Flipper im Militärdienst
Es klingt wie das Szenario eines 80er-Jahre Science-Fiction-Spionage-Thrillers: Auf Satellitenaufnahmen des russischen Flottenstützpunkts Sewastopol waren 2022 eindeutig die Umrisse von zwei gigantischen Netzkäfigen zu erkennen, die irgendwie so gar nicht ins Bild des mächtigen Militärhafens passten.
In der Folge überschlug sich die westliche Öffentlichkeit in teils wilden Theorien über den Zweck der Zwinger. Gestützt auf Quellen des britischen Geheimdiensts berichtete unter anderem der «Spiegel» von Putins Kampfdelfinen, die allem Anschein nach rund um die Krim dazu eingesetzt worden waren, um feindliche Taucher abzuwehren. Irre: Kurz bevor diese Kolumne per Mail an die Redaktion verschickt wurde, kursierten im Netz plötzlich Artikel (unter anderem im «Wall Street Journal»), über verminte iranische Tümmler in der Meerenge von Hormus, aber auch von US-Delfinen, die anscheinend in denselben Gewässern Wasserminen der Gegenseite nachjagten.
Was zunächst wie an den Haaren herbeigezogen aussieht, scheint bei genauerem Hinsehen international etablierte Militärstrategie: Seit dem Kalten Krieg unterhalten sowohl die USA als auch Russland nachweislich Programme, die Meeressäuger wie Wale (vor allem Delfine) und Robben (insbesondere Seelöwen) gezielt auf Kriegsaufgaben wie Minensuche, Wachdienste, Objektbergungen und sogar Spionageeinsätze vorbereiten. Das US Navy Marine Mammal Program (NMMP) setzte die Tiere, die sich aufgrund ihrer Intelligenz und ihres Spieltriebs ideal für diese Aufgaben trainieren lassen, unter anderem im Vietnam- und im Irakkrieg ein.
Fakt ist: Wir Menschen missbrauchen Tiere seit jeher für Kriegszwecke. Zuvorderst werden Pferde, aber auch Esel, Kamele und sogar Elefanten als Reit- und Lasttiere eingesetzt. Die militärischen «Erfolge» Dschingis Khans, dessen berittene Heere die halbe Welt eroberten, gehen nachweislich auf die herausragenden mongolischen Fähigkeiten zu Pferd zurück. Alexander der Grosse besass ein seinerzeit weltberühmtes Schlachtross namens Bukephalos und Hannibal überquerte mit 37 Elefanten die Alpen, von denen allerdings nur acht den Höllenritt überlebten. -Zuletzt wurde der ukrainische Jack-Russel-Terrier Patron für das Entschärfen von mehr als 200 Sprengsätzen mit militärischen Ehren ausgezeichnet.
Aber es geht noch absurder: Im Zweiten Weltkrieg testete die Wehrmacht nachweislich den Einsatz von Kartoffelkäfern, um feindliche Ernten zu zerstören, während Japan mit Pest und Cholera infizierte Fliegen über China abwarf.
Bei aller Absurdität dieser Konstellationen: Sie unterstreichen einmal mehr, mit welchem Selbstverständnis und welcher Egomanie der Mensch Tiere auf widerwärtige Art und Weise für seine Zwecke ausbeutet. Und nicht nur das: Jeder menschengemachte Krieg fördert Millionen Opfer im Tierreich, die meist nur als Fussnote und Kollateralschäden abgehakt werden. Ein Sündenfall, der seinesgleichen sucht.
Jeremias Heppeler, 1989, lebt und arbeitet als Künstler, Musiker und Autor im Donautal und irgendwie auch überall sonst in den intermedialen Zwischenräumen dieser Welt. In seiner Kolumne streift Heppeler literarisch durch das kunterbunte Tierreich des Popkultur-Planeten Erde – auf der Suche nach den seltsamsten Lebewesen, den absurdesten Fakten und den erschreckendsten Umweltsünden. Die Illustration stammt ebenfalls aus seiner Feder.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Autor:innen des Horrorgenres bedienen sich seit jeher der Ästhetik der Insektenwelt. Legendäre Monsterdesigns wie der Xenomorph in Alien, die Bugs in Starship Troopers oder «It» in Resident Evil…
Hast du schon einmal einen Biber Fallschirmspringen sehen? Nein? Ich auch nicht! Um dieses Ereignis bestaunen zu können, müsste man mittels Zeitreise zu einem sehr spezifischen Zeitpunkt in der Geschichte springen. Genauer gesagt ins Jahr 1949 in Northern Idaho. Damals nämlich warf das…
Geständnis vorab: Die Idee, diesen Text zu schreiben, wurde vor allem von der Tatsache befeuert, dass «Cappuccino-Bär» einfach eine zuckersüsse Artenbeschreibung ist.
Tatsächlich bezeichnet die Kaffee-Referenz aber den realen Hybriden aus Eisbär und Grizzly, der seit einigen Jahren im…
Die Angst geht um im indischen Bundesstaat Jharkhand: Ein Serientäter hat alleine im noch jungen Jahr 2026 über 20 Menschen durch stumpfe Gewalt getötet. Profiler beschreiben den Verdächtigen als männlich, jung und unberechenbar. Das Grauen schlug nachts und mit unbeschreiblicher Brutalität zu…
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.