, so wie es in Kon­stanz pas­siert ist. Da sind Män­ner auf die Stras­se ge­gan­gen und ha­ben ge­se­hen, dass auch sie nicht al­lei­ne sind.

FH: Ja, macht das! Da ma­chen un­se­re So­li-Män­ner si­cher auch mit!

 

Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, 1982, lei­tet seit Be­ginn des Jah­res das Frau­en­haus St.Gal­len. Zu­vor war sie als lei­ten­de Psy­cho­lo­gin am Kan­tons­spi­tal St.Gal­len tä­tig, führ­te ei­ne ei­ge­ne Pra­xis und bil­de­te Stu­die­ren­de aus.

Flo­rance Hil­de­brand, 1991, schliesst der­zeit ih­ren Mi­nor in Gen­der Stu­dies am In­ter­dis­zi­pli­nä­ren Zen­trum für Ge­schlech­ter­for­schung (IZFG) der Uni­ver­si­tät Bern ab und ist mit­ver­ant­wort­lich für das Fund­rai­sing bei Bra­va (frü­her: Terre des femmes). Zu­vor war sie in der in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit tä­tig, hat ei­nen Mas­ter in De­ve­lo­p­ment Stu­dies. Sie en­ga­giert sich eh­ren­amt­lich im Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und als Stif­tungs­rä­tin der Me­di­ca Mon­dia­le Foun­da­ti­on Switz­er­land.

Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann, 1974, ist Kul­tur­or­ga­ni­sa­tor, so­zio­kul­tu­rel­ler Ani­ma­tor und Trans­for­ma­ti­ons­mo­de­ra­tor. Er ist seit 2021 Vor­stands­mit­glied der Ost­schwei­zer Män­ner­initia­ti­ve Fo­rum Mann und hat Pro­jek­te wie Tran­si­ti­on Zü­rich, das Er­näh­rungs­fo­rum Zü­rich, den Think­pact Zu­kunft, das Zu­kunfts­dorf Egnach und zu­letzt das Pro­jekt Ima Ada­ma in­iti­iert.

Programm Feministischer Streik

13. Ju­ni:

Ru­he­oa­se und In­fo­stand, ab 10 Uhr, Bär:in­nen­platz, St.Gal­len.

Fe­mi­nis­ti­sches So­li­quiz (mit An­mel­dung), 19:30 Uhr und ­an­schlies­send Pau­lin­ko (D) und Caps­lock Su­per­star ab 22 Uhr, Gra­ben­hal­le, St.Gal­len

13. Ju­ni:

Mit dem Streik­kol­lek­tiv Win­ter­thur auf die Stras­se – laut, 
so­li­da­risch und sicht­bar, 17 Uhr, Open Mic, Bar und Mu­sik, 
ab 19 Uhr, Neu­markt, Win­ter­thur.

14. Ju­ni:

Re­den, Kund­ge­bung und Fest­li­ches, Glace­stand und In­for­ma­tio­nen zum Ca­re-Streik 2027, ab 14 Uhr, Day Dance 16 bis 18 Uhr,
Stadt­park, St.Gal­len.

14. Ju­ni:

De­mo in Kreuz­lin­gen, 10 Uhr, da­nach Re­den und Über­ga­be der Pe­ti­ti­on für das Frau­en­haus und der Gleich­stel­lungs­for­de­run­gen, Streik­piz­za und Fei­ern, ab 12:30 Uhr, Drei­spitz­park, Kreuz­lin­gen. (An­rei­se: Be­samm­lung 8 Uhr, Bahn­hof Frau­en­feld)

Ver­an­stal­tun­gen Fo­rum Mann in Zu­sam­men­ar­beit 
mit der Se­xu­al­be­ra­tungs­stel­le La­via:

16. Sep­tem­ber:

Männ­li­che Se­xua­li­tät, 19 bis 21 Uhr, Ai­da, St.Gal­len.

26. No­vem­ber:

Kom­mu­ni­ka­ti­on und Her­aus­for­de­run­gen in Part­ner­schaf­ten,

19 bis 21 Uhr, Ai­da, St.Gal­len.

fe­mi­nis­ti­scher­streik-sg.ch
fem­streiktg.ch
fo­rum­mann.ch

FC St.Gal­len vs. FC Lu­ga­no 5:0 – St.Gal­len de­klas­siert ein de­zi­mier­tes Lu­ga­no

Der FC St.Gal­len nützt ei­ne frü­he ro­te Kar­te ge­gen Lu­ga­no gna­den­los aus und schickt den bis­her so sou­ve­rä­nen Lea­der gleich mit 5:0 nach Hau­se. Ein denk­wür­di­ger Nach­mit­tag zum Nach­le­sen hier im SENF-Ti­cker.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Bücherherbst

Vom Fest­hal­ten und los­las­sen

Von Karsten Redmann,
Alles in allem taschenbuch julia trachsel

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

Von Philipp Bürkler,
Naturmuseum Mensch und Universum Niklas Thalmann

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle